Reha-App macht die Therapie mobil

Veröffentlicht am 17.08.2021 17:58 von Redaktion rehanews24

Die Paracelsus Klinik hat vier eigenständige Trainingsplätze mit Monitor und Hilfsmitteln eingerichtet, an denen die Patienten mithilfe der Therapie-App eigenständig ihr Übungsprogramm absolvieren können.
Foto: Elena Vogelsang, Paracelsus Kliniken

Paracelsus Therapie-App für Patienten entwickelt sich von der Online-Nachsorge zum vielseitigen digitalen Helfer / App für Smartphone, Tablet und PC macht die Behandlung flexibler, umfangreicher und mobil / Therapeuten passen die Inhalte an die individuellen Bedürfnisse der Behandlung an

Osnabrück / Bad Gandersheim, 10.06.2021. Die Idee ist so einfach wie überzeugend: Wenn der Patient nicht zur Therapie kommen kann, kommt die Therapie zum Patienten. Das ist der Grundgedanke der interaktiven digitalen Paracelsus Therapie-App, die in den Paracelsus Kliniken derzeit Schritt für Schritt immer weitere Standorte erobert. Über ihr Smartphone, ein Tablet oder den PC können sich Patienten in das System einloggen und – so die ursprüngliche Idee des Herstellers CASPAR HEALTH- zu Hause am Bildschirm Sportübungen absolvieren, Entspannungsübungen machen oder Vorträge hören. „Die Therapie-App ist eigentlich ein Online-Nachsorgeprogramm, eine sogenannte Tele-Rehabilitation, die bei uns seit drei Jahren eingesetzt wird”, erklärt die Chefärztin der Orthopädie Birgit Ayosso von der Paracelsus Klinik an der Gande in Bad Gandersheim. „Normalerweise nehmen unsere Patienten nach Abschluss einer stationären Rehabilitation am ambulanten Nachsorgeprogramm IRENA der Deutschen Rentenversicherung teil. Dazu gibt es Kurse in der Klinik, die die Ergebnisse der Reha festigen und den Patienten bei seiner weiteren Entwicklung begleiten sollen. Viele Patienten hatten aber immer wieder Probleme damit, die Kurse in ihren Alltag zu integrieren, insbesondere, wenn sie im Schichtdienst tätig waren oder zu weit entfernt von einer Trainingseinrichtung wohnten. Die App bietet hier ideale Möglichkeiten, um Übungen auch flexibel zu Hause zu machen.”

Vor, während und nach dem Klinikaufenthalt
Doch die Paracelsus Therapie-App kann nicht nur in der Online-Nachsorge hilfreich sein. Das machte die App vor allem in der Corona-Pandemie deutlich, in der sie dabei half, Therapien abseits großer Gruppen und trotz strenger Hygieneauflagen im erforderlichen Umfang durchzuführen. Es zeigte sich, dass sich therapeutische Übungen am Bildschirm individuell, flexibel und zeitlich unabhängig auch im normalen Klinikalltag einsetzen lassen. Vorteile, die die App bereits an einigen Kliniken von Paracelsus zum festen Bestandteil der Behandlung haben werden lassen. Denn die Online-Körperübungen sind in vielen Bereichen einsetzbar. An der Paracelsus Klinik Scheidegg und der Paracelsus Klinik am See Bad Gandersheim wird die App in der Onkologie eingesetzt, an der Paracelsus Klinik Bremen in der Akut-Orthopädie, an der Paracelsus Roswithaklinik Bad Gandersheim im Bereich der Psychosomatik und in der Paracelsus Klinik Bad Elster und der Paracelsus Klinik an der Gande in der orthopädischen Rehabilitation. Tendenz: steigend.

Von Anfang an vertraut machen
Damit das zum Beispiel in der Reha in Bad Gandersheim reibungslos funktioniert, bekommt jeder Patient die Möglichkeit, schon weit vor dem Beginn einer stationären Aufnahme die App herunterzuladen und sich mit dem System zu Hause vertraut zu machen. Anhand einer Klinikvorstellung, einer praktischen Packliste, eines Anreisevideos und Informationen zum aktuellen Klinikaufenthalt können die Patienten schon sehr früh einige Funktionen der App kennenlernen. Zudem werden den Patienten vorab Inhalte zum Thema medizinische Rehabilitation, Gesunde Ernährung, Hygiene im Alltag oder verschiedene Fantasiereisen und Rezeptvorschläge in der App zur Verfügung gestellt. In der ersten Woche in der Klinik können sie dann unter Anleitung erfahrener Therapeuten intensiver mit dem System üben. Die Therapeuten sehen dabei, ob die Patienten mit der Art der Übung zurechtkommen und können korrigierend eingreifen, damit später in der Nachsorge auch alles klappt. Letztendlich lernen die Patienten so auch die Vorteile des Systems kennen, denn die App bietet auch Praktisches und Unterhaltsames von Vorträgen bis zur Ernährungstipps und Kochrezepten. „Theoretisch könnten wir allen unsere Patienten die Therapie via App ermöglichen, aber nicht alle kommen von Anfang an mit dem Programm klar,” schränkt Chefärztin Birgit Ayosso ein, „Insbesondere ältere Menschen in der orthopädischen Anschlussheilbehandlung brauchen manchmal mehr Unterstützung.” Hier wird von den Therapeuten der Klinik, die mittlerweile alle mit dem System vertraut sind, geduldig erklärt und an der praktischen Umsetzung des individuellen Therapieplans gearbeitet, der in der App hinterlegt ist. „Durch praktisches Üben erklärt sich vieles von selbst”, weiß Birgit Ayosso. Die Klinik hat dazu vier eigenständige Trainingsplätze mit Monitor und Hilfsmitteln vom Theraband über die Hantel bis zur Sportmatte eingerichtet, an denen die Patienten – im verordneten Umfang – in der Klinik selbst üben können.

Nach der Reha zu Hause besser üben
Ihren größten Vorteil spielt die Paracelsus Therapie-App dann in der Nachsorge aus, wenn die Patienten nach dem Klinikaufenthalt wieder nach Hause gehen und das Erlernte im Alltag umsetzen und üben müssen. Sie gibt individuell genau vor, welche Übungen zu absolvieren sind, wie lang und wie häufig sie gemacht werden müssen. Der Therapeut in der Klinik kann auf seinem Monitor den Erfolg kontrollieren – natürlich nur unter den strengen Auflagen des Datenschutzes und der Datensicherheit. „Der Vorteil ist, dass die Patienten und auch die Therapeuten über die App ihre Aktivitäten und auch die Erfolge der Therapie besser nachvollziehen können”, erläutert Birgit Ayosso. „Viele unserer Patienten sind dadurch hoch motiviert und nutzen auch Wochen nach der stationären Rehabilitation das Programm noch zu Hause. Das sichert die Ergebnisse der Rehabilitation nachhaltig.” Und was ist, wenn es beim Training zu Hause Probleme gibt? Dann besteht für den Patienten die Möglichkeit, über eine eingebaute Nachrichtenfunktion mit dem Therapeuten Kontakt aufzunehmen. Sogar eine laufende Kontrolle der Übungen ist mit dem System möglich. Dazu kann der Patient ein Video von sich selbst aufnehmen und dem Therapeuten senden, der dann fachlich überprüft, ob alles richtig gemacht wurde. So lassen sich Fehler erkennen und leicht beheben.

Keine Behandlung „von der Stange“
In Zukunft will man in den Paracelsus Kliniken die Möglichkeiten der App noch besser ausnutzen. Dazu wurde bereits ein umfangreicher Erfahrungsaustausch unter den Kliniken angestoßen. „Wir sind derzeit dabei, die Therapieinhalte die bisher zum Teil von der App als Standards vorgegeben werden, zu modifizieren und an die Bedürfnisse unsere Kliniken und unsere Patienten anzupassen”, erklärt Birgit Ayosso. „Unsere Therapeuten entwickeln das System immer weiter, um auch den Ansprüchen komplizierter Behandlungen gerecht werden zu können.“ In interdisziplinären Gesprächsrunden von Ärzten, Physiotherapeuten, Sporttherapeuten, Psychologen und Ernährungsberatern werden dazu die Inhalte analysiert und diskutiert und die bestmöglichen Übungspakete für die Patienten zusammengestellt. Das geht zum Beispiel klinikübergreifend unter allen drei Kliniken des Standortes Bad Gandersheim ebenso wie in Abstimmung der beiden orthopädischen Reha-Kliniken von Paracelsus in Bad Elster und Bad Gandersheim, die regelmäßig Erfahrungen über die Inhalte austauschen.

Erste eigene Inhalte gelauncht
Ziel ist es, schon bald eigene Therapieinhalte in allen Paracelsus Kliniken zur Verfügung zu stellen. Eines der ersten Projekte dieser Art läuft gerade in der Schmerztherapie an, auf die sich mehrere Häuser von Paracelsus spezialisiert haben. Vorgespräche zwischen Eva Maria Hoffmann, der Chefärztin und Schmerzexpertin an der Paracelsus Klinik Bremen und Birgit Ayosso haben hier bereits stattgefunden, um konzernübergreifend Trainingspakete zu entwickeln und später in die App einzufügen. „Wir wollen unsere umfangreichen Erfahrungen bei der Behandlung chronischer Schmerzpatienten in die Weiterentwicklung der App einbringen”, erklärt Birgit Ayosso. „Unser Ziel ist es, hier in Zukunft spezielle niedrigschwellige Behandlungsmöglichkeiten anbieten zu können, die bisher seitens des Anbieters nicht enthalten sind.” Das gilt auch für andere Fachgebiete. Die Paracelsus Klinik Scheidegg zum Beispiel hat bereits Inhalte für den Fachbereich Onkologie entwickelt. Unter anderem sind speziell auf die Bedürfnisse onkologischer Patienten hin ausgerichtete Übungsvideos entstanden. Auch an der Paracelsus Klinik Bremen hat man eigene Videos produziert. Die 20 Übungseinheiten machen eine individuelle Anpassung des Programms an die Bedürfnisse der Behandlung in der Akutklinik möglich. Die Paracelsus Klinik am See Bad Gandersheim entwickelte zusammen mit der psychologischen Abteilung eigene Meditationen und eine Audiodatei zur Progressiven Muskelentspannung, die den Patienten in der App zur Verfügung gestellt werden. Weitere Anpassungen und spezifische Therapien sollen in Zukunft von klinikübergreifenden Arbeitsgruppen entwickelt, erprobt und etabliert werden.

Paracelsus Kliniken Deutschland
Die Paracelsus Kliniken zählen mit 34 Einrichtungen an insgesamt 18 Standorten zu den großen privaten Klinikträgern in Deutschland. Bundesweit betreuen rund 4.500 Mitarbeiter jährlich knapp 90.000 stationäre Patienten. Die Konzernzentrale hat ihren Sitz in Osnabrück, wo auch die Verwaltung untergebracht ist. Die Paracelsus Kliniken wollen der Gesundheitspartner der Wahl für ihre Patienten und der Arbeitgeber der Wahl für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein. Die Paracelsus Kliniken gehören zur familiengeführten Beteiligungsgesellschaft Porterhouse, die Nachhaltigkeit, generationenübergreifendes Denken und unternehmerisches Verständnis auszeichnet.

 

Quelle: Paracelsus Kliniken, 16.08.2021

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