Schlaganfall trifft Frauen härter: Erfahrungen belegen schlechtere Heilungschancen

Veröffentlicht am 10.05.2021 08:56 von Redaktion rehanews24

Prof. Dr. med. Dr. phil. Martin Ebinger, Ärztlicher Direktor und Leiter des Schlaganfallzentrums am Medical Park Berlin Humboldtmühle (Foto: Medical Park, Carsten Lehmann)

Berlin Frauen sind von Schlaganfällen stärker betroffen als Männer. Zwar treten Schlaganfälle bei Patienteninnen erst in einem vergleichsweise höheren Alter auf, das fortgeschrittene Alter erschwert jedoch die Genesung und erhöht das Risiko für weitere Begleiterkrankungen, für Depression und soziale Isolation. „Berücksichtigt man diese Erkenntnisse gezielt in der Rehabilitation von Schlaganfallpatient*innen, lässt sich den geschlechterspezifischen Unterschieden entgegenwirken“ erklärt Prof. Martin Ebinger, Ärztlicher Direktor des Schlaganfallzentrums Medical Park Berlin Humboldtmühle.

Rund 270.000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich einen Schlaganfall. Alleine in Berlin wurden 2019 knapp 13.000 Patient*innen mit Verdacht auf Schlaganfall in die Kliniken eingeliefert. Knapp 53% der registrierten Fälle entfielen auf Männer, 47% auf Frauen. Auf den ersten Blick scheint das Risiko in etwa gleich verteilt. Doch einige Vergleiche zeigen: Es gibt Unterschiede. „Medizinische Risiken sind in der Bevölkerung seit je her unterschiedlich verteilt:  Frauen leben durchschnittlich länger als Männer. Auch die Gefahr, an COVID-19 zu sterben, ist zum Beispiel für 70-jährige, ansonsten gesunde Männer deutlich höher als für gleichaltrige Frauen. Geschlechterspezifische Differenzen gibt es auch beim Schlaganfall, eine der führenden Todesursachen weltweit. Insbesondere im Hinblick auf Rehabilitation und mögliche Folgeerkran­kungen unterscheiden sich hier die Krankheitsverläufe von Männern und Frauen“, informiert Prof. Dr. med. Dr. phil. Martin Ebinger, Ärztlicher Direktor und Leiter des Schlaganfallzentrums am Medical Park Berlin Humboldtmühle. Zwar erleiden Frauen im statistischen Vergleich erst in einem höheren Lebensalter einen Schlaganfall, sie erholen sich aber deutlich schlechter als Männer.

„Bei Frauen verläuft der Genesungsprozess nach einem Schlaganfall häufig anders als bei Männern. Das liegt zum einen am höheren Alter der Frauen, zum anderen aber auch an damit einhergehenden Begleiterscheinungen wie Depression oder soziale Isolation“, weiß Ebinger.

Neunmal höheres Risiko für eine bestimmte Gruppe von Frauen
Mögliche Ursachen für die ungleiche Verteilung liegen in bestimmten Risikofaktoren, die ungerechterweise auch nur für Frauen existieren. Dazu zählen Schwanger­schaften, das Alter während der Menopause oder die erhöhte Östrogenaufnahme durch die Anti-Baby-Pille. Ebinger erklärt: „Eine besonders ungünstige Konstellation ergibt sich für Frauen, die unter Migräne mit Aura, also Kopfschmerzen mit Wahrnehmungsstörungen, leiden, rauchen und die Pille nehmen. Ihr Risiko, an einem Schlaganfall zu erkranken, ist dann neunmal höher gegenüber Frauen ohne diese Risikofaktoren.

Frauen erholen sich schlechter von Schlaganfällen
Die Wahrscheinlichkeit an einem Schlaganfall zu erkranken, variiert also unter der Gruppe der Frauen, ihnen gemein sind jedoch die primär schlechteren Heilungschancen gegenüber Männern: „Frauen leiden vermehrt unter Depression. Gepaart mit sozialer Isolation wirkt sich die psychische Erkrankung negativ auf die Rehabilitation aus. Anders ausgedrückt: Der Mann, der von seiner Ehefrau liebevoll umsorgt wird, hat offensichtlich bessere Genesungschancen als die alleinstehende Frau in höherem Alter mit diversen Vorerkrankungen“ fasst Ebinger die Erfahrungen der Mediziner zusammen.

Neue Ansätze für die Rehabilitation
Das Wissen um geschlechterspezifische Unterschiede von hemmenden und fördernden Faktoren für den Heilungsprozess ist gerade für die Rehabilitation entscheidend. So können in geeigneten, individualisierten Therapien entscheidende Weichen zur Vorbeugung eines weiteren Schlaganfalles und zur vollständigeren Genesung gestellt werden. „Die Erkenntnisse zeigen aber auch, wo wir ansetzen können, um den geschlechtsspezifischen Unterschieden nach Schlaganfällen entgegen zu wirken. Im Schlaganfallzentrum Medical Park Berlin Humboldtmühle setzen wir auf individualisierte Rehabilitationsprogramme. Das heißt, wir therapieren nicht nur die unmittelbaren physischen Schäden nach einem Schlaganfall, sondern arbeiten gemeinsam mit unseren Patient*innen eben auch an den psychischen Folgen“ gibt Prof. Ebinger Einblick in den Therapieplan. „Auch die langfristige Veränderung der Lebensgewohnheiten wie zum Beispiel die Form der Ernährung, die Freizeitaktivitäten oder Schlafhygiene, kann während der Rehabilitation angestoßen werden.

Am 10. Mai findet in Deutschland übrigens der bundesweite Aktionstag gegen den Schlaganfall statt, der in diesem Jahr unter dem Motto „Kümmern schützt vor Schlaganfall!“ steht.

Über die Medical Park Klinikgruppe
Mit 13 Fachkliniken und zwei ambulanten Therapiezentren in Bayern, Berlin, Hessen und Nordrhein-Westfalen ist die renommierte Klinikgruppe Premium-Anbieter für medizinische Rehabilitation und Prävention in Deutschland. Die Medical Park Kliniken sind mit dem Konzept „Gesundwerden in traumhafter Lage“ auf die Indikationen Neurologie, Orthopädie/Traumatologie/Sportmedizin, Innere Medizin/Kardiologie, Onkologie und Psychosomatik spezialisiert. Alle Klinken sind hochwertig ausgestattet und befinden sich in traumhaften Lagen. Um das Wohlergehen und die Genesung der ca. 70.000 Patient*innen jährlich kümmern sich rund 3.500 Mitarbeitende des traditionsreichen Familienunternehmens. Weitere Informationen unter www.medicalpark.de und im Medical Park „active“ Digitalmagazin www.active.medicalpark.de.

 

Quelle: MEDICAL PARK, 10.05.2021

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