Reha-Empfehlung: Wenn Krankheit und Sorgen das Kind stark belasten

Veröffentlicht am 19.10.2020 20:27 von Redaktion RehaNews24

Eine mehrwöchige Rehabilitation hilft Kindern und Jugendlichen mit anhaltenden gesundheitlichen und persönlichen Problemen. Eltern sollten an eine Reha für ihr Kind denken, wenn eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist, zusätzliche Beschwerden (z.B. häufige Kopfschmerzen, Bauchschmerzen) auftreten oder das Kind vermehrt Schwierigkeiten in Familie, Freundeskreis oder Schule hat.

„Ein gesundheitlich belastetes Kind wächst oft weniger sorglos als Gleichaltrige auf. Während die Nachbarskinder oder Mitschüler sich z.B. nachmittags zum Baden oder Kicken treffen, muss das chronisch kranke Kind sich lieber schonen. Auch psychisch beeinträchtigte Kinder, z.B. aufgrund von Ängsten, Aufmerksamkeitsproblemen/ADHS, Mobbing, nehmen meist nicht an den üblichen Freizeitaktivitäten teil. Die Krankheit und die Probleme prägen den Alltag, das Kind traut sich selbst wenig zu, sein Selbstwertgefühl leidet. Kommen häufige Fehlzeiten im Kindergarten oder in der Schule hinzu, wird die Integration der betroffenen Kinder und Jugendlichen noch schwieriger, nicht selten geraten sie immer mehr in eine Außenseiter- oder Opferrolle“, berichtet Alwin Baumann in seiner Funktion als Sprecher des Bündnisses für Kinder- und Jugendreha (BKJR). Die Folgereaktion kann vielschichtig sein. Neue körperliche Symptome können auftreten oder auch Veränderungen im Verhalten mit Aggressivität oder Rückzug. „Zuhause drehen einige betroffene Kinder dann manchmal richtig auf und brauchen viel Aufmerksamkeit, um ihre wenig zufriedenstellende Rolle bei anderen zu kompensieren. Oder sie sind immer mehr in sich gekehrt. Eine vom belasteten Umfeld losgelöste Reha kann Kindern und Jugendlichen helfen, aus diesem Teufelskreis rauszukommen“, ergänzt Baumann.

Wissen & Austausch stärken Kinder und Jugendliche
In der Reha lernen Kinder, wie sie besser mit ihrer Erkrankung und ihren Problemen umgehen können. Die meist vier- bis sechswöchige Reha-Zeit erleben sie in einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die ebenfalls gesundheitlich und persönlich belastet sind. So können sie sich mit anderen austauschen und spüren, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind. Der Wochen-Therapieplan ist auf ihre Diagnose/n und Bedürfnisse abgestimmt und sie werden gecoacht, wie sie das Erlernte nachhaltig in ihren Alltag zu Hause einbringen können. „Meist erfahren Kinder und Jugendliche in der Reha, dass sie mit mehr Wissen über ihre Krankheit diese besser kontrollieren können, ihre Probleme anders angehen können und viel mehr machen können, als sie sich selbst und andere ihnen zutrauen. Dies kann die Lebensqualität deutlich verbessern – denn eine gesunde Psyche wirkt sich oft positiv auf die Physis aus“, sagt Baumann.

Um den schulischen Anschluss zu halten, gibt es in Absprache mit der Heimatschule Unterricht an den staatlich anerkannten Klinikschulen. Dieser findet in kleinen Gruppen statt, in denen auf individuelle Lernprobleme eingegangen werden kann. „So kann eine Reha problemlos außerhalb der Schulferien erfolgen bzw. oft ist ein Reha-Aufenthalt während der regulären Schulzeit genau der richtige Zeitpunkt, um Selbstbewusstsein zu tanken und Schule aus einer anderen Perspektive zu erleben“, rät der BKJR-Sprecher.

Reha als Chance für die ganze Familie
Neben der persönlichen Belastung kann ein krankes Kind auch das Familienleben und die Elternbeziehung stark beeinträchtigen. „Oft nimmt die Betreuung des Kindes viel Raum und Zeit ein, so dass die Partnerschaft und die Bedürfnisse der Geschwisterkinder in den Hintergrund rücken. Häufig sind Eltern bei einem chronisch kranken Kind, z.B. mit starkem Asthma, ständig in Alarmbereitschaft. „Schlafmangel, häufige Arzttermine und die Angst vor einem Asthma-Notfall mit heftiger Atemnot prägen ihren Alltag. Auch Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen können das ganze Familienleben durcheinanderwirbeln. Wirken sich die Probleme ungünstig auf die Schule und das Verhalten aus, fühlen sich Eltern manchmal hilflos und machen sich große Sorgen. In der Reha lernt daher nicht nur das Kind, mit seiner Belastung besser umzugehen. Auch die Eltern werden in die Reha einbezogen (selbst wenn Kinder die Reha allein machen) und erhalten Tipps, was sie verändern können, wo sie umdenken können, um z.B. den Familienalltag für alle Beteiligten besser zu strukturieren und angespannten Alltagssituation anders zu begegnen. Deswegen profitiert letztendlich die ganze Familie von einer Reha-Maßnahme für das Kind“, betont Baumann.

Der Weg zur Reha-Maßnahme – mit Beratungs-Service
Wie sind nun die nächsten Schritte, wenn ein Kind und damit oftmals auch die Familie überlastet sind? Am besten machen Eltern mit ihrem Kind einen Termin bei ihrem Kinder- und Jugendarzt bzw. Hausarzt oder bei einem Kinder- und Jugendpsychiater aus und legen ihren Reha-Wunsch dar. Die Reha müssen letztendlich die Eltern selbst beantragen, aber der Arzt stellt einen ärztlichen Befundbericht aus, welchen die Eltern dem Reha-Antrag beilegen. Kinder bis zum 12. Geburtstag können grundsätzlich von einem Elternteil begleitet werden. Alle Kosten werden von der Renten- oder Krankenversicherung übernommen, auch die der Begleitperson inkl. Arbeitsausfall und Reisekosten.

Bei Fragen können Eltern gern eine Email an kontakt@kinder-und-jugendreha-im-netz.de schreiben oder dieses Kontaktformular nutzen: kinder-und-jugendreha-im-netz.de/kontakt. Alwin Baumann, Sprecher des BKJR, beantwortet gern alle Anfragen und unterstützt bei der Antragsstellung. Bei Bedarf berät er Eltern, Ärzte, Psychotherapeuten, Sozialpädiatrische Zentren und weitere Einrichtungen im Kinder- und Jugendbereich auch telefonisch unter 07522 / 9302661, Mobil: 0151 / 55109994.

Infomaterialien zu verschiedenen Krankheiten und Problemen mit Reha-Empfehlung

Quelle:Pressemeldung des BKJR, 19.10.2020

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