Nach 22 Jahren: Chefarzt der Klinik Möhnesee geht in den Ruhestand

Veröffentlicht am 15.12.2020 21:26 von Redaktion rehanews24

Dr. med. Rainer Schubmann war fast 25 Jahre lang kardiologischer Chefarzt der Klinik Möhnesee. Ende 2020 geht er in den Ruhestand.

„Nichts war so beständig wie der Wandel“

Dr. med. Rainer Schubmann, Chefarzt Kardiologie und Psychokardiologie der Dr. Becker Klinik Möhnesee und Mann der ersten Stunde, geht in den Ruhestand. Im Interview riskiert er einen Blick zurück – und identifiziert klar Corona als die nervigste Herausforderung seiner fast 25-jährigen Chefarztlaufbahn am Möhnesee.

Wenn Sie auf Ihre Jahre in der Klinik Möhnesee zurückblicken; wie würden Sie diese in einem Satz beschreiben?

Rainer Schubmann (RS): Nichts war so beständig wie der Wandel. Bevor ich in der Klinik anfing, lebte ich mit meiner Frau und unseren beiden Kindern am Bodensee. Die erste Zeit pendelte ich zwischen den beiden Standorten. Denn der Anfang der Klinik war durchaus schwierig und ihre Zukunft unklar – es gab nur wenige Patienten und rund vier Monate nach meinem Start war die Klinik insolvent. Ich blieb, aber wir ließen uns zunächst nicht am Möhnesee nieder. Bis wir von Dr. Becker übernommen wurden und klar war, dass der Betrieb weitergeht, wohnte ich in der Klinik in einem freien Patientenzimmer – insgesamt etwa acht Monate lang.

Seitdem hat sich in der Klinik einiges getan…

RS: Absolut. Seit der Übernahme durch Dr. Becker bewegen und entwickeln wir uns und unser Therapieangebot immer weiter. Auch dadurch sind wir stetig im Wandel. Ich bin sehr froh, dass die Klinik heute steht, wo sie steht. Patienten kommen gern zu uns – auch wiederholt – und auch Belegungsprobleme gibt es nicht mehr.

Wann und wie sind Sie eigentlich zur Reha gekommen?

RS: Eigentlich wollte ich Präventivmediziner werden. Aber dafür gibt es kein Berufsbild; also bin ich in der Sekundärprävention gelandet – der Rehabilitation. Denn Prävention, also die Vorbeugung von Erkrankungen, und Rehabilitationen gehören ja zusammen. 1992 habe ich meine Karriere in der Reha als Assistenzarzt in einer Herz-Kreislauf-Rehaklinik am Bodensee begonnen. Dann war ich Oberarzt an einer internistischen Rehaklinik, ebenfalls am Bodensee. Und dann kam ich hierher – zum Möhnesee.

Was fasziniert Sie an der Arbeit in der Rehabilitation?

RS: Ganz besonders, dass man hier die Möglichkeit hat, Menschen dabei zu begleiten, ins Leben zurückzukehren. Für mich ist die Reha sowas wie eine letzte menschliche ökologische Nische der modernen Medizin. Bei uns kann man sich gelassen auf die Patienten einlassen – so viel Zeit zum Reden und zum Zuhören gibt’s nirgendwo sonst. Durch diesen engen Kontakt erlebt man gleichzeitig sehr viele tolle Patienten-Begegnungen.

Sie haben in der Klinik Möhnesee ja nicht nur an der Front, sondern auch hinter den Kulissen mitgemischt und viele neue Projekte mit ins Leben gerufen, etabliert und ausgebaut.

RS: Das stimmt. Mir hat meine Arbeit immer sehr am Herzen gelegen. Daher habe ich auch immer überlegt, mit welchen Angeboten wir die Reha für die Patienten noch besser machen, wie wir Therapiemöglichkeiten für neue Patientengruppe aufbauen und unser Wissen anderweitig weitergeben können. Dabei sind viele tolle Projekte entstanden, die wie eine Reihe von Leuchttürmen nebeneinanderstehen. Von Forschungsprojekten mit der Uni Würzburg und neuen Patientenschulungen über Studentenunterricht als Lehrbeauftragter bis hin zum Auf- und Ausbau unseres Zentrums für Psychokardiologie und unserer Präventivkur für Bundeswehrsoldaten. Ich bin sehr stolz auf das, was wir da über die Jahre alles aufgebaut haben.

Ihr letztes Jahr vor dem Ruhestand fand zeitgleich mit einer Pandemie statt. War Corona Ihre größte berufliche Herausforderung?

RS: Nicht die größte, aber die nervigste. Die größte berufliche Herausforderung war die Insolvenz der Klinik vor der Übernahme von Dr. Becker. Der bedeutende Unterschied zwischen der Insolvenz und der Corona-Zeit ist der, dass es damals völlig unklar war, ob und wie es mit der Klinik weitergeht. Besonders vor dem Hintergrund, dass meine Frau mit unseren Kindern noch am Bodensee lebte, war diese Zeit wirklich fordernd. Jetzt, während der Pandemie, ist die Zukunft der Klinik nicht gefährdet. Da war sofort klar, dass der Betrieb mit einem ‚neuen Normal‘ weitergeht.

Welche Pläne haben Sie für Ihren Ruhestand?

RS: Eigentlich sind alle Pläne erst mal durch Corona ins Wasser gefallen. Ich wollte ganz viel reisen, doch das muss erst mal warten. Stattdessen werde ich mir zunächst mehr Zeit für die Familie und meine Freunde nehmen. Meinen großen Traum, mit dem Wohnmobil einige Wochen durch den kanadischen Indian Summer zu fahren, werde ich dann nach der Pandemie in Angriff nehmen. Und irgendwann möchte ich auch wieder in kleinen Maßen arbeiten – am liebsten im Bereich der Psychokardiologie. Ganz ohne kann ich dann doch nicht (lacht).

Was möchten Sie Ihren Mitarbeitenden zum Abschied sagen?

RS: Ich habe während der gesamten Corona-Zeit ein Zitat von Angela Merkel im Kopf: ‚Wir schaffen das!‘ Und davon bin ich nach wie vor überzeugt. Außerdem möchte ich mich bedanken: für ein tolles Team mit vielen sehr persönlichen Begegnungen und erfreulich wenigen Konflikten.

 

Dr. med. Rainer Schubmann
Dr. med. Rainer Schubmann wurde 1955 in Mannheim geboren. Sein Medizinstudium machte er an der Universitätsklinik in Hamburg. Seinem Wunsch folgend, in der Präventivmedizin tätig zu werden, begann seine Karriere in der Rehabilitation 1992 in einer Rehaklinik am Bodensee. Seit 1998 ist er in der Dr. Becker Klinik Möhnesee Chefarzt für Kardiologie und Psychokardiologie.

Dr. Becker Klinik Möhnesee
Die Dr. Becker Klinik Möhnesee ist auf kardiologische und psychosomatische Rehabilitation sowie psychosomatische Akutbehandlungen für Privatversicherte spezialisiert. Rund 2.700 Patienten/innen werden jährlich in der nordrhein-westfälischen Klinik auf höchstem medizinischem Niveau versorgt. Mit dem 2007 gegründeten Zentrum für Psychokardiologie gehört die Dr. Becker Klinik Möhnesee außerdem zu den Vorreitern dieser Spezialdisziplin der Medizin. Die Dr. Becker Klinik Möhnesee bietet Rehabilitationsleistungen für Patienten/innen aller Kassen und Rentenversicherer sowie für Privatpatienten/innen, Beihilfeempfänger/innen und Selbstzahler/innen an. www.dbkg.de/klinik-möhnesee

 

 

Quelle: Dr. Becker Klinikgruppe, 15.12.2020

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