Krebspatienten brauchen eine echte Auszeit für die Seele

Veröffentlicht am 24.03.2022 21:13 von Redaktion rehanews24

Entspannungstechniken sind Teil der Reha.
Bildnachweis: Peter Hamel

Experten von Paracelsus raten Betroffenen nachdrücklich dazu, Angebote der stationären onkologischen Rehabilitation wahrzunehmen / Gerade unter den Vorzeichen der Pandemie bestehen gute Voraussetzungen für eine intensive Behandlung

Bad Gandersheim, 24.03.2022. Die Zahlen lassen aufhorchen: Jedes Jahr erkranken in Deutschland fast 500.000 Menschen an Krebs, jedoch nur rund 120.000 nehmen nach aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund auch eine onkologische Rehabilitation in Anspruch. „Wir stellen immer wieder fest, dass die Gründe dafür unterschiedlich sind”, so Klinikmanager Thorsten Prieß. „Zum einen sind die spezifischen Verläufe bei Krebserkrankungen sehr unterschiedlich. Auch fühlt sich nicht jeder Krebspatient nach seiner anstrengenden Behandlung gesundheitlich später in der Lage, an einer Rehabilitation teilzunehmen. Zum anderen stehen nach unserer Erfahrung sehr oft auch persönliche Gründe einem Antrag auf Reha-Leistungen im Weg.” Gerade Frauen, erklärt der Klinikmanager, hätten Bedenken, für drei Wochen in eine Klinik zu gehen, weil sie nach eigenem Empfinden ihre Familien nicht allein lassen könnten. Männer wiederum – allen voran Selbstständige – hielten sich in ihren Betrieben für unabkömmlich. Dazu kämen Bedenken wegen der angespannten Situation durch die Corona-Pandemie, die gerade Menschen mit einem durch Krebs geschwächten Immunsystem verängstigten.

Schwierige Lebenssituation meistern
Hier bekräftigt der Klinikmanager: Die hygienischen Anforderungen an die Kliniken seien durchweg sehr hoch und würden konsequent eingehalten. Man habe in den vergangenen zwei Jahren die ohnehin sehr wirksamen Hygienekonzepte weiter ausgebaut. Außerdem seien viele Häuser per Gesetz noch gar nicht wieder voll belegbar und Besucher nicht erlaubt. Größer als hygienische Bedenken sind für Mediziner und Therapeuten von Paracelsus darum die Bedenken vor den gesundheitlichen Folgen für Krebspatienten beim Ausfall der Rehabilitation. Denn eine onkologische Reha soll die Wirkung der ersten, akuten Therapie der Krebserkrankung individuell mit einem ganzheitlichen Behandlungsansatz festigen und unterstützen. Körperliche Nachwirkungen und Bewegungseinschränkungen, Schmerzen und Ängste sollen gemildert und die Lebensqualität, aber auch Selbständigkeit gesteigert werden – auch im Hinblick auf eine zukünftige Erwerbsfähigkeit. Patienten werden dazu im physischen Bereich unterstützt mit speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmter Ergo- und Physiotherapie, Bewegungstherapie, Schmerztherapie sowie ergänzender Beratung zu Ernährung und ihrem zukünftigen Alltag. „Man muss sich aber auch immer wieder vor Augen führen, in welch schwieriger Lebenssituation sich die Betroffenen befinden”, erklärt Diplom Psychologin Sabine Dyrba von der Paracelsus Klinik am See Bad Gandersheim. „Die Erkrankung bringt nicht nur Funktionseinschränkungen und körperliche Veränderungen mit sich, sondern hat auch seelische Folgen. Betroffene müssen lernen, sich neu zu orientieren, neue Denk- und Verhaltensmuster zu finden. Das ist nicht einfach und da hilft therapeutische Unterstützung in einem geschützten Raum.” Wer nach einer Krebserkrankung zu Hause bleibe, laufe Gefahr, in Konflikt mit seinen alten Rollen und Aufgaben zu kommen. „So ein Neuorientierungsprozess braucht Zeit und Ruhe, die man zu Hause meist nicht hat”, erklärt die Psychologin. „Deshalb ist die Auszeit in einer Klinik genau das Richtige. Hier hat man Gelegenheit, sich selbst und seinen eigenen Körper und seine Bedürfnisse wieder kennenzulernen, aber auch sich mit anderen Betroffenen, die in der gleichen Situation sind, auszutauschen. Man kann Erlebnisse und Gefühle teilen, sich gegenseitig Mut machen und voneinander lernen.” Sevgi Ö., Patientin in Bad Gandersheim, kann ihr da nur zustimmen: „Natürlich hätte ich mich gefreut, wenn ich Besuch von meiner Familie an den Wochenenden bekommen hätte. Ich habe hier allerdings schnell Anschluss und nette Mitpatienten gefunden. Wir haben uns zusammen eine richtig nette Zeit gemacht. So waren die Gedanken an zu Hause und an die Familie zwar da aber aushaltbar. Wir haben sogar überlegt, ob wir nächstes Jahr alle zusammen erneut eine Reha hier in Bad Gandersheim beantragen. Wer weiß.“

Ambulant ist nicht unbedingt besser
Ganztägig ambulanten Angeboten steht Sabine Dyrba eher kritisch gegenüber. „Wenn es absolut nicht anders geht, wie zum Beispiel bei Alleinerziehenden mit kleinen Kindern, ist das sicher eine wichtige Alternative und besser als gar keine Rehabilitation in Anspruch zu nehmen”, so die Psychologin. „Ansonsten bringt eine ambulante Reha aber oft zusätzlichen Stress mit sich, weil man sich zwischen Behandlung und alltäglichen Pflichten zu Hause förmlich zerreißt.” Eine stationäre Reha hingegen schaffe den nötigen Abstand von den täglichen Pflichten und sorge in der Familie letztendlich für weniger Betroffenheit, weil man merke, dass es der Partnerin oder Mutter deutlich besser gehe. Die „Verantwortung“ für das Wohlbefinden und Sorge um die Erkrankten in professionelle Hände abgeben zu dürfen, tut auch der Familie gut und entlastet. „Gerade im Moment können wir Betroffenen nur empfehlen, in eine stationäre Reha zu kommen”, ergänzt Klinikmanager Thorsten Prieß. „Aufgrund der geringeren Belegungszahlen durch die Pandemie haben wir Zeit und Raum hinzugewonnen in der unser interdisziplinäres Team sich rund um die Uhr besonders intensiv um unsere Patientinnen und Patienten kümmern kann.” Davon hat auch Sevgi Ö. profitiert. „Während meines Aufenthaltes taten mir besonders die psychologischen Einzelgespräche gut,“, so die 47-Jährige. „Hier wurde ganz persönlich und individuell auf meine Sorgen und Ängste eingegangen. Zu Beginn meiner Reha war ich müde, ausgelaugt und unglaublich traurig. Jetzt kehre ich als mutige und starke Frau zurück in meinen Alltag und blicke positiv in die Zukunft und auf das, was das Leben noch für mich bereithält.“

Über die Paracelsus Klinik am See
Zur onkologischen Rehabilitation an der Paracelsus Klinik am See in Bad Gandersheim gehört eine breite Palette gezielter diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen. Diese sollen die körperlichen und seelischen Folgen der Krebserkrankung mildern oder beseitigen. Da die Folgestörungen je nach Art der Erkrankung oder Form der Therapie sehr unterschiedlich sein können, werden die Ziele der onkologischen Rehabilitation individuell an die persönlichen Bedürfnisse der Betroffenen angepasst. Auch psychologische Hilfen zur Bewältigung der Erkrankung sowie Informationen über die Krankheit und ihre Folgen während des Aufenthalts angeboten. Und letztendlich unterstützt das Team der Klinik Patientinnen und Patienten gezielt beim beruflichen Wiedereinstieg.

Paracelsus Kliniken Bad Gandersheim
Der Rehastandort Bad Gandersheim mit drei Paracelsus Rehakliniken hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wesentlichen Pfeiler der Rehabilitation über die Region Südniedersachsen hinweg entwickelt. Die Kliniken bieten medizinisch-therapeutische Kompetenz mit einem breiten Behandlungsspektrum und individuellen Therapieangeboten bei onkologischen, psychosomatischen und orthopädischen Erkrankungen und sind einer der stärksten Arbeitgeber in der Region.

Paracelsus-Kliniken Deutschland
Die Paracelsus Kliniken zählen mit 37 Einrichtungen an insgesamt 19 Standorten zu den großen privaten Klinikträgern in Deutschland. Bundesweit betreuen rund 4.600 Mitarbeiter jährlich knapp 73.000 stationäre Patienten. Die Konzernzentrale hat ihren Sitz in Osnabrück, wo auch die Verwaltung untergebracht ist. Die Paracelsus Kliniken wollen der Gesundheitspartner der Wahl für ihre Patienten und der Arbeitgeber der Wahl für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein. Die Paracelsus Kliniken gehören zur familiengeführten Beteiligungsgesellschaft Porterhouse, die Nachhaltigkeit, generationenübergreifendes Denken und unternehmerisches Verständnis auszeichnet.

Quelle: Paracelsus Kliniken, 24.03.2022

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