Berufsförderungswerk Dortmund bietet Adipositas-Patienten besondere Unterstützung

Veröffentlicht am 09.12.2019 14:50 von Redaktion RehaNews24

Das Berufsförderungswerk Dortmund bietet auf einem hochmodernen Campus ein vielfältiges Qualifizierungsangebot für 1.000 Teilnehmer in 40 Berufen. © BFW Dortmund

Exzellente medizinische Versorgung in Kooperation mit dem Adipositaszentrum der Klinik Vest in Recklinghausen.

Dortmund, 09. Dezember 2019. In Deutschland sind rund 16 Prozent der Erwachsenen stark übergewichtig, also adipös. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Studie des Statistischen Bundesamtes. Häufige Folgen sind Erwerbsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit. Beim Berufsförderungswerk (BFW) Dortmund finden Adipositas-Patienten, die aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls ihren alten Beruf nicht mehr ausüben können, eine besondere Unterstützung: Neben der Chance auf einen Neustart ins Arbeitsleben erhalten sie eine exzellente medizinische Versorgung, die im Bereich der beruflichen Rehabilitation in Deutschland einmalig ist.

Das BFW Dortmund bietet sehr übergewichtigen Teilnehmern in enger Zusammenarbeit mit dem Adipositaszentrum der Klinik Vest in Recklinghausen ein Programm zur operativen Behandlung und eine Selbsthilfegruppe an. Die medizinische Einrichtung erhielt als einzige Klinik in NRW die höchste Auszeichnung als „Exzellenzzentrum für Adipositas- und metabolische Chirurgie“.

Dem Krankheitsbild der Adipositas kommt aus Sicht von Prof. Dr. Andreas Weber, dem Leiter des Medizinischen Dienstes am BFW Dortmund, eine besondere Bedeutung zu. Denn Adipositas führt sehr oft zu Begleiterkrankungen wie Zucker, Bluthochdruck oder Schädigungen der Wirbelsäule. Hinzu kommt eine Abnahme der Arbeitsfähigkeit und der aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.

Bei der Behandlung seiner Patienten orientiert sich der Arbeitsmediziner Prof. Weber am Körpermassenindex, dem sogenannten Body Mass Index (BMI). Der BMI wird aus dem Quotienten aus Gewicht und Körpergröße zum Quadrat (kg/m²) errechnet. Das BFW Dortmund bietet seinen Teilnehmern ab einem BMI von 40 operative Hilfe an. „Hier besteht ein doppelt so hohes Risiko für Einschränkungen. Bei Werten darunter empfehlen wir eine konservative Behandlung mit Bewegung, Gesundheits- und Ernährungsberatung. Ab einem BMI von 50 besteht eigentlich nur noch die Option zu operieren, weil konservative Therapien meist versagen“, so Prof. Weber.

Integrationsquoten von 60 Prozent
Bei der Operation wird der Magen um etwa zwei Drittel zum so genannten Schlauchmagen verkleinert. Anschließend empfinden die Patienten deutlich schneller ein Sättigungsgefühl. Um operativ behandelt zu werden, muss bei den Teilnehmern der ausdrückliche Wunsch bestehen, ihr Leben grundlegend zu ändern. „Etwa ein Jahr geht ihnen dadurch verloren. Die Menschen wissen das aber sehr zu schätzen. Deshalb haben wir hier eine relativ hohe Erfolgsrate“, so Prof. Weber. „Ab einem BMI von 40 haben wir Integrationsquoten von maximal 20 Prozent. Menschen, die bei uns durch dieses operative Programm gegangen sind, haben Integrationsquoten von 60 Prozent.“

Die Magenverkleinerung ist ein Prozess, der den Patienten und allen Beteiligten viel Energie abverlangt. Das fängt schon bei der komplizierten Antragstellung an. Überdies müssen die Patienten für eine Kostenübernahme ein sechsmonatiges multimodales Programm durchlaufen, welches sich aus drei fest vorgeschriebenen ernährungs-, bewegungs- und verhaltenstherapeutischen Bausteinen zusammensetzt.

Das besondere Angebot am BFW Dortmund hat sich mittlerweile herumgesprochen. „Gezielt kommen Menschen aus anderen Städten wegen dieser Kooperation zu uns, auch die Dortmunder Reha-Beratung der Rentenversicherung empfiehlt Patienten an uns weiter“, so Prof. Weber. Das Adipositas-Programm allerdings ist kein „Massengeschäft“, weil es eine kontinuierliche und hochindividuelle Betreuung vor und nach der Operation beinhaltet. In den vergangenen acht Jahren waren es gerade einmal 60 Fälle, die „unters Messer“ kamen.

www.bfw-dortmund.de

Das Erfolgsbeispiel der BFW-Teilnehmerin Catarina Criscuolo
Catarina Criscuolo nutzte die Möglichkeiten, die ihr das Adipositas-Programm am BFW Dortmund bot, und konnte ihr Gewicht zwischen Dezember 2018 und Mai 2019 von 127 kg auf 79 kg reduzieren. An das BFW Dortmund kam die heute 48-Jährige im Januar 2016. Zuvor hatte sie im Lager eines großen Logistik-Unternehmens gearbeitet, bis sie sich bei einem Unfall an ihrer linken Hand verletzte und ihren alten Beruf nicht mehr ausüben konnte. „Mein Leidensdruck aufgrund der Adipositas war damals sehr groß“, erinnert sich Catarina Criscuolo. Aufgrund von Verengungen der Wirbel, einem Bandscheibenvorfall und mehreren -vorwölbungen hielt sie es ohne Schmerzmittel nicht mehr aus.

Die Schlauchmagen-Operation im Klinikum Vest in Recklinghausen verlief für sie problemlos, die erste Zeit der Umstellung war jedoch sehr schwer für sie. „Mein Körper war wie auf Entzug“, erinnert sie sich. Heute ist sie überglücklich, diesen Schritt gegangen zu sein: „Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich habe ein völlig neues Lebensgefühl, kann mich deutlich besser bewegen und habe viel mehr Möglichkeiten“, betont Catarina Criscuolo, die zurzeit die letzten Spuren ihres Gewichtsverlusts operativ behandeln lässt.

Von Anfang an ist Catarina Criscuolo zudem in der Adipositas-Selbsthilfe-Gruppe des BFW Dortmund aktiv. Auch heute nach erfolgreichem Abschluss ihrer Qualifikation zur Groß- und Außenhandelskauffrau kommt sie, so oft es geht, immer noch dorthin. Sie findet dort „sehr nette Leute“, denen sie Tipps und Unterstützung gibt. „Ich hoffe, dass noch viele andere diese Chance nutzen werden.“

Über das Berufsförderungswerk (BFW) Dortmund:
Das Berufsförderungswerk (BFW) Dortmund wurde im Jahr 1971 gegründet und ist ein überregionales Dienstleistungsunternehmen der beruflichen Rehabilitation im Stadtteil Hacheney. Das BFW Dortmund bietet Menschen Umschulungen an, die nach Krankheit oder Unfall ihren alten Beruf nicht mehr ausüben können und über einen Leistungsträger eine neue berufliche Qualifizierung finanziert bekommen. Wie die anderen 27 Berufsförderungswerke in Deutschland hat auch das BFW Dortmund einen sozialpolitischen Auftrag mit dem Ziel, Rehabilitanden nach Abschluss der Qualifizierung in den Arbeitsmarkt einzugliedern und ihnen damit eine aktive Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Das Angebotsspektrum reicht von der Information und Beratung über die Berufsfindung und Qualifizierung bis zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt.

Bis heute hat das BFW Dortmund seine Kapazitäten und Infrastruktur zu einem sechs Hektar großen, hochmodernen Campus mit 300 Mitarbeitern ausgebaut. Es verfügt über ein vielfältiges Qualifizierungsangebot für 1.000 Teilnehmer in 40 Berufen, deren Spektrum von kaufmännischen und technischen bis hin zu Elektro-, IT- und Medienberufen reicht. Bei sämtlichen Qualifizierungen legt das BFW Dortmund einen besonderen Fokus auf die Gegebenheiten des regionalen Arbeitsmarktes und die individuellen Stärken und Neigungen seiner Teilnehmer. Mit großem Erfolg: Aktuell finden rund 75 Prozent der Absolventen einen neuen Arbeitsplatz.

Über den Medizinischen Dienst am BFW Dortmund:
Das Berufsförderungswerk (BFW) Dortmund verfügt von allen BFW-Bildungsstätten in Deutschland über einen der größten Medizinischen Dienste („Fachdienst Medizin“). Dieser besteht aus einem 16-köpfigen Team von sechs Ärzten, sechs Medizinischen Fachangestellten sowie vier Physiotherapeuten und Sportlehrern, die durch Honorarkräfte ergänzt werden. Der Fachdienst verfolgt das Konzept der Integrationsmedizin – von der Defizit- hin zur Ressourcenorientierung: Die Menschen werden rein nach ihrem Potenzial betrachtet, es wird ihnen gezielte Hilfe bei Bewältigungs- und Veränderungsprozessen gegeben. Die Philosophie lautet: stabilisieren, aktivieren, unterstützen.

Über das Adipositas-Programm (seit 2012) und die Adipositas-Selbsthilfegruppe (seit 2018) hinaus hat das BFW Dortmund im engen Schulterschluss mit bundesweit führenden medizinischen Einrichtungen weitere besondere Hilfsangebote für seine insgesamt 1.000 Teilnehmer geschaffen. In Zusammenarbeit mit dem Epilepsiezentrum des Universitätsklinikums Erlangen werden zum Beispiel telemedizinische Verfahren zur Diagnostik und Behandlung von Epilepsiepatienten angewendet. Darüber hinaus verfügt das BFW Dortmund als einer von wenigen Anbietern in der Region über eine Kältekammer für die Therapie von Rheuma- und Schmerzpatienten.

Unternehmenskontakt:
Berufsförderungswerk Dortmund
Karin Niemeyer, Leitung Marketing/Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Tel.: 0231 / 7109-239,
E-Mail: Karin.Niemeyer@bfw-dortmund.de

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