Neues Armlabor für neurologische Patient*innen in der MEDICLIN Hedon Klinik in Lingen

Veröffentlicht am 26.08.2021 20:17 von Redaktion rehanews24

Lingen,  Längst nicht alle Patient*innen mit neurologischen Erkrankungen benötigen eine stationäre Rehabilitation. Was für die Orthopädie schon lange keine Ausnahme mehr ist, bestätigt sich auch für die Neurologie zunehmend: „Auch im Landkreis Emsland und den angrenzenden Landkreisen ist die Nachfrage nach einer ambulanten Rehabilitation bei Patient*innen mit neurologischen Funktionsstörungen groß“, berichtet Dr. Michael Annas, Chefarzt der neurologischen Rehabilitation in der MEDICLIN Hedon Klinik. Neurologische Funktionsstörungen treten beispielsweise nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma, entzündlichen Erkrankungen des zentralen oder peripheren Nervensystems oder einer unfallbedingten Verletzung des Gehirns, des Rückenmarks und der peripheren Nerven der Extremitäten auf.

Krankengymnastik, sportwissenschaftliche Trainingstherapie und ergotherapeutische Behandlungsmaßnahmen verbessern motorische Funktionsstörungen der Beweglichkeit, des Gleichgewichts, der körperlichen Ausdauer und Belastbarkeit nachweislich. „Und genau deshalb ist eine Reha bei neurologischen Erkrankungen so immens wichtig“, erklärt Dr. Annas. Dabei nehmen die Mediziner*innen und Therapeut*innen Funktionsstörungen wie Gesichtsfeldeinschränkungen, kognitive Einschränkungen, Sprachstörungen oder Funktionseinschränkungen der Arme, Hände und Beine genau unter die Lupe.

„Auch Polyneuropathie-Syndrome, die häufig zunächst nur mit einem Taubheitsgefühl der Füße und Missempfindungen mit Kribbeln und Brennschmerzen bis hin zu Lähmungen der Beine einhergehen, behandeln wir in der neurologischen Rehabilitation“, ergänzt Annas.

Natürlich können diese Beschwerden im Rahmen eines stationären Aufenthalts in der neurologischen Rehabilitation behandelt werden. Allerdings bietet für viele Patient*innen der ganztägig ambulante Aufenthalt erhebliche Vorteile: Sie sind abends und am Wochenende zu Hause und können im heimischen Umfeld direkt erproben, ob das Training in der Klinik sie tatsächlich gut auf die Herausforderungen zu Hause vorbereitet. Zudem können die Patient*innen ihren Therapeut*innen und Ärzt*innen direkt ein Feedback geben. Gerade für Patient*innen, die sich selbst gut versorgen können, ist diese Form der Reha daher gut geeignet.

„Allerdings ist die Versorgung im ambulanten Bereich kapazitätsbedingt im Emsland unzureichend, gerade im Hinblick auf neuropsychologische Funktionstherapie, Gesichtsfeldtraining (Hemianopsietraining) oder Behandlungen mit physikalischen Maßnahmen“, ordnet der Kaufmännische Direktor der Hedon Klinik, Holger Kammann, die regionale Situation ein. „Wir in der Hedon Klinik bieten die ganztägig ambulante Reha seit längerer Zeit an, insgesamt sollte das Angebot aber ausgebaut werden.“

Vor Beginn einer ambulanten Rehabilitation erfolgen eine fachärztliche neurologische Untersuchung sowie bei Bedarf weitere diagnostische Maßnahmen. Anschließend wird ein individueller Therapieplan in Abhängigkeit von den Therapiezielen der Rehabilitanden und in enger Abstimmung mit dem therapeutischen Team erstellt. Unter kontinuierlicher fachärztlicher Supervision finden die Therapie-Einheiten in der Klinik statt. „Eine Hilfsmittelberatung über unser ergotherapeutisches Team mit Erprobung während der ambulanten Rehabilitation ist in der MEDICLIN Hedon Klinik ebenfalls möglich“, berichtet Annas.

Neu etabliertes Armlabor
In der MEDICLIN Hedon Klinik gibt es ein neu etabliertes „Armlabor“ für Patient*innen mit Lähmungen des Armes, in dem gezielt die Arm-, Hand- und die Fingerfunktion trainiert werden können. Hierbei durchlaufen die Rehabilitand*innen verschiedene sogenannte Robotics mit sich wiederholenden Übungen, einem intensiven, repetitiven Training in kurzer Zeit. Diese Bewegungen können sowohl passiv als auch aktiv mit individuell anpassbarem Widerstand durchgeführt werden. „Der Einsatz robotergestützter Therapien wird übrigens auch in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie empfohlen“, so Annas.

Das Armlabor eignet sich für Patient*innen mit mittelgradigen spastischen Lähmungen der oberen Extremität, die kognitiv in der Lage sind, an den Robotics unter Anleitung eigenständig zu üben. Durch das sich wiederholende Training wird eine hohe Motivation gegeben – bei gleichzeitig sichtbarer Verbesserung und Funktionsgewinn der oberen Extremitäten. Unterstützt wird die Neuro-Rehabilitation der oberen Extremität durch Therapien mit virtual realitiy (VR), um ein intensives therapeutisches Training auf der Grundlage evidenzbasierter motorischer Rehabilitationsmethoden durch Aktionsbeobachtung, Spiegeltherapie, Bewegungsbilder und Zwangsbewegungstherapie zur Steigerung der Nervenfunktionsaktivität im betroffenen Gehirn zu erzielen.

Auch Gesichtsfelseinschränkungen können durch gezieltes computergestütztes Sehtraining erfolgreich gemindert werden. Hierbei werden Grundlagen der Therapie vermittelt, die die Patienten im weiteren Verlauf zuhause mit einer speziellen Software weiter trainieren können. „Ärztlicherseits pflegen wir Kontakte zu den unterschiedlichsten Selbsthilfegruppen, sodass entsprechende Angebote weitervermittelt werden können“, ergänzt Annas.

Die ganztägig ambulante Rehabilitation wird unter Einhaltung der Hygienevorschriften zur Corona-Pandemie in der MEDICLIN Hedon Klinik durchgeführt. Hierzu zählen auch regelmäßige SARS-CoV2-Antigentestungen.

 

Quelle: lifePR.de, 25.08.2021

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