Mukoviszidose e.V. verleiht Adolf-Windorfer-Preis an Prof. Josef Rosenecker von den Fachkliniken Wangen

Veröffentlicht am 01.04.2021 17:55 von Redaktion rehanews24

Chefarzt Prof. Josef Rosenecker, Chefarzt an der Rehabilitationsklinik für Kinder und Jugendliche und der Klinik für Pädiatrische Pneumologie und Allergologie an den Waldburg-Zeil Fachkliniken Wangen, wurde kürzlich von Mukoviszidose e. V. mit dem Adolf-Windorfer-Preis ausgezeichnet

Bonn/Wangen – Eine Gentherapie für die Behandlung der Mukoviszidose zu entwickeln, ist eines der großen Ziele der Arbeitsgruppe um Prof. Josef Rosenecker. Der Chefarzt der Fachkliniken Wangen forscht am Universitätsklinikum München. Die von den Wissenschaftlern entwickelte Genfähre, mit der der stabile Einbau eines CFTR-Gens in Lungenzellen von CF-Mäusen gelungen ist, könnte sie diesem Ziel einen Schritt näher bringen. Für die umfassende Forschungsarbeit, an der auch Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover beteiligt waren, zeichnet der Mukoviszidose e.V. Rosenecker mit dem diesjährigen Adolf-Windorfer-Preis aus.

Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) ist trotz aller Fortschritte in Forschung und Therapie noch immer eine unheilbare Erkrankung, deren ursächlicher Defekt auf dem CFTR-Gen (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator) nur durch eine Gentherapie geheilt werden kann. Jedes Jahr kommen etwa 150 bis 200 Kinder mit diesem Gendefekt zur Welt. Ein zähflüssiges Sekret behindert die Erkrankten nicht nur beim Atmen, sondern schädigt dauerhaft zum Beispiel Lunge und Bauchspeicheldrüse. Die Arbeitsgruppe um Rosenecker hat möglicherweise einen wichtigen Grundstein für eine solche Therapie gelegt. Ausgangspunkt der Wissenschaftler ist eine Art Baukastensystem, aus dem sie verschiedene natürliche und nanotechnologische Komponenten zu einer Genfähre zusammengesetzt haben, die genetisches Material (DNA oder Boten-RNA (mRNA)) effizient verpackt und an den Wirkungsort transportiert.

Die schwere Erkrankung gehört auch an den Fachkliniken Wangen zu den Spezialgebieten des Kinderpneumologen und –allergologen. Seit letztem Jahr leitet Prof. Rosenecker die Klinik für Pädiatrische Pneumologie und Allergologie der Fachkliniken Wangen. Schwerpunkte der traditionsreichen Kinderklinik sind sämtliche Infektionen der Atemwege und der Lunge, u. a. Asthma, Tuberkulose, alle Probleme der Lunge bei Frühgeborenen sowie Neurodermitis, Allergien und Schlafstörungen – und Mukoviszidose. Die Erfahrungen des Preisträgers aus der Forschungsarbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität fließen so in seine tägliche Arbeit mit Patienten ein.

In der Kinderklinik der Fachkliniken Wangen finden Kinder und Jugendliche eine professionelle fachärztliche Betreuung sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich. „Im Zusammenspiel von Akutmedizin, Betreuung in der Ambulanz und auch in der Rehabilitation behandeln wir in Wangen kleinere und größere Patienten besonders differenziert“, führt Rosenecker aus. „Unsere Möglichkeiten, aber auch Erfahrungen in modernster Diagnostik und Therapie sind überregional einzigartig.“ Deshalb entscheiden sich viele Eltern dafür, ihr Kind an den Fachkliniken Wangen untersuchen zu lassen.

Funktionsprinzip Genfähre
Hierfür wird das zu transportierende Genmaterial komprimiert und gesichert im Innern des Genträgers verstaut. Nach außen trägt die Genfähre Anker- und Signalmodule und sorgt damit dafür, dass sie an Zielzellen andocken, mit der Zellmembran verschmelzen und das Transportgut in der Zelle an den Ort des Geschehens bringen kann. Für mRNA reicht hier der Eintritt in die Zelle, DNA muss sogar noch weiter in den Zellkern gebracht werden – auch das geht, je nach Auswahl der Bauteile der Genfähre. Für die Einbringung von RNA gilt, dass die Wirkung vorübergehend ist, DNA hingegen kann auch stabil in das Genom eingebaut und damit an Tochterzellen weitergegeben werden.

Genfähre transportiert eine gesunde Kopie des CFTR-Gens
In der Fachzeitschrift „Nature Nanotechnology“ beschreiben die Autoren eine mögliche Verwendung des universell einsetzbaren Baukasten-Genträgers in der Mukoviszidose-Therapie: Transportiert wird im Genträger eine gesunde Kopie des CFTR-Gens, eingebettet in ein natürliches „springendes Gen“ (=Transposon), und dazu auch gleich ein passendes Werkzeug (mRNA für Transposase), welches das CFTR-Gen in das Genom stabil und an sicherer Stelle einbauen soll. Das CFTR-Gen soll damit dauerhaft in der Zelle bleiben, das Werkzeug nur vorübergehend – es wird nach kurzer Zeit abgebaut, sodass weitere Gen-Umbauten verhindert werden.

Gentherapie-Ansatz im Mausmodell erfolgreich
Dieser Gentherapie-Ansatz wurde im CF-Mausmodell bereits erfolgreich getestet. Es konnte nachgewiesen werden, dass das mit der Genfähre in die Zelle geschleuste CFTR-Gen bewirkt, dass der CFTR-Kanal gebildet wird, das entsprechende Eiweiß konnte in Gewebeproben nachgewiesen werden. Für eine Gentherapie bei Mukoviszidose haben die Forscher damit wichtige Grundsteine gelegt und die Machbarkeit im Tiermodell gezeigt. Aufgabe weiterer Forschungsarbeiten wird es nun sein, die Sicherheit dieses gentherapeutischen Ansatzes zu zeigen, denn ein falscher Einbau von DNA in das Genom kann schwerwiegende Folgen haben und muss ausgeschlossen werden.

Quelle: Waldburg-Zeil Kliniken, 01.04.2021

Print Friendly, PDF & Email

Aufrufe: 19