Post-COVID-Rehabilitation: DEGEMED mit einer der ersten Fachtagungen

Veröffentlicht am 10.02.2021 19:51 von DEGEMED_NEU

Am Mittwoch, 10.02.2021, fand im Rahmen der DEGEMED-Webinar-Reihe: „Corona – Von der Krise zur Chance“ die Online-Fachtagung „Post-COVID-Reha – Herausforderung für die medizinische Rehabilitation“ statt.

Helmut Schröder, Stellvertretender Geschäftsführer Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), Berlin, gab zu Beginn der Veranstaltung einen Überblick über „Covid-19 unter den Beschäftigten in Deutschland in 2020“: „Insgesamt erhielten von den 13,2 Millionen AOK-versicherten Erwerbstätigen von März bis Oktober 2020 circa 155.610 Beschäftigte von einem Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Zusammenhang mit einer Covid-19-Diagnose. Auch wenn damit nur vergleichsweise wenige Beschäftigte betroffen sind, kann eine Covid-19-Infektion mit Risiken verbunden sein. Bei fast jedem siebten AOK-versicherten Beschäftigten, der vom Arzt wegen einer Covid-19-Erkrankung als arbeitsunfähig erklärt wurde, machte ein besonders schwerer Verlauf der SARS-CoV-2-Infektion einen Krankenhausaufenthalt notwendig (13,6 Prozent). Die gravierenden Auswirkungen der Erkrankung zeigen sich auch in der hohen Sterblichkeitsrate der stationär behandelten Beschäftigten, die bei 3,3 Prozent lag. AOK-versicherte Erwerbstätige, die im Frühjahr 2020 wegen einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden mussten, wiesen auch nach der stationären Behandlung lange krankheitsbedingte Fehlzeiten in ihren Betrieben auf.“

Für die neue Patientengruppe „Genesene Covid-19-Patienten“, die mit Langzeitfolgen zu kämpfen haben, bietet die Rehabilitation in mehrfacher Hinsicht Chancen, deren medizinische Versorgung zu unterstützen und langfristig zu verbessern.

Das betonte auch Dr. Jördis Frommhold, Chefärztin der Abteilung für Atemwegserkrankungen und Allergien, MEDIAN Klinik Heiligendamm, mit ihrem Beitrag „Genesen ist nicht gesund – Effizienz der Post-Covid-Rehabilitation“: „Es wird zunehmend ersichtlich, dass von Covid genesen nicht immer gleichbedeutend ist mit vollständiger Gesundung. Erste Studien zu Langzeitfolgen zeigen besorgniserregende Ergebnisse. Wir haben in Deutschland eine gut entwickelte Reha- und Nachsorgestruktur. Erste Forschungsergebnisse aus unserer Klinik zeigen, dass Postcovid-Rehabilitation effizient ist. Diese Erkenntnisse wollen wir in der aktuellen Multicenterstudie in Zusammenarbeit mit der Sozialmedizin der Universität Lübeck weiter spezifizieren, insbesondere auch in Hinblick auf die Nachhaltigkeit der Rehabilitation und die Wiedereingliederung. Patienten mit Long-Covid-Symptomen können behandelt werden, der Bedarf muss nur erkannt und die richtige weitere Therapie eingeleitet werden.“

Das neue Krankheitsbild und die oftmals mit ihm verbundene Verknüpfung verschiedener Indikationen sowie die zahlreichen zu erwartenden Patientinnen und Patienten, stellen die Branche dabei vor besondere Herausforderungen.

„Erfahrungen mit der (Anschluss-) Rehabilitation von COVID-19-Patienten – Praxisbericht und erste Ergebnisse einer laufenden prospektiven Post-Covid-Studie“, vermittelte Dr. Konrad Schultz, Chefarzt Klinik Bad Reichenhall der DRV Bayern Süd, Zentrum für Rehabilitation, Pneumologie und Orthopädie, Bad Reichenhall: „Viele Covid-Patientinnen und -Patienten sind nach Überstehen der Akutphase ‚nicht gesund‘, sondern leiden unter vielfältigen Symptomen und Krankheitsfolgen. Dies betrifft Patientinnen und Patienten nach notwendiger Krankenhausbehandlung, aber auch Erkrankte, die ausschließlich ambulant behandelt wurden.“

Die Praxis ist also dabei, erste Konzepte zu erproben, die Forschung teilt ihre Erkenntnisse und die Leistungsträger formulieren ihre Anforderungen.

„Fachgesellschaftsübergreifende Leitlinien-Empfehlungen zur Rehabilitation bei COVID-19“ stellte Prof. Dr. Thomas Platz, Ärztlicher Direktor Forschung, Leiter Institut für Neurorehabilitation und Evidenzbasierung, BDH-Klinik Greifswald, vor.

Die „Sicht eines Trägers der Deutschen Rentenversicherung auf den Post-COVID-19-Reha-Bedarf“ vermittelte wiederum Dr. Harald Berger, Leiter der Hauptabteilung Gesundheit und Teilhabe der DRV Nordbayern, Würzburg: „Versicherte, deren Erwerbsfähigkeit wegen der Folgen nach COVID-19 eingeschränkt oder gefährdet ist, können im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung eine Anschlussrehabilitation der Deutschen Rentenversicherung beantragen. Wenn zur Behandlung von COVID-19 keine Krankenhausbehandlung notwendig war oder die Beschwerden erst später auftreten, kann eine medizinische Rehabilitation beantragt werden. Unser oberstes Ziel ist es, den körperlichen und auch psychischen Gesamtzustand so weit wie möglich zu verbessern. Wir wissen, was die Arbeitswelt vom einzelnen Arbeitnehmer heute fordert und können ihn in unseren eigenen Kliniken wieder fit machen für den Alltag.“

Der DEGEMED ist es gelungen, aus diesen unterschiedlichen Bereichen Experten als Referenten zu gewinnen, die mit interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihre Erfahrungen teilten. Weitere Veranstaltungen zum Thema sind geplant.

Print Friendly, PDF & Email

Aufrufe: 470