Bessere, aber noch keine guten Chancen auf Reha nach schwerer Krankheit: Spahn legt neuen Gesetzesentwurf vor

Veröffentlicht am 28.08.2019 10:48 von Redaktion RehaNews24

In spezialisierten Neurorehabilitationszentren können Patienten wieder in die Aktivität geholt werden.

Köln, 23.08.2019: Auch wenn sie gut gemeint sind, laufen Dinge manchmal schief – besonders im Gesundheitssystem. Mit dem Entwurf für ein Reha- und Intensivpflege-Stärkungsgesetz nimmt sich Minister Spahn jetzt zwei besonders krasse Fehlentwicklungen vor: Die Abschiebung Schwerkranker in Beatmungswohngemeinschaften ohne vorhergehenden Rehabilitationsversuch und die Bürokratiemauer vor der Rehabilitation.

Bußgeld für ungeprüfte Entlassung
Wer nach einem Verkehrsunfall auf einer Intensivstation beatmet werden muss und nicht schnell genug wieder selbst schlucken und sicher atmen lernt, läuft Gefahr, in einer Beatmungs-WG zu landen. Denn die Krankenhäuser stehen unter so hohem Versorgungsdruck, dass sie häufig vor dem Aufwand kapitulieren, einen Platz in spezialisierten Neurorehabilitationszentren oder anderen geeigneten Einrichtungen zu finden. Dort könnten Patienten Atem-rehabilitiert und auch sonst wieder in die Aktivität geholt werden. Eine ungeprüfte Direktentlassung in Beatmungseinrichtungen will Spahn daher zukünftig mit einem Verlegungsabschlag, also einem Bußgeld für Krankenhäuser, ahnden.

In NRW fehlen über 1.000 Betten
Das ist gut für Patienten und auch für Krankenkassen, die jährlich Milliarden für Beatmungs-WGs ausgeben. Es wird aber schwer für Krankenhäuser, weil spezialisierte Rehabilitationskrankenhäuser rar sind. In NRW zum Beispiel fehlen in der Intensivneuroreha über tausend Betten.

„Reha-Antragsverfahren sind ein Anachronismus“
Auch für Menschen ohne Atemstörungen ist Reha nach einem Schlaganfall oder ähnlich schweren Erkrankungen in Deutschland keine ausgemachte Sache. Davor steht viel Bürokratie. Denn Krankenkassen haben ein überliefertes  Recht, eine Rehabilitation zu verweigern. Daher muss jede Reha bei ihnen beantragt werden und wird dann in einem manchmal wochenlangen Prozess bearbeitet. Früher war das teilweise sinnvoll, weil es sich um Kuren und keine moderne Reha handelte. „Heute sind Beantragungsverfahren für Reha, insbesondere Neuroreha nach akutstationärer Behandlung ein Anachronismus“, positioniert sich Prof. Stefan Knecht, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Neuroreha NRW und Direktor des Mauritius Neurorehazentrums in Meerbusch-Düsseldorf.

Größte Gefahr für Patienten ist das Bett
Denn Patienten sind älter und kränker. Da ist eine Reha-Antragsbremse so unsinnig und gefährlich, wie wenn Patienten vor einer Schlaganfall- oder Herzinfarktbehandlung erst eine Bewilligung ihrer Kasse einholen müssten. Nach einer Akutbehandlung ist die größte Gefahr für Patienten das Bett. Immobilität führt zu Muskelschwund, Druckgeschwüren, Stürzen, Schmerzen durch Gelenkinstabilität und erhöhtem Risiko für Lungenembolien. Hier ist Mobilisierung durch Rehabilitationsprofis so wichtig wie für andere Patienten ein Herzkatheter – und genauso dringend, so Knecht.

Geriatrische Rehabilitation ohne Antragsverfahren
Spahns Entwurf sieht nun vor, dass niedergelassene Ärzte geriatrische Rehabilitation verordnen dürfen und zwar ohne Antragsverfahren. Das ist ein guter Anfang. Dieser bringt den neurologischen Patienten, die wie kaum eine andere Patientenklientel für ihre Gesundung auf einen schnellen Reha-Beginn angewiesen sind, jedoch leider noch nichts. „Die Direkteinweisung in die neurologische Rehabilitation sollte durch den Krankenhausarzt erfolgen können. Das Gesetz muss um diese Regelung erweitert werden“, findet Knecht. „Sollte dies unterbleiben, werden viele Patienten unnötig und riskant in Krankenhausbetten immobilisiert oder bekommen durch Schreibtischentscheidungen gar keine Rehabilitation.“

Die Landesarbeitsgemeinschaft Neurorehabilitation NRW
Mitglieder: Asklepios Weserbergland-Klinik, Celenus- Klinik für Neurologie Hilchenbach, Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, Evangelisches Kliniken Gelsenkirchen, Fachklinik Rhein/Ruhr f. Herz-/Kreislauf- u. Bewegungssystem, Gräfliche Kliniken, Marcus Klinik, Helios Klinik Hagen- Ambrock, Helios Klinik Hattingen, Helios Odebornklinik, Hospital zum Heiligen Geist Kempen, Johanniter-Ordenshäuser Bad Oeynhausen, Klinik Maria Frieden Telgte, MATERNUS-Klinik für Rehabilitation, Neurologisches Rehabilitationszentrum Godeshöhe e.V. REHANOVA Köln Neurologische/ Neurochirugische Rehabilitationsklinik GmbH, St. Mauritius Therapieklinik Meerbusch
Vorstand: Dr. Ursula Becker (Sprecherin), Prof. Dr. Stefan Knecht (Sprecher), Dr. Robin Roukens, Michael Frank

Weitere Informationen unter: www.neuroreha-nrw.de

Pressekontakt:
Dr. Becker Klinikgruppe
Rebecca Jung / Ltg. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Parkstraße 10
50968 Köln
Tel: (02 21) 93 46 47-48, E-Mail: rjung@dbkg.de

In spezialisierten Neurorehabilitationszentren können Patienten wieder in die Aktivität geholt werden.

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