Stressreduktion und psychische Gesundheit evaluiert

Veröffentlicht am 19.08.2021 16:02 von Redaktion rehanews24

Das Berufliche Trainingszentrum am Berufsförderungswerk Leipzig untersucht seine Maßnahmen im Rahmen von wissenschaftlichen Abschlussarbeiten.

Der Anspruch am Beruflichen Trainingszentrum (BTZ) ist hoch. Doch erfüllen die Maßnahmen tatsächlich die eigenen Erwartungen? Dieser Frage geht das BTZ derzeit mithilfe zweiter Werksstudentinnen und ihrer wissenschaftlichen Abschluss-Arbeiten nach. Die Evaluation soll dazu beitragen, vertiefte Erkenntnisse über die Effekte der Maßnahmen zu erlangen. Im Fokus stehen aktuell Stressbewältigungstrainings und Maßnahmen des Reha-Assessments. Das BTZ hat bereits gute Erfahrungen mit Kooperationen dieser Art gesammelt. „Für uns sind wissenschaftliche Evaluierungen von Bedeutung, da wir den Nutzen unserer Angebote belegen möchten“, sagt der Fachbereichsleiter des BTZ, Marko Daubitz.

Wer krank ist, hat es auf dem Arbeitsmarkt schwer. Umgekehrt kann Arbeitslosigkeit auch krankmachen. Doch trägt eine berufliche Neuorientierung auch zur psychischen Gesundung bei? Dieses Ziel haben die Maßnahmen „Berufsfindung/Arbeitserprobung lang“ am BTZ. Sie dauern sechs Wochen und richten sich an Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, die eine lange Phase der Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit hinter sich haben.

Die Evaluation dieser Maßnahmen führt Maria Hannasky im Rahmen ihrer Master-Arbeit durch. Sie ist Werksstudentin am BTZ und studiert im 4. Semester Psychologie an der TU Chemnitz. „Die Leitfrage meiner Arbeit ist, ob eine berufliche Neuorientierung einen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat. Dafür untersuche ich das subjektive Wohlbefinden ebenso wie die berufsbezogenen Einstellungen“, sagt Hannasky. Ihre Arbeit nimmt nicht – wie sonst oft üblich – allein die Integration in den Arbeitsmarkt in den Blick, sondern richtet den Fokus auf die unmittelbaren Effekte der Maßnahme auf die psychische Gesundheit der TeilnehmerInnen. Zudem wird die grundsätzliche Erreichung des formulierten Maßnahmenziels evaluiert.

Die Befragungen fanden jeweils zu Beginn, zur Halbzeit und am Ende der Maßnahmen per Online-Tool statt. Für die Evaluation wurden zwischen April und Juli 2021 Teilnehmer aus insgesamt sieben Maßnahmen in Leipzig und Chemnitz befragt. Fachbereichsleiter Marko Daubitz hebt besonders die Größe der Stichprobe hervor. „Wir hoffen auf wissenschaftliche Belege zu den Effekten der Maßnahme. Schließlich existieren auch Angebote, die in einem kürzeren Zeitraum abgeschlossen werden können, etwa für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. In der Praxis sehen wir aber immer wieder, dass Menschen mit psychischen Problemen andere Bedürfnisse haben“, erklärt Marko Daubitz.

Eine zweite Arbeit evaluiert die Stressbewältigungstrainings am BTZ. Sie werden bedarfsinduziert im Rahmen des Pflichtwahlbereichs in Kursform angeboten. Die TeilnehmerInnen nehmen an sechs Sitzungen à 2,5 Stunden teil. Das Kurskonzept der Stressbewältigungstrainings wurde eigens am BTZ entwickelt. Es richtet sich an TeilnehmerInnen mit Vorerfahrungen im Bereich Psychotherapie. „Unser Ziel ist es, in den Angeboten eine Tiefe zu erreichen, die über einfache Präventionskurse hinausgeht. Dabei wollen wir jedoch nicht psychotherapeutisch arbeiten. Unsere TeilnehmeInnen sollen aber neue Aspekte entdecken, mit denen sie in bisherigen Therapien noch nicht konfrontiert waren“, sagt Marko Daubitz. „Das Konzept bewegt sich in einem Feld zwischen den Manuals für Kliniken und denen für Präventionseinrichtungen. Aus diesem Grund hat die Untersuchung große Bedeutung für die Qualitätssicherung“, erklärt der Fachbereichsleiter.

Werksstudentin Alina Pohl führt die Untersuchung im Rahmen ihrer Master-Arbeit durch. Die Leipziger Psychologiestudentin evaluiert drei Kurse, die zwischen März und Juni 2021 stattfanden. Sie erhob die Stressbelastung der TeilnehmerInnen vor Kursbeginn, am Kursende und vier Wochen danach. „Ich untersuche, ob die TeilnehmerInnen eine verbesserte Stressbewältigung erlernt haben und die subjektiv wahrgenommene Stressbelastung reduziert ist“, sagt Pohl. Die Evaluation nimmt drei Hauptaspekte in den Blick: Zum einen die Reaktionsebene, etwa Inhalt und Anwendbarkeit der Kurse, zum zweiten den Lernerfolg und zum dritten die Verhaltensebene, also die Umsetzung des Gelernten. „Spannend ist die Arbeit auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und ihres Einflusses auf die Psyche der TeilnehmerInnen“, erklärt Pohl.

Die Auswertungen der Untersuchungen werden zum Jahresende veröffentlicht. „Wir warten mit Spannung auf die Ergebnisse. Die Untersuchung ist für uns als Element der Qualitätssicherung von großer Bedeutung, um belegen zu können, dass die Angebote wirken. Genauso spannend wären aber auch weniger positive Ergebnisse. Sie geben uns Informationen darüber, welche Kurselemente wir verändern können, um unser Ziel – eine sehr hohe Qualität – zu erreichen“, sagt Marko Daubitz.

Erstellt: Kerstin Leppich, freie Journalistin

 

Quelle: bfw Leipzig, 19.08.2021

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