Greifswalder Wissenschaftler wollen die Rehabilitation (Schlaganfall) durch Digitalisierung verbessern

Veröffentlicht am 14.10.2019 10:22 von Redaktion RehaNews24

Das Arm-Fähigkeitstraining spielt in der Schlaganfall-Rehabilitation eine große Rolle und soll künftig noch effektiver gestaltet werden – hier mit Therapeutin Janine Steudel und Prof. Thomas Platz.
Foto: UMG

Das beste Training nach dem Schlaganfall – Universitätsmedizin sucht Studienteilnehmer

Greifswalder Wissenschaftler suchen gemeinsam mit Rostocker und Neubrandenburger Forschern nach neuen und besseren Wege in der Rehabilitation nach einem Schlaganfall. Das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) in Höhe von fast 2 Millionen Euro das ambitionierte Digitalisierungsprojekt.

Für eine vorbereitende Studie werden jetzt Frauen und Männer in der Region Greifswald gesucht, die sich in der Rehabilitation nach einem Schlaganfall befinden. Dabei geht es insbesondere um Patienten, die unter einer leichten oder mittelschweren Armlähmung leiden oder unter einer Sehbeeinträchtigung. Diese können sich unter der Telefonnummer 3834 86-6966 oder der E-Mailadresse stefanie.tobschall@med.uni-greifswald.de melden.

Durch die demographische Entwicklung, den höheren Altersdurchschnitt der Bevölkerung und die längere Lebenserwartung treten Schlaganfälle immer häufiger auf. Die Akut-Behandlung hat wesentliche Fortschritte gemacht und kann oftmals einen größeren Schaden vermeiden, wenn die Hilfe rechtzeitig kommt. Hierzu gibt es eine funktionierende Rettungskette und die Schlaganfall-Spezialstationen („Stroke Units“) im Land. Doch trotz bester Behandlung verbleiben vielfach Funktionseinschränkungen wie Lähmungen, Seh- oder Sprachstörungen. Durch eine anschließende Rehabilitation wird versucht, diese Körperfunktionen wieder herzustellen. Hier setzt das neue EU-Forschungsprojekt an, mit dem mittels der Digitalisierung Trainingsabläufe optimiert und intensiviert werden sollen, um effektivere Behandlungserfolge erzielen zu können.

Gesucht: Patienten mit Arm- oder Sehproblemen nach einem Schlaganfall
„Bevor die angedachten Digitalprogramme für ein Training entwickelt werden können, soll zunächst in einer Beobachtungsstudie erfasst werden, wie Therapeuten und Patienten zurzeit zusammenarbeiten, um ihre Behandlungsziele zu erreichen“, erläuterte der Projektleiter Prof. Dr. Thomas Platz. „Wir wissen viel über wirksame Trainingsmöglichkeiten, aber weniger über die Kommunikation zwischen Therapeut und
trainierendem Patienten. Wie müssen die Einheiten gestaltet werden, damit sich der Patient wohl fühlt, gut informiert ist, für die Therapie motiviert bleibt, und die für ihn besten Ergebnisse erzielt. Diese Aspekte wollen wir in einer ersten Studie untersuchen“, so der Neurologe und Leiter der Arbeitsgruppe Neurorehabilitation an der Universitätsmedizin Greifswald.

Im Rahmen der Studie findet über eine Woche jeden Tag an der Universitätsmedizin Greifswald ein betreutes intensives Training statt. An der Studie können Schlaganfallpatienten teilnehmen, die entweder eine nur sehr leichte oder eine mittelschwere Armlähmung haben. Auch Schlaganfallpatienten, die Sehbeeinträchtigungen im Sinne einer Vernachlässigung (Neglect) haben, können sich für die Studie anmelden. Weitere Informationen zur Studie unter der Telefonnummer 3834 86-6966 oder der E-Mailadresse stefanie.tobschall@med.uni-greifswald.de.

Hintergrund Forschungsverbund „E-BRAiN“
In den kommenden drei Jahren soll in dem Forschungsverbund „E-BRAiN“ („E“ für „elektronisch“ und „BRAiN“ für „das Gehirn“) gemeinsam nach Möglichkeiten der Digitalisierung in der Rehabilitation nach einem Schlaganfall geforscht werden. Die beteiligten Einrichtungen sind die Universitätsmedizin Greifswald mit dem Projektleiter und Koordinator des EU-Verbundprojektes, Prof. Thomas Platz, die Universität Greifswald mit dem Institut für klinische Psychologie (Prof. Alfons Hamm), das Institut für Informatik der Universität Rostock (Prof. Peter Forbrig/Prof. Thomas Kirste) und die Hochschule Neubrandenburg mit dem Bereich Gesundheitsökonomie und Medizinmanagement (Prof. Axel Mühlbacher).
Mit geeigneter Software und Technik könnten gut standardisierbare Trainingsabläufe therapeutisch überwacht, aber ohne eine permanente und personalaufwändige 1-zu-1-Betreuung umgesetzt werden. Damit könnten Therapeuten ein viel intensiveres Training anbieten als derzeit möglich. Eine solche durch Informationstechnologien unterstützte Behandlung steht derzeit in der klinischen Praxis noch nicht zur Verfügung. Erste Ergebnisse sollen in drei Jahren vorliegen.

 

Universitätsmedizin Greifswald
AG Neurorehabilitation – Forschungsverbund E-BRAIN
Projektleiter: Prof. Dr. med. Thomas Platz
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Quelle: idw-online.de, 14.10.2019

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