Die Rückkehr in die Erwerbstätigkeit unterstützen: Erkenntnisse aus einer Studie mit Erwerbsminderungsrentnern

Veröffentlicht am 16.02.2020 19:40 von Redaktion RehaNews24

Neue Studie zur Erwerbsminderungsrente an der Jacobs University: Nur wenige Betroffene schaffen den Wiedereinstieg in den Job.
Quelle: Jacobs University Bremen gGmbH

Trotz anfänglich hoher Motivation schaffen nur ganz wenige Empfängerinnen und Empfänger einer zeitlich befristeten Erwerbsminderungsrente den Wiedereinstieg in den Job. Aus einer kürzlich veröffentlichten Studie geht hervor, dass dies durchschnittlich nur einem von hundert Befragten gelingt. Die wissenschaftliche Untersuchung wurde von der Jacobs University Bremen in Kooperation mit der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen durchgeführt.

„Die Reintegration der Erwerbsminderungsrentner und -rentnerinnen ist eine große Herausforderung“, sagt Prof. Dr. Sonia Lippke, Gesundheitspsychologin an der Jacobs University. „Eine bessere soziale Teilhabe durch die Rückkehr in die Erwerbstätigkeit wäre sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft als Ganzes ein Gewinn.“

Im Jahr 2018 bezogen bundesweit 1,8 Millionen Menschen eine Erwerbsminderungsrente, die allermeisten aufgrund von psychischen Problemen. Die monatliche Rente betrug durchschnittlich 795 Euro. In einer Studie untersuchten die Wissenschaftlerinnen der Jacobs University und der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen über einen Zeitraum von 17 Monaten die Erwartungen und Erfahrungen von Betroffenen. Zudem betrachteten sie die Faktoren genauer, die eine Rückkehr unterstützen. 453 Personen nahmen im Gebiet der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen an der Studie teil, ihr Durchschnittsalter betrug 50 Jahre.

„Viele der Studienteilnehmer wollen gerne wieder arbeiten. Ihre Motivation ist kurz nach Eintritt in die Erwerbsminderungsrente noch hoch. Je länger die Erwerbsminderung andauert, desto stärker nimmt die Motivation ab“, sagt Lippke. Ein wichtiger Grund wieder arbeiten zu wollen, ist neben dem Wunsch Geld zu verdienen auch das Bedürfnis nach Bestätigung, also sich gebraucht zu fühlen. „Für die soziale Teilhabe ist Arbeit enorm wichtig“, betont Lippke. Auch die Gesellschaft würde von der Reintegration der Leistungsempfänger profitieren. Doch insbesondere die Älteren haben es schwer. Während der Studiendauer gelang nur vier Erwerbsminderungsrentnern und -rentnerinnen die Rückkehr in die Arbeitswelt. Sie waren zwischen 28 und 58 Jahre alt und im Durschnitt 46 Jahre.

Für die Betroffenen sei eine gute Gesundheit das A und O, sie helfe auch, die Motivation hochzuhalten, so Lippke. Eine maßgeschneiderte medizinische Rehabilitation, so eine der Schlussfolgerungen der Autorinnen, könne deshalb eine Rückkehr wirksam unterstützen. Sie solle einer größeren Zahl von Betroffenen angeboten werden und sei umso erfolgversprechender, je frühzeitiger sie angeboten werde und je jünger die Teilnehmenden seien.

Über die Jacobs University Bremen
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Für weitere Informationen: www.jacobs-university.de
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Wissenschaftliche Ansprechpartner

Prof. Dr. Sonia Lippke, Professor of Health Psychology and Behavioral Medicine
s.lippke@jacobs-university.de

Originalpublikation
Lippke, S., Schüz, N., & Zschucke, E. (2020). Temporary Disability Pension, RTW-Intentions, and RTW-Behavior: Expectations and Experiences of Disability Pensioners over 17 Months. Int. J. Environ. Res. Public Health, 17(1), 238.
https://doi.org/10.3390/ijerph17010238

 

Quelle: idw.de, 12.02.2020

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