Amputation – was nun? Düsseldorfer Startup und Bundesverband launchen gleichnamige App für Betroffene

Veröffentlicht am 11.06.2021 23:21 von Redaktion rehanews24

Ilja Michaelis

Seit über acht Jahren forscht ein junges Team aus Medizinern, Betroffenen, Juristen, Physiotherapeuten und IT-Entwickeln aus Düsseldorf an digitalen Therapieformen bei Phantomschmerzen. Nach dem erfolgreichem Markteintritt ihrer Gesundheitsapp 2018 erreichte die junge Firma allerdings immer öfter Fragen von Betroffenen, die sich vermehrt um das Thema Leben nach Amputation drehten. Da es anscheinend kaum Ansprechpartner gibt, entschiedet sich das Team gemeinsam mit dem Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation e.V. (bmab) kurzerhand selbst eine App ins Leben zu rufen.

Düsseldorf, 07.06.2021 – „Erfahrungsgemäß geht jeder Mensch nach einer Amputation durch ein absolutes Tief“, weiß Dr. Thomas Frey von der Routine Health GmbH und berichtet, dass die Liste der Fragen nach einer Amputation sehr groß ist. „Dabei sind es nicht unbedingt Fragen an Mediziner oder Therapeuten, sondern vielmehr sind es Fragen zum Leben nach der Amputation“. Der 57jährige Kölner, selbst Oberschenkel amputiert, ist bei dem Düsseldorfer Startup für das sogenannte Patienten-Onboarding zuständig und steht als Peer- Coach zur Verfügung.

Vom Forschungsprojekt zur Firmengründung
Kennengelernt hat sich das Kernteam der Routine Health bereits 2013 bei einem Förderprojekt des Landes NRW und der EU. Nach sechs Jahren Forschung und Entwicklung folgte dann 2018 die Ausgründung zur eigenen GmbH und der Launch der Gesundheitsapp. „Unser Ziel ist es, Betroffenen eine medikamentfreie Alternative bei Phantomschmerzen bieten zu können“, erzählt Ilja Michaelis, Gründer und Geschäftsführer. Dafür arbeiten inzwischen neun Mitarbeiter an der App, die neben vielen anderen Funktionen auch die Spiegeltherapie digitalisiert. „Mehr als 70 Prozent aller Amputations-Patienten leiden an chronischen Phantomschmerzen“, sagt Routine-Gründer Ilja. „Die entstehen, weil das Gehirn nicht verarbeiten kann, dass ein Teil des Körpers fehlt. Mit unserer Routine-App führen wir ein Gehirntraining durch, welches zur Reduktion von Phantomschmerzen führt.“

Fragen zur neuen Lebenssituation
Nach erfolgreicher Markteinführung der App und den ersten betreuten Patienten, merkte das Team allerdings schnell, dass immer häufiger Fragen auftreten, die nicht die Therapie, sondern die allgemeine Lebenssituation betrafen. `Wie soll ich das jetzt bewältigen? ́ war nur eine der vielen Frage, die Peer-Coach Frey bei seiner Patientenbetreuung immer wieder hörte. „Wir haben schnell festgestellt, dass wir mehr sind, als ein App-Anbieter“, berichtet Frey. Und so entstand die Idee zu einer zweiten, neuen App – mit allen Antworten rund um eine Amputation. „Wir wollen auch ein Lotse sein, der Menschen hilft, aus dieser kurzfristigen und erdrückenden Ohnmacht wieder rauszukommen. Und das mit einfachen Antworten, die man schnell umsetzen kann.“

Von Betroffenen für Betroffene
Über einen Monat sammelte Peer-Coach Frey alle Fragen, die Betroffene unmittelbar nach einer Amputation haben. Es geht von der Beantragung eines Behindertenparkplatzes bis zum Umgang mit Freunden und Familien. Und die Liste immer noch nicht komplett, denn eine ständige Weiterentwicklung ist das große Ziel. Um dafür möglichst viele Erfahrungen sammeln zu können hat sich die Routine Health mit dem Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation e.V. (BMAB) zusammengetan. „Eine App zum Thema Amputation gab es bisher nicht, ‚Amputation Was nun?‘ füllt hier eine Lücke, die geschlossen werden musste“, sagt Geschäftsstellenleiter Detlef Sonnenberg. Ebenfalls wurde das Projekt von der Agentur inno99 unterstützt.

Über Routine GmbH
Die Routine Health GmbH mit Sitz in Düsseldorf wurde 2018 von Ilja Michaelis gegründet. Entwickelt hat sich das Konzept der digitalen, neuroimaginativen Therapie aber bereits in den Jahren von 2013 bis 2016 innerhalb eines Forschungsprojekts. Im Anschluss kam es zur Ausgründung aus der Muttergesellschaft Kaasa Health GmbH. Das Hauptprodukt des Startups ist die App „Routine“, welche Menschen mit CRPS oder Phantomschmerzen eine digitale Reha- Betreuung ermöglicht. Diese soll direkt im Anschluss an eine konventionelle Reha oder einen stationären Aufenthalt beginnen. Das leitliniengerechte Eigentraining mit dem iPad hilft bei einer schnellen und motivierten Reintegration ins Berufsleben. Das 9köpfige Team wird fachlich von Dr. med Mike Papenhoff, Chefarzt einer Schmerzklinik in Duisburg, unterstützt.

Über Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation e.V. (bmab)
Am 17. Oktober 2009 wurde im Rahmen der Rehabilitations-Fachmesse Rehacare International 2009 der „Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation“ als Interessen- vertretung von Menschen mit Arm- oder Beinamputation gegründet. Der Verband tritt ein für die Verbesserung der prothetischen Versorgung von Menschen mit Arm- oder Beinamputation, er unterstützt mit seiner Lobbyarbeit nachhaltig die Verbesserung der beruflichen und sozialen Rehabilitation nach Amputationen und die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Arm- oder Beinamputation.

Kontakt

Ilja Michaelis Geschäftsführer ilja@routine.health +49 178 1665866

Meike Haagemans Telefon: 0172-6545096

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