BFW-Experte: Zivilisationskrankheit Rückenschmerzen

Veröffentlicht am 09.03.2020 14:25 von BFW_Leipzig

Dipl. med. Tobias Schröter, Leiter des Gesundheitscenters am BFW Leipzig und Reha-Arzt. © A. Starke, BFW Leipzig

Dipl. med. Tobias Schröter, Leiter des Gesundheitscenters am BFW Leipzig und Reha-Arzt. © A. Starke, BFW Leipzig

Zum Tag der Rückengesundheit weist Diplom-Mediziner Tobias Schröter vom Berufsförderungswerk Leipzig (BFW Leipzig) auf verschiedene Ursachen hin, die Rückenbeschwerden auslösen oder verstärken können. Ca. 50 Prozent der Rehabilitanden am BFW Leipzig haben ein Rückenleiden.

Zum 19. Mal findet am 15. März 2020 der Tag der Rückengesundheit statt. In diesem Zusammenhang macht der Reha-Mediziner Dipl. med. Tobias Schröter auf die Ursachen der verschiedenen Symptome aufmerksam: „Wir beobachten bei uns in der beruflichen Rehabilitation, dass die Erkrankungen des Rückens auf die zivilisatorischen Veränderungen in unserer Gesellschaft und eine veränderte Arbeitswelt zurückzuführen sind. Dabei stellen wir drei häufige Ursachen fest: Bewegungsmangel, Abnutzungserscheinungen und Übergewicht“, erläutert der Leiter des Gesundheitscenters der Bildungseinrichtung.

Die Menschen bewegten sich im Alltag immer weniger. Eine Vielzahl von beruflichen Tätigkeiten werde sitzend am Computer ausgeführt. „Dadurch kann sich die Muskulatur nicht entwickeln, manche Muskelgruppen werden schwächer, andere verkürzen sich“, berichtet Arzt Tobias Schröter. Dem gegenüber stünden die Abnutzungserscheinungen durch körperlich schwere Arbeit oder Zwangshaltungen. „Hier verzeichnen wir zwar einen Rückgang der Krankheitsbilder, aber durch den Leistungsdruck achten die Betroffenen immer weniger auf die ersten Symptome.“ Und letztendlich führe auch Übergewicht zu Rückenproblemen. „Das Thema ist etwas komplexer zu betrachten, da hier viele Faktoren eine Rolle spielen. Beispielsweise die starke Beanspruchung des Rückens durch das Gewicht, die eingeschränkte Beweglichkeit sowie weitere aus dem Übergewicht resultierende Erkrankungen“, betont der Experte aus dem BFW Leipzig.

Unter den Rehabilitanden, die durch eine berufliche Rehabilitation in 24 bzw. 27 Monaten einen neuen Beruf erlernen, haben ca. 50 Prozent ein Rückenleiden. „Das beginnt bei chronischen Schmerzen und geht bis zu operativ behandelten Bandscheibenvorfällen“, weiß Tobias Schröter aus seiner Reha-Praxis zu berichten. „Dem wirken wir mit verschiedenen Angeboten während des Reha-Prozesses entgegen.“ So ist im Rahmen der Umschulung eine obligatorische Sporttherapie mit Kräftigungs- und Dehnungsübungen fest im Stundenplan verankert. Gleichzeitig ist die Sporttherapie auch ein Kontrapunkt zur rein sitzenden Haltung während des Unterrichts. In der Physio- und Ergotherapie werden individuelle „Eigenübungsprogramme“ erarbeitet. „Wir können auch aktive Therapien im hauseigenen Bewegungsbad oder Krankengymnastik verordnen“, erklärt er weiter. „Wichtigster Punkt dabei ist, dass wir unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern Übungen vermitteln, die sie in ihrer Freizeit, aber auch in den Unterrichtspausen selbst ausführen können, um sich gesund zu halten.“

Es gibt ebenfalls technische Lösungen, die im Reha-Alltag helfen. So wurden für alle Schulungs- und Trainingsräume hochwertige Bürostühle angeschafft, die ein ergonomisches und dynamisches Sitzen ermöglichen. Spezielle höhenverstellbare Arbeitstische ermöglichen einen selbstgewählten Haltungswechsel zwischen Stehen und Sitzen.

„Für unsere Rehabilitanden mit Übergewicht bieten wir zudem Einzelberatungen und Programme zur Gewichtsreduzierung durch unsere Ernährungsberaterin an.“ Mit der Ökotrophologin wird ein individueller Speiseplan erarbeitet, der auch im Casino des BFW Leipzig umgesetzt werden kann.

„Ein wesentlicher Punkt ist die aktive Freizeitgestaltung“, ergänzt Reha-Arzt Tobias Schröter abschließend. „Den Fitnessbereich des Hauses nutzen sowohl die Rehabilitanden, als auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BFW Leipzig unter Anleitung ausgebildeter Sporttherapeuten.“ Hier kann jeder an den Kraft- und Ausdauergeräten für einen gesunden Rücken trainieren. Für unsere Rehabilitanden stehen des weiteren Fahrräder zum Ausleihen sowie Tischtennisplatten für Freizeitaktivitäten zur Verfügung.

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Erstellt: Michael Lindner/BFW Leipzig

Hintergrund: Der Tag der Rückengesundheit
Eine Initiative des Bundesverbandes deutscher Rückenschulen e. V. und der Aktion Gesunder Rücken e. V. (www.agr-ev.de). Das Motto dieses Jahr lautet: „Achtsam durch den Tag – Rückenbelastungen gesund meistern!“

Der Ansatz der Achtsamkeit kann einen wertvollen Beitrag zu Ihrer Rückengesundheit leisten. Denn sie bedeutet mehr als Fitness- und Funktionstraining. Achtsamkeit ist einer der Bausteine auf dem Weg zu einem selbstbestimmten, rückenfreundlichen Lebensstil.

Das Motto des 19. Tag der Rückengesundheit betont und vertieft diesen Aspekt, denn Achtsamkeit liefert wertvolle Ressourcen zur psychischen Stabilität und zur Verbesserung der Körperwahrnehmung. (Quelle: https://www.agr-ev.de/de/tag-der-rueckengesundheit)

Schlagworte:
BFW Leipzig, Rückenerkrankungen, Tag der Rückengesundheit, Gesundheitscenter, Physiotherapie, Ergotherapie, gesunder Ernährung, Sport, Fitness

BFW Leipzig
Seit fast 30 Jahren ist das Berufsförderungswerk Leipzig als Spezialist auf dem Gebiet Teilhabe am Arbeitsleben (berufliche Rehabilitation) tätig. Hier werden Menschen ausgebildet und bedarfsorientiert unterstützt, die durch Krankheit oder Unfall aus dem gewohnten Arbeitsleben scheiden mussten. Mit individuellen Erprobungs-, Qualifizierungs- und Integrationsmaßnahmen werden neue Möglichkeiten für den Weg zurück ins Arbeitsleben angeboten. Die Angebote als überregionaler Dienstleister auf den Gebieten Beratung, Diagnostik und Assessment, Qualifizierung, Prävention und Rehabilitation stehen neben der Hauptstelle in Leipzig in den Außenstellen in Brand-Erbisdorf, Chemnitz und Döbeln zur Verfügung. Ein berufliches Trainingszentrum, das BTZ Leipzig, ergänzt das Angebot speziell für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Die vielfältigen Leistungen sind ein wichtiger Beitrag, um Menschen die Rückkehr in das Arbeitsleben zu ermöglichen damit gleichzeitig dem Fachkräftemangel in der Wirtschaft zu begegnen. Darüber hinaus werden an der Bildungseinrichtung verschiedene Kurse der beruflichen Weiterbildung angeboten.

Weitere Informationen und Bildmaterial:
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Michael Lindner
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