Corona-Burnout: Zeichen erkennen, Prävention stärken

Veröffentlicht am 01.04.2022 20:20 von Redaktion rehanews24

Dr. Tobias Duncker, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie bei seinem Beitrag der Online-Veranstaltung Bildquelle: Dr. Becker Klinikgruppe

Unter der Fragestellung „Erst Corona-, dann Burnout-Welle?“ trafen sich über 500 Fachleute beim Online-Symposium der Dr. Becker Klinikgruppe. Die drei Referent:innen sprachen unter anderem darüber, inwieweit die Pandemie und ihre Besonderheiten, wie z. B. die Isolation im Homeoffice, Burnout-Erkrankungen auslösen oder verstärken können.

Köln, 31.03.21: Am Dienstag, den 22.03.22 veranstaltete die Dr. Becker Klinikgruppe ihr drittes Fach-Event für Psycholog:innen, Psychotherapeuten:innen und andere medizinisch Interessierte. Die kostenlose Online-Veranstaltung fokussierte mit drei wissenschaftlichen Vorträgen und dem aktiven Austausch der über 500 Teilnehmenden auf das sogenannte Corona-Burnout.

Burnout im ICD 11 – überfällig in Zeiten von Corona?
Burnout im Sinne des ICD 11 bedeutet, dass die Betroffenen sich energielos und erschöpft fühlen, sich zunehmend von ihrer Arbeit distanzieren und dies in negativen und zynischen Aussagen zeigen. Zudem empfinden sie ihre Arbeit als ineffizient und sind mit ihrer Leistung nicht zufrieden.

Mit der Corona-Pandemie bekommt das Erschöpfungssyndrom, eine neue Dimension. Einen Hinweis darauf gab auch die interaktive TED-Umfrage unter den 500 Teilnehmenden gleich zu Beginn des Symposiums: 80 Prozent gaben hier an, das eigene berufsbezogene Belastungslevel durch die Pandemie als erhöht zu empfinden; nur 17 Prozent nahmen es als unverändert wahr.

Auch die online-gestützte Erhebung der mit der COVID-19-Pandemie assoziierten Angst in der Allgemeinbevölkerung in Deutschland, die die Psychologin Antonia Bendau von Charité – Universitätsmedizin Berlin und HMU Potsdam im ersten Vortrag des Abends präsentierte, belegte einen deutlichen Anstieg von seelischen Beschwerden besonders bei Personen mit psychischen Vorerkrankungen. Im Fokus der Untersuchung standen dabei Angsterkrankungen und depressive Störungen. Die Datenerhebung fand in vier Befragungsphasen von Ende März bis Mitte Juni 2020 statt und gibt damit auch einen Einblick dazu, wie die Symptome bzw. deren Intensität mit den Entwicklungen während der Pandemie korrelieren. Wichtig seien solche Ergebnisse, um Risikogruppen zu erkennen und sie dann möglichst frühzeitig mit präventiven Maßnahmen unterstützen zu können.

Die Pandemie als Treiber für Präventionsmaßnahmen im Gesundheitswesen
Auf den Appell der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin „Jetzt handeln: Personal im Gesundheitswesen vor Burnout!“ ging Dr. Tobias Duncker, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in seinem folgenden Beitrag ein. Der leitende Arzt des in Kürze eröffnenden Fachkrankenhauses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in der Dr. Becker Burg Klinik sieht dringenden Handlungsbedarf für Betroffene, aber auch gesamtgesellschaftlich mit Blick auf eine weitere gute Versorgung der Bevölkerung. Gesundheitsfachkräfte seien während der Corona-Pandemie besonderen Stressfaktoren ausgesetzt. Dazu zähle unter anderem, dass ihr eigenes Infektionsrisiko durch den Patientenkontakt erhöht, die Personaldichte durch Krankheitsausfälle geringer und die emotionale Belastung durch schwererkrankte Patient:innen oder vermehrte Todesfälle gestiegen sei. Gleichzeitig handele es sich bei den Akteuren des Gesundheitswesens um eine Personengruppe mit oftmals stark idealistischer Arbeitsmotivation und hoher Kontrollüberzeugung. Diese Eigenschaften werden in der Literatur als mögliche Disposition für ein Burnout beschrieben. Duncker plädierte dringend dafür, Präventionsprogramme und neue Formen der Arbeitsorganisation insbesondere im Gesundheitswesen zu etablieren.

Auch die Therapie wird digitaler: „App auf Rezept“ unterstützt Erkrankte und entlastet Behandelnde
Im Rahmen der lösungsorientierten Veranstaltung stellte Dr. Alena Rentsch im letzten Vortrag die Möglichkeit digitaler Interventionen zur Behandlung des Burnout-Syndroms vor. Die zertifizierten digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs) böten viele Vorteile wie eine ortsunabhängige und niedrigschwellige Anwendung. Sie sind vom Bundesinstitut für Arznei- und Medizinprodukte zertifiziert und können daher von Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen auf Rezept verschrieben werden. Weitere Informationen und eine Auflistung finden Behandler:innen online unter diga.bfarm.de/de

Evidenzbasierte Applikationen wie die vorgestellte Anwendung „HelloBetter Stress und Burnout“ könnten als eigenständige Behandlung oder ergänzend zu einer Therapie sowie als Nachsorge genutzt werden. Mit solchen Programmen könnten Betroffene auf viele Aspekte ihrer Erkrankung positiv einwirken. So zeigte eine Studie von 2016 (Web-Based and Mobile Stress Management Intervention for Employees: A Randomized Controlled Trial) unter anderem Verbesserungen von emotionaler Erschöpfung, Schlafbeschwerden und depressiven Symptomen durch ein digitales Burnout-Therapieprogramm.

Fachlicher Austausch verbessert Versorgung und muss fortgeführt werden
Im Anschluss an die Vorträge hatten die Teilnehmenden noch Gelegenheit, sich direkt mit den Referent:innen in einzelnen, digitalen Räumen auszutauschen – auch dieses Angebot wurde rege genutzt. Für Bastian Liebsch, Geschäftsführer der Dr. Becker Klinikgruppe und Moderator des Abends, ein weiterer Hinweis darauf, wie wertvoll die Fachveranstaltung für die Teilnehmenden war: „Alle im Gesundheitswesen Tätigen suchen Wege auf neue und veränderte Bedarfslagen zu reagieren. Mit diesem aktuellen Thema hat die Fachveranstaltung scheinbar hohes Interesse bei den Psychotherpeut:innen und Psycholog:innen geweckt. Die über 500 Teilnehmenden belegen dies. Wir werden diesen Bedarf aufnehmen und bald unsere fünfte Fachveranstaltungen durchführen.“

Weitere Informationen zu den Fachevents der DBKG sowie Anmeldemodalitäten finden Sie unter:

dbkg.de/fach-events

Dr. Becker Klinikgruppe
Die Dr. Becker Klinikgruppe betreibt deutschlandweit acht Rehabilitationseinrichtungen, darunter fünf psychosomatische Kliniken. Zur gemeinsamen Verbesserung der Versorgungslage von psychisch erkrankten Patient:innen hat die Klinikgruppe in 2020 eine Fach-Gruppe für Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen ins Leben gerufen. Ihnen bietet sie digitale Fachvorträge und einen kollegialen Austausch an.

Quelle: Dr. Becker Klinikgruppe, 01.04.2022

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