Experte fordert höhere Sensibilität bezüglich der psychischen Auswirkungen der Corona-Krise

Veröffentlicht am 30.10.2020 19:58 von Redaktion RehaNews24

PD Dr. med. Andreas Menke, Chefarzt im Medical Park Chiemsseeblick Bernau-Felden
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Bernau-Felden (Medical Park, 30.10.2020) Pandemie-Pläne müssen Auswirkungen auf Psyche berücksichtigen – Corona-Krise verstärkt psychische Erkrankungen – Welle von Neuerkrankungen befürchtet

Seit Beginn der Ausbreitung von SARS-CoV2 durchleben die Menschen ein wahres Wechselbad der Gefühle. Die schrecklichen Bilder aus Italien, Spanien und den USA im März und Anfang April erzeugten Ängste und Unsicherheiten. Der erste Lockdown in Deutschland verstärkte diese. Bedingt durch den – in Deutschland – recht glimpflichen Verlauf der ersten Infektionswelle und der darauffolgenden Entspannung mit Lockerungen, der Möglichkeit. soziale Kontakte wieder zu pflegen usw., machte sich die Hoffnung breit, dass wir das Gröbste überstanden haben. Jetzt aber steigen die Infektionszahlen in bisher ungekannte Höhen, der zweite Lockdown verbannt die Menschen wieder in die eigenen vier Wände und schränkt das soziale Leben drastisch ein. Was macht das mit uns? Was bedeutet dieses Auf und Ab für Menschen, die ohnehin mit psychischen Problemen kämpfen?

Chefarzt PD Dr. Andreas Menke vom Medical Park Chiemseeblick ist in Sorge: „Der zweite Lockdown wird von vielen unserer Patienten mit großer Sorge erwartet. Bereits der erste Lockdown hatte zur Entwicklung oder Verschlechterung von stress-assoziierte psychischen Erkrankungen wie Depression oder Angststörungen geführt. Die Isolation von alleine lebenden Menschen, finanzielle Verluste, Verlust der beruflichen Perspektive, Angst vor eigener Infektion oder Infektion der Angehörigen, Unsicherheit wie lange die Pandemie dauert und dauernde Präsenz in den Medien sind erhebliche Stressfaktoren, die eine Depression oder Angststörung auslösen oder verschlechtern können.“

Laut Dr. Menke wisse man außerdem, dass das SARS-CoV2 Virus nicht nur indirekte, sondern auch direkte Effekte auf das Gehirn hat. Die Beeinträchtigung des Geruchs- und Geschmackssinns ist dafür nur ein Indiz. Ein schwerer Verlauf mit beatmungspflichtiger Behandlung auf einer Intensivstation führt bei mehr als 50% der Patienten zu einer Entwicklung einer Depression oder einer Posttraumatische Belastungsstörung.  Menke: „In unserer Klinik konnten wir diese Situation auch beobachten. Seit Beginn der Pandemie haben etwa 30% unserer Patienten berichtet, dass die Folgen der Pandemie ihre Depression oder Angststörung verschlechtert oder ausgelöst haben. Bei Mitarbeitern des Gesundheitssystems, die COVID-19-Patienten behandeln, ist das Risiko eine psychische Erkrankung zu entwickeln, sogar noch höher.“

Der Experte plädiert daher dafür, in den kommenden Wochen verstärkt für das Erkennen von psychischen Erkrankungen zu sensibilisieren. Medien, Ärzte, Selbsthilfeorganisationen seien nun in der Pflicht zu erklären, was eine Depression ist, welche Symptome zuerst auftreten, und ab wann professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden sollte. Denn grundsätzlich sind Depressionen und Angststörungen sehr gut mit Psychotherapie oder Medikamenten behandelbar. Menschen, die merken, dass sie mit der Situation überfordert sind, sollten sich nicht in sich zurückziehen, sondern das Gespräch und Hilfe suchen.

„Mit den derzeit gesammelten Erfahrungen müssen die Behörden ihre Pandemie-Pläne auch hinsichtlich der Auswirkungen einer lange andauernden Ausnahmesituation auf die Psyche überarbeiten,“ fordert Dr. Andreas Menke. „Unsere Versorgungsstrukturen sind nicht darauf ausgerichtet, in kurzer Zeit eine drastisch steigende Zahl von Menschen mit Depressionen oder Ängsten zu therapieren, wie wir sie in einer solchen Zeit erleben. Wir kämpfen heute noch darum, die Depression als echte, lebensbedrohliche Krankheit im Bewusstsein der Allgemeinheit zu verankern. Wir erleben jetzt Verstärkermechanismen, die wir uns vorher gar nicht so richtig vorstellen konnten. Uns muss bewusst sein, dass wir die psychischen Auswirkungen als Gesellschaft noch spüren werden, wenn wir die Pandemie längst im Griff haben.“

Über die Medical Park Klinikgruppe
Mit 13 Fachkliniken und zwei ambulanten Therapiezentren in Bayern, Berlin, Hessen und Nordrhein-Westfalen ist die renommierte Klinikgruppe Premium-Anbieter für medizinische Rehabilitation und Prävention in Deutschland. Die Medical Park Kliniken sind mit dem Konzept „Gesundwerden in traumhafter Lage“ auf die Indikationen Neurologie, Orthopädie/Traumatologie/Sportmedizin, Innere Medizin/Kardiologie, Onkologie und Psychosomatik spezialisiert. Alle Klinken sind hochwertig ausgestattet und befinden sich in traumhaften Lagen. Um das Wohlergehen und die Genesung der ca. 70.000 Patient*innen jährlich kümmern sich rund 3.500 Mitarbeitende des traditionsreichen Familienunternehmens. Weitere Informationen unter www.medicalpark.de und im Medical Park „active“ Digitalmagazin www.active.medicalpark.de.

 

Quelle: Medical Park, 30.10.2020

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