Interdisziplinäre Förderung von Vorschulkindern mit chronischen Krankheiten und Behinderungen systematisch ausbauen

Veröffentlicht am 05.12.2019 10:29 von DVfR

In Deutschland leiden mehr als 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen an einer chronischen Erkrankung, viele benötigen oft schon im Vorschulalter fachliche Un­terstützung und Förderung. Wie kann diese Unterstützung im Vorschulalter inklusiv und interdisziplinär gelingen? Wie können die Eltern von Kindern mit Behinderung eingebunden und unterstützt werden? Um diesen Fragen nachzugehen, hatten die Deutsche Vereinigung für Rehabilita­tion e. V. (DVfR), die Diakonie Deutschland, das Kindernetzwerk und die Vereinigung für Interdisziplinäre Frühförderung – Bundes­vereinigung (VIFF) gemeinsam zur Fachtagung „Inklusion von Kindern mit Behinde­rungen verwirklichen“ am 28. November 2019 nach Berlin eingeladen.

Für eine gelingende Teilhabesicherung ist wesentlich, dass medizinisch-therapeutische, pädagogische und rehabilitative Versorgungs- und Förderbedarfe frühzeitig erkannt wer­den und die verschiedenen Sektoren des komplexen Gesundheits- und Sozialsystems vernetzt zusammenarbeiten. Dr. Matthias Schmidt-Ohlemann, Vorsitzender der DVfR, stellte fest, dass „die rechtlichen Grundlagen die notwendige sektorenübergreifende Koope­ration in der Praxis nicht ausreichend fördern. Dies geht zu Lasten der betroffenen Kinder und Familien und ist ein Hemmnis für die Inklusion.“

Die DVfR hatte kürzlich zwei Positionspapiere mit Vorschlägen zur verbesserten Teilhabe­förderung von Kindern mit Behinderungen im Vorschulalter, insbesondere in Kindertages­stätten (Kitas) veröffentlicht.

Breite Zustimmung unter den über 80 teilnehmenden Expertinnen und Experten fand das Anliegen, Unterstützungsangebote mit Hilfe sektorenübergreifender Netzwerke und unter Berücksichtigung der familiären Situationen und Unterstützung der Eltern bedarfsgerecht auszubauen. Für die Entwicklung hin zu mehr inklusiven Kitas sei eine gute Zusammenar­beit mit den Frühförderstellen besonders wichtig. Die Ausstattung solcher Kitas mit interdis­ziplinären Teams wurde teils kontrovers diskutiert. Gelingensbedingungen seien eine aus­kömmliche Finanzierung, eine gute und umfassende Bedarfsermittlung, eine vernetzte För­derplanung und eine gut abgestimmte Durchführung der Maßnahmen „wie aus einer Hand“. Betroffene Familien müssten in die Förderplanung einbezogen und ganzheitlich gezielt un­terstützt werden. Dazu wurden konkrete Lösungsansätze erörtert.

Der Beauftragte der Bundesre­gierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, wies darauf hin, dass „die UN-Kinderrechtskonvention und die UN-Behin­dertenrechtskonvention völkerrechtliche Verträge sind und dementsprechend verlässlich umgesetzt werden müssen. Für Kinder mit Behinderungen und ihre Familien bedeutet dies, dass die erforderlichen Leistungen auch ankommen müssen“.

Der Leiter des zuständigen DVfR-Fachausschusses, Dr. Tomas Stef­fens, Diakonie Deutschland, betonte abschließend, wie wichtig die sektorenübergreifende Beratung und Begleitung der Familien sei: „Nicht die Familien, sondern das Gesundheits- und Sozialsys­tem ist in der Verantwortung, einen einfachen, sozusagen barrierefreien Zugang zu den Leistungen zu er­möglichen.“

Ein ausführlicher Veranstaltungsbericht mit den gehaltenen Vorträgen wird demnächst auf der Webseite der DVfR veröf­fentlicht.

Zu den Positionspapieren der DVfR:

 

Über die DVfR
Die DVfR ist die einzige Vereinigung in Deutschland, in der die Akteure im Bereich Reha­bilitation und Teilhabe gleichberechtigt zusammenwirken: Selbsthilfe- und Sozialverbände, Sozialleis­tungsträger, Rehabilitationseinrichtungen und -dienste, Reha-Experten sowie Berufs- und Fach­verbände. Die Mitglieder der DVfR und ihre Partner in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft enga­gieren sich gemeinsam in einem interdisziplinären und sektoren­übergreifenden, konsensorien­tierten Diskurs zur Weiterentwicklung von Rehabilitation und selbstbestimmter Teilhabe.

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