Montag, März 9th, 2020

 

BFW-Experte: Zivilisationskrankheit Rückenschmerzen

Dipl. med. Tobias Schröter, Leiter des Gesundheitscenters am BFW Leipzig und Reha-Arzt. © A. Starke, BFW Leipzig
Dipl. med. Tobias Schröter, Leiter des Gesundheitscenters am BFW Leipzig und Reha-Arzt. © A. Starke, BFW Leipzig

Dipl. med. Tobias Schröter, Leiter des Gesundheitscenters am BFW Leipzig und Reha-Arzt. © A. Starke, BFW Leipzig

Zum Tag der Rückengesundheit weist Diplom-Mediziner Tobias Schröter vom Berufsförderungswerk Leipzig (BFW Leipzig) auf verschiedene Ursachen hin, die Rückenbeschwerden auslösen oder verstärken können. Ca. 50 Prozent der Rehabilitanden am BFW Leipzig haben ein Rückenleiden.

Zum 19. Mal findet am 15. März 2020 der Tag der Rückengesundheit statt. In diesem Zusammenhang macht der Reha-Mediziner Dipl. med. Tobias Schröter auf die Ursachen der verschiedenen Symptome aufmerksam: „Wir beobachten bei uns in der beruflichen Rehabilitation, dass die Erkrankungen des Rückens auf die zivilisatorischen Veränderungen in unserer Gesellschaft und eine veränderte Arbeitswelt zurückzuführen sind. Dabei stellen wir drei häufige Ursachen fest: Bewegungsmangel, Abnutzungserscheinungen und Übergewicht“, erläutert der Leiter des Gesundheitscenters der Bildungseinrichtung.

Die Menschen bewegten sich im Alltag immer weniger. Eine Vielzahl von beruflichen Tätigkeiten werde sitzend am Computer ausgeführt. „Dadurch kann sich die Muskulatur nicht entwickeln, manche Muskelgruppen werden schwächer, andere verkürzen sich“, berichtet Arzt Tobias Schröter. Dem gegenüber stünden die Abnutzungserscheinungen durch körperlich schwere Arbeit oder Zwangshaltungen. „Hier verzeichnen wir zwar einen Rückgang der Krankheitsbilder, aber durch den Leistungsdruck achten die Betroffenen immer weniger auf die ersten Symptome.“ Und letztendlich führe auch Übergewicht zu Rückenproblemen. „Das Thema ist etwas komplexer zu betrachten, da hier viele Faktoren eine Rolle spielen. Beispielsweise die starke Beanspruchung des Rückens durch das Gewicht, die eingeschränkte Beweglichkeit sowie weitere aus dem Übergewicht resultierende Erkrankungen“, betont der Experte aus dem BFW Leipzig.

Unter den Rehabilitanden, die durch eine berufliche Rehabilitation in 24 bzw. 27 Monaten einen neuen Beruf erlernen, haben ca. 50 Prozent ein Rückenleiden. „Das beginnt bei chronischen Schmerzen und geht bis zu operativ behandelten Bandscheibenvorfällen“, weiß Tobias Schröter aus seiner Reha-Praxis zu berichten. „Dem wirken wir mit verschiedenen Angeboten während des Reha-Prozesses entgegen.“ So ist im Rahmen der Umschulung eine obligatorische Sporttherapie mit Kräftigungs- und Dehnungsübungen fest im Stundenplan verankert. Gleichzeitig ist die Sporttherapie auch ein Kontrapunkt zur rein sitzenden Haltung während des Unterrichts. In der Physio- und Ergotherapie werden individuelle „Eigenübungsprogramme“ erarbeitet. „Wir können auch aktive Therapien im hauseigenen Bewegungsbad oder Krankengymnastik verordnen“, erklärt er weiter. „Wichtigster Punkt dabei ist, dass wir unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern Übungen vermitteln, die sie in ihrer Freizeit, aber auch in den Unterrichtspausen selbst ausführen können, um sich gesund zu halten.“

Es gibt ebenfalls technische Lösungen, die im Reha-Alltag helfen. So wurden für alle Schulungs- und Trainingsräume hochwertige Bürostühle angeschafft, die ein ergonomisches und dynamisches Sitzen ermöglichen. Spezielle höhenverstellbare Arbeitstische ermöglichen einen selbstgewählten Haltungswechsel zwischen Stehen und Sitzen.

„Für unsere Rehabilitanden mit Übergewicht bieten wir zudem Einzelberatungen und Programme zur Gewichtsreduzierung durch unsere Ernährungsberaterin an.“ Mit der Ökotrophologin wird ein individueller Speiseplan erarbeitet, der auch im Casino des BFW Leipzig umgesetzt werden kann.

„Ein wesentlicher Punkt ist die aktive Freizeitgestaltung“, ergänzt Reha-Arzt Tobias Schröter abschließend. „Den Fitnessbereich des Hauses nutzen sowohl die Rehabilitanden, als auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BFW Leipzig unter Anleitung ausgebildeter Sporttherapeuten.“ Hier kann jeder an den Kraft- und Ausdauergeräten für einen gesunden Rücken trainieren. Für unsere Rehabilitanden stehen des weiteren Fahrräder zum Ausleihen sowie Tischtennisplatten für Freizeitaktivitäten zur Verfügung.

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Erstellt: Michael Lindner/BFW Leipzig

Hintergrund: Der Tag der Rückengesundheit
Eine Initiative des Bundesverbandes deutscher Rückenschulen e. V. und der Aktion Gesunder Rücken e. V. (www.agr-ev.de). Das Motto dieses Jahr lautet: „Achtsam durch den Tag – Rückenbelastungen gesund meistern!“

Der Ansatz der Achtsamkeit kann einen wertvollen Beitrag zu Ihrer Rückengesundheit leisten. Denn sie bedeutet mehr als Fitness- und Funktionstraining. Achtsamkeit ist einer der Bausteine auf dem Weg zu einem selbstbestimmten, rückenfreundlichen Lebensstil.

Das Motto des 19. Tag der Rückengesundheit betont und vertieft diesen Aspekt, denn Achtsamkeit liefert wertvolle Ressourcen zur psychischen Stabilität und zur Verbesserung der Körperwahrnehmung. (Quelle: https://www.agr-ev.de/de/tag-der-rueckengesundheit)

Schlagworte:
BFW Leipzig, Rückenerkrankungen, Tag der Rückengesundheit, Gesundheitscenter, Physiotherapie, Ergotherapie, gesunder Ernährung, Sport, Fitness

BFW Leipzig
Seit fast 30 Jahren ist das Berufsförderungswerk Leipzig als Spezialist auf dem Gebiet Teilhabe am Arbeitsleben (berufliche Rehabilitation) tätig. Hier werden Menschen ausgebildet und bedarfsorientiert unterstützt, die durch Krankheit oder Unfall aus dem gewohnten Arbeitsleben scheiden mussten. Mit individuellen Erprobungs-, Qualifizierungs- und Integrationsmaßnahmen werden neue Möglichkeiten für den Weg zurück ins Arbeitsleben angeboten. Die Angebote als überregionaler Dienstleister auf den Gebieten Beratung, Diagnostik und Assessment, Qualifizierung, Prävention und Rehabilitation stehen neben der Hauptstelle in Leipzig in den Außenstellen in Brand-Erbisdorf, Chemnitz und Döbeln zur Verfügung. Ein berufliches Trainingszentrum, das BTZ Leipzig, ergänzt das Angebot speziell für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Die vielfältigen Leistungen sind ein wichtiger Beitrag, um Menschen die Rückkehr in das Arbeitsleben zu ermöglichen damit gleichzeitig dem Fachkräftemangel in der Wirtschaft zu begegnen. Darüber hinaus werden an der Bildungseinrichtung verschiedene Kurse der beruflichen Weiterbildung angeboten.

Weitere Informationen und Bildmaterial:
Berufsförderungswerk Leipzig gemeinnützige GmbH
Michael Lindner
Leiter PR | Unternehmenskommunikation
Georg-Schumann-Straße 148
04159 Leipzig
Tel.: 0341 | 9175120
Fax: 0341 | 917563120
E-Mail: presse@bfw-leipzig.de
Internet: https://www.bfw-leipzig.de/presse

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Die Zukunft der Kurzzeitpflege – Chancen und Grenzen von Kurzzeitpflege und Mobiler Rehabilitation

Die künftige Gestaltung der Kurzzeitpflege sowie Kooperationsmöglichkeiten mit der Mobilen Rehabilitation standen im Mittelpunkt eines Symposiums der Bundesarbeitsgemeinschaft Mobile Rehabilitation (BAG MoRe) in Kooperation mit der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation e. V. (DVfR) und der Diakonie Deutschland. Die Veranstaltung „Mobile Rehabilitation und Kurzzeitpflege – die Brücke nach Hause?!“ fand am 17. Januar 2020 in Berlin mit über 70 ausgewiesenen Expertinnen und Experten statt.

Den empirischen Hintergrund der Tagung bildeten die Studie des Bundesministeriums für Gesundheit („Ermittlung des allgemeinen Rehabilitationsbedarfs und Evaluation Mobiler Geriatrischer Rehabilitation in stationären Pflegeeinrichtungen und der Kurzzeitpflege“, September 2018) und der Bericht des IGES Instituts („Überleitungsmanagement und Behandlungspflege in der Kurzzeitpflege“, Januar 2020).

Die aktuelle Situation ist gekennzeichnet durch einen steigenden Bedarf an Pflegeplätzen sowie Fachkräftemangel. Viele Patientinnen und Patienten werden nach einem Klinikaufenthalt in die Kurzzeitpflege (KZP) aufgenommen, obwohl bei 45 Prozent ein Rehabilitationsbedarf festgestellt wird. Fast die Hälfte kann durch stationäre oder ambulante Rehabilitationsformen versorgt werden. Für die andere Hälfte kommt eine Mobile Rehabilitation (MoRe) gem. § 40 Abs. 1 SGB V in Betracht. Bundesweit kann hier mit derzeit 18 bestehenden Einrichtungen allerdings kein flächendeckendes Angebot vorgehalten werden.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wurden die Chancen und Grenzen von MoRe und Kurzzeitpflege erörtert. Es bestand Konsens darin, dass in der konzeptionellen Neugestaltung der Kurzzeitpflege und in der Verknüpfung von Rehaangeboten Chancen liegen. Grenzen sah man hingegen in der unklaren Rollendefinition der KZP und dem Aufeinandertreffen zweier Versorgungsbereiche nach SGB V (kurativ/rehabilitative Versorgung) und SGB XI (Pflege).

Der Rehabedarf wird meist im Rahmen der Akutbehandlung erhoben. In der KZP werden die weiteren Weichen gestellt. Zentrales Steuerungselement ist eine zügige Bedarfsklärung unter Einbezug der persönlichen Wünsche. Faktoren wie Frühverlegung, unzureichendes Entlassmanagement und die geringe Verfügbarkeit von Mobiler Rehabilitation münden oft in eine Lückenbüßerfunktion der Kurzzeitpflege und vermindern Teilhabechancen. Lösungsansatz wäre ein umfassendes Überleitungs- und Fallmanagement. Voraussetzung für das Gelingen bilden multiprofessionelle Teams mit qualifiziertem Fachpersonal. Hauptziele sind Vermeidung oder Verminderung von Pflegebedürftigkeit, Verhinderung einer dauerhaften Heimeinweisung und die Verbesserung der Teilhabe in der eigenen Häuslichkeit.

Dr. Matthias Schmidt-Ohlemann, Vorsitzender der BAG MoRe und der DVfR erläuterte, dass es für Gesetzesvorhaben noch zu früh sei. Es sollten zunächst prozessorientiert weitere Erfahrungen in Fachkreisen gesammelt und tragbare Modelle entwickelt werden. Oberste Priorität habe die Integration von Teilhabeaspekten im Sinne einer Patientenorientierung.

Als Tagungsergebnis lässt sich festhalten, dass der gesetzliche Rahmen der Kurzzeitpflege unter Einbezug aller Akteure deutlich teilhabefördernder gestaltet werden und dies auch bei der Implementierung von Qualitätsstandards und der Finanzierung berücksichtigt werden muss. Aufgrund der besonderen Bedarfe vieler Pflegebedürftiger ist MoRe eine äußerst wirksame Maßnahme, die bereits in der Kurzzeitpflege erfolgen kann. Idealziele zur Sicherung einer nachhaltigen Teilhabe sind eine geriatrische wohnortnahe Komplexversorgung, eine spezialisierte, solitäre Kurzzeitpflege sowie der flächendeckende Ausbau Mobiler Rehabilitation.

Lesen Sie hier den ausführlichen Veranstaltungsbericht.

Zur Studie des Bundesministeriums für Gesundheit „Ermittlung des allgemeinen Rehabilitationsbedarfs und Evaluation Mobiler Geriatrischer Rehabilitation in stationären Pflegeeinrichtungen und der Kurzzeitpflege“, September 2018

Zum Bericht des IGES Instituts „Überleitungsmanagement und Behandlungspflege in der Kurzzeitpflege“, Januar 2020

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