Mittwoch, Februar 13th, 2019

 

22. Klinikvertreter- und 14. TRT-Treffen der Deutschen Tinnitus-Liga e.V.: „Tinnitus – eine Frage der Wahrnehmung“

Experten aus ganz Deutschland kamen zum 22. Klinikvertreter- und 14. TRT-Treffen der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. nach Kassel. Foto: Sabine Wagner.

Der Qualitätszirkel der Tinnitus-Behandler aus dem stationären und ambulanten Bereich traf sich auf Einladung der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL) am 9. Februar 2019 in der Habichtswald-Klinik in Kassel-Bad Wilhelmshöhe. Zu diesem 22. Klinikvertreter- und 14. TRT-Treffen kamen rund 50 Fachleute aus Tinnitus-Kliniken und ambulanten Tinnitus-Zentren, HNO-Ärzte, Psychotherapeuten und Hörakustiker, um sich über Behandlungsmöglichkeiten bei Ohrgeräuschen auszutauschen.

Volker Albert, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL), begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und wies darauf hin, dass die DTL nun als einzige Selbsthilfeorganisation offizieller Partner der EU-geförderten Forschungsgruppe TIN-ACT (Tinnitus Assessment – Causes – Treatments) ist. Beteiligt sind Forscher aus Groningen, Marseille, Nottingham, Berlin und Erlangen. Prof. Dr. Dr. Gerhard Goebel, stellvertretender DTL-Vorstandsvorsitzender, berichtete über die Entwicklung in der Rehabilitations- und Krankenhausbehandlung sowie in den ambulanten Tinnitus-Retraining-Therapie-Zentren (TRT). So wurden gemäß den Angaben der teilnehmenden Kliniken im Jahr 2018 dort insgesamt 6052 Tinnitus-Patienten behandelt: 4227 Patienten unterzogen sich einer Rehabilitationsbehandlung, 1594 Patienten einer Krankenhausbehandlung und 231 einer stationären Behandlung im Auftrag der Berufsgenossenschaft.

Der Neurowissenschaftler Dr. Lars Haab von der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes sprach über „Hörminderung und Tinnitus aus neuronaler Sicht“. Er zeigte anhand von Forschungsergebnissen auf, dass es bei einem Hörverlust zu einer erhöhten Nervenaktivität kommt. Bei Tinnitus führt diese Übererregung der Nerven dazu, dass die Betroffenen einen Ton wahrnehmen, der gar nicht da ist. Dr. Haab zufolge lasse sich daraus jedoch nicht erklären, warum manche Menschen unter dem Ohrgeräusch leiden und andere nicht. Dies wiederum sei dadurch erklärbar, dass manche Betroffenen dem Tinnitus zu viel Aufmerksamkeit beimessen. Ein negativer Stimulus lenke die Aufmerksamkeit intensiver auf sich als ein neutraler Reiz. Wird der Tinnitus also als negativ eingeordnet, weil beispielsweise Angst damit verbunden ist, wird dem Ohrgeräusch zu viel Aufmerksamkeit gewidmet. Dies ist auch der Grund dafür, dass Menschen mit Depressionen oder Angsterkrankungen häufiger unter dem Tinnitus leiden, während andere der Ton nicht so sehr stört. Bewährte Behandlungen sind die Nutzung von Hörgeräten sowie die Verhaltenstherapie, die die Betroffenen dabei unterstützt, den Fokus der Aufmerksamkeit besser vom Tinnitus weglenken zu können.

Diplom-Ingenieur Carsten Ruhe referierte über „Hörgerechte Barrierefreiheit“ und schilderte, worauf es beim barrierefreien Planen und Bauen ankommt. In einer sehr anschaulichen Gruppenübung machte er deutlich, dass wir alle von irgendeiner Form von Einschränkung betroffen sind, ob es nun eine Hörminderung, eine Laktoseintoleranz oder eine Sehschwäche ist. „Wir sind alle nur darin gleich, dass wir verschieden behindert sind. Also ist barrierefreies Bauen Bauen für alle“, so Ruhe.

In der anschließenden Podiumsdiskussion, die von Prof. Goebel moderiert wurde und an der Dr. Lars Haab, Dr. Uso Walter, Aleksander Winiarski, Dr. Roland Zeh und Carsten Ruhe teilnahmen, ging es um das Thema „Tinnitus-Messen“. Dabei wurde kontrovers diskutiert, ob es sinnvoll sei, die Tinnitus-Frequenz zu bestimmen oder nicht. So führt Dr. Roland Zeh, Chefarzt der Median-Kaiserberg-Klinik Bad Nauheim, keine Tinnitus-Messung durch, weil sie in der Klinik keine Bedeutung habe und eher die Aufmerksamkeitsfokussierung auf den Tinnitus fördere. Andere HNO-Ärzte wiederum waren der Auffassung, die Patienten fühlten sich nicht ernst genommen, wenn keine Tinnitus-Messung durchgeführt werde. Einige nutzen dies auch, um dem Patienten den Zusammenhang zwischen Hörminderung und Tinnitus darzustellen.

Am Nachmittag standen drei verschiedene Workshops auf dem Programm. In Workshop 1 bei Prof. Dr. Dr. Gerhard Goebel stand das Thema „Neue Ansätze in der apparativen Tinnitus-Therapie: Hält das TMNMT (tailor-made notched music training), was es verspricht?“ im Mittelpunkt. Apps zur Tinnitus-Behandlung sind derzeit sehr verbreitet, für ihre Wirksamkeit liegt jedoch keine Evidenz vor. Dr. Helmut Schaaf vom Ohr- und Hörinstitut Bad Arolsen gab in Workshop 2 eine „Kleine Einführung in die Tinnitus-Wahrnehmung“. Vor dem Hintergrund seiner 25-jährigen Erfahrung in der Therapie von Tinnitus-Betroffenen schildert er Tinnitus als ein Symptom der Hörwahrnehmung. In Workshop 3 stellte Diplom-Pädagogin Christine Staemmler, Dresdner Zentrum für Tinnitus-Retraining-Therapie, die Grundzüge der Tinnitus-Retraining-Therapie vor, die eine Veränderung der Hörwahrnehmung und Verbesserung der Hörfähigkeit, Entspannungsfähigkeit und Stressverarbeitung zum Ziel hat. Dr. Matthias Staemmler schilderte die HNO-ärztliche Untersuchung und Behandlung von Ohrgeräuschen anhand von Fallbeispielen. Der Tinnitus ist nur zehn bis 15 Dezibel laut, wird aber oft viel lauter empfunden. „Dass der Tinnitus so laut gehört wird, ist eine Frage der Wahrnehmung“, so Dr. Staemmler. 

Über die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL)
Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL) vertritt als gemeinnützige Selbsthilfeorganisation die Interessen der Patienten mit Tinnitus, Hörsturz, Hyperakusis und Morbus Menière sowie ihrer Angehörigen. Rund 12.000 Mitglieder machen die DTL zum größten Tinnitus-Zusammenschluss in Europa und zum anerkannten Partner des Gesundheitswesens in Deutschland. Über 800 Fachleute gehören der DTL als Partner und fördernde Mitglieder an, darunter renommierte Wissenschaftler, HNO-Ärzte, Ärzte weiterer Disziplinen, Hörakustiker, Psychologen und Therapeuten. Außerdem werden rund 80 Selbsthilfegruppen in Deutschland durch die DTL betreut. Gegründet wurde die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. 1986 in Wuppertal. Weitere Infos: www.tinnitus-liga.de

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DEGEMED eröffnet „therapie Leipzig“ mit politischem Dialog

Am 7. März startet die „therapie Leipzig“ als größte deutsche Fachmesse für Therapie, medizinische Rehabilitation und Prävention. Für das Eröffnungs-symposium hat die DEGEMED Sabine Dittmar MdB (SPD) und Alexander Krauß MdB (CDU/CSU) eingeladen, um mit ihnen über aktuelle gesundheitspolitische Pläne der Bundesregierung zu sprechen.

Was sind die gesundheitspolitischen Pläne von CDU/CSU und SPD für die letzten zwei Jahre bis zur Bundestagswahl?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat in seiner bisherigen Amtszeit zahlreiche Gesetze auf den Weg gebracht, die das Gesundheitssystem verändern werden. Aktuell sind unter anderem das Terminservice und Versorgungsgesetz, das Gesetz zur Änderung des Transplantationsgesetzes, das Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz, das Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung und das Gesetz zur Errichtung eines Implantationsregisters in der Beratung.

Die Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD haben das hohe Tempo der  Gesetzentwürfe des Ministers mitgetragen. So konnten bereits in den ersten zwei Jahren der großen Koalition viele neue Weichen in der Gesundheitspolitik gestellt werden. Aber noch sind nicht alle Vorhaben abgeschlossen und noch hat der Minister zwei Jahre Amtszeit, in der er weiter gestalten kann.

Was also steht noch auf der Agenda an neuen Gesetzen in der Gesundheitspolitik der großen Koalition? Welche Themen erhofft sich die Gesundheitswirtschaft insgesamt und welche Themen erwarten insbesondere die Reha-Leistungserbringer für die nächsten zwei Jahre? Der Marktzugang für neue Leistungsanbieter, transparente Preisbildung und angemessene Vergütung für Leistungserbringer von medizinischer Rehabilitation stehen zur Gestaltung an.

Zu all diesen Fragen werden die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Sabine Dittmar, MdB und der Gesundheitsexperte der CDU/CSU Alexander Krauß, MdB auf dem Podium sprechen. Aus den gesundheitspolitischen Fachverbänden diskutieren Dr. Constanze Schaal (DEGEMED), Joscha Brunßen (BamR), Dirk van den Heuvel (BV Geriatrie) und Ute Repschläger (SHV).

Die Pressemeldung als PDF

Die DEGEMED ist ein Spitzenverband der medizinischen Rehabilitation. Sie setzt sich für die Interessen der stationären und ambulanten Rehabilitationseinrichtungen ein und ist offen für alle Betreibermodelle und Rechtsformen. Ihre Anliegen und Themen vertritt die DEGEMED gegenüber Politik, Leistungsträgern und Öffentlichkeit.

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Wie Pflege und Reha sich digitalisieren

Digitale Plattformen

Pflegeeinrichtungen nutzen heutzutage moderne Service & Management-Plattformen. Sie vernetzen, in ihrer Einrichtung oder der ganzen Unternehmensgruppe, in einer intelligenten Struktur ihre Mitarbeiter, Partner wie Arztpraxen und Krankenhäuser, Bewohner und deren Angehörige.

Diese digitalen Plattformen werden zum zentralen Arbeitsmittel der Einrichtungs- und Pflegedienstleitung, das Pflegemanagement wird bis hin zur Dokumentation digital und der Zugriff auf die Bewohner- und Patientenakte kann vernetzt erfolgen, auf allen Endgeräten – sogar vom Smartphone. Das erleichtert eine mühelose Zusammenarbeit und ermöglicht einen effizienten, sicheren und datenschutzkonformen digitalen Austausch von Informationen.

Alle Beteiligten können direkt und geschützt miteinander kommunizieren, die Dokumentation auf Papierbögen entfällt, das Entziffern unleserlicher Eintragungen ebenfalls. Bestehende Systeme, z.B. für die Dienstplanung oder Abrechnung, können direkt angebunden werden.

Die Plattformen werden lokal in den Reha- und Pflegeeinrichtungen installiert, für eine Gruppe zentral in ihrem Rechenzentrum. Autorisierte Endgeräte können dann ohne zusätzliche Installation von überall eine gesicherte Verbindung herstellen. Die Regeln dafür und die Rollen und verfügbaren Funktionsmodule für die Mitarbeiter und Partner können individuell festgelegt werden.

Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung

Reha- und Pflegeeinrichtungen richten dadurch die Abläufe am Bewohner und Patienten aus und schaffen für die Mitarbeiter effiziente Übergänge an den Nahtstellen: bei der Schichtübergabe, der Bereitstellung der Medikation oder der ärztlichen Kommunikation. Aber auch bei der Aufnahme und der Überweisung ins Krankenhaus oder bei der internen Abstimmung mit der Verwaltung zur Abrechnung von Leistungen.

Die Buchung von Zusatzleistungen oder Service-Angeboten in den Einrichtungen und bei Kooperationspartnern erfolgt digital und ist auch mobil vom Smartphone der Angehörigen möglich. Der Einsatz von digitalen Plattformen verschlankt und beschleunigt die pflegerischen Kernprozesse, vereinfacht und standardisiert die Verwaltungsabläufe und macht Service-Leistungen rentabel.

Digitale Dokumentation und Bewohnerakte

Die zentrale, eindeutige und papierlose Datenhaltung in einer digitalen Akte schafft Zeit für soziale Nähe und Zuwendung.

Pflegekräfte nutzen eine vereinfachte und automatisierte Datenerfassung, mit der die Dokumentation direkt in der elektronischen Akte abgelegt wird, sei es für Vitaldaten, SIS oder die Pflegeaufträge. Auch Papierunterlagen können jederzeit über einfache Verfahren digital abgelegt und zugeordnet werden. Durch intelligente Assistenten und ereignisbasierte Workflows werden die Anforderungen von Qualitätsmanagement, Mitarbeitern und MDK beachtet.

Vernetzung

Die gemeinsame Zusammenarbeit in einem digitalen Ökosystem ermöglicht eine synchrone Sicht auf die Gesundheitsdaten. Reha- und Pflegeeinrichtungen haben die Informationen ihrer Patienten und Bewohner jederzeit im Blick, sei es im Haus, als Patient bei einem Krankenhausaufenthalt oder als Angehöriger, der nicht oft zu Besuch kommen kann.

Über den mobilen Zugang können Reha- und Pflegeeinrichtungen ihre Partner berechtigen, Anfragen nach freien Plätzen elektronisch zu stellen und Patientendaten direkt in die digitale Akte zu übermitteln. Das spart Zeit bei der Aufnahme und schafft eine immense Arbeitserleichterung. Die intersektorale Vernetzung ist die Basis für ein übergreifendes, ggf. spezialisiertes Belegungsmanagement bis hin zum Management der integrierten Versorgung in den Regionen.

Wie digitale Technologien Reha und Pflege positiv verändern können

Vorteile für die Einrichtungsleitung:

  • Effizienzsteigerung der Kernprozesse
  • Verschlankung von Administration und Verwaltung
  • Steigerung der Attraktivität der Einrichtung durch innovatives Zusatzangebot
  • Reduzierter Aufwand zur Buchung und Abwicklung von Zusatzservices

Vorteile für den Pflegedienst:

  • Beschleunigung der Dokumentation
  • Vermeidung von Fehlern in der Übergabe und Anweisung
  • Vermeidung von Fehlmedikationen durch transparentere Verfolgung / Medikationsplan
  • Erleichterte Erstellung von Überleitungsbögen
  • Vermeidung von Krankenhausaufenthalten durch bessere ärztliche Betreuung
  • Weniger Rückfragen von Angehörigen aufgrund von Einblick in die digitale Akte

Vorteile für Qualitätsmanagement und IT:

  • Verbesserung der Dokumentationsqualität
  • Entfall Erwerb Dokumentationsbögen
  • Senkung der IT-Kosten durch zentrale Systembereitstellung ohne Installation auf Endgeräten
  • Erleichterung des Berichtswesens gegenüber Geschäftsführung und MDK
  • Erhöhung der Standardisierung
  • Fehlerkultur: bessere Möglichkeiten zur Systematisierung und Handlungsableitung

Vorteile für Partner von Reha- und Pflegeeinrichtungen:

  • Vorausschauende Besuchsplanung für betreuende Ärzte
  • Elektronische Anfrage nach freien Plätzen
  • Übermittlung von Bewohnerakte und Patientendaten
  • Vorbereitung / Kontrolle von Medikamentenbereitstellung und Medikationsplan

Service & Management Plattform für Reha- und Pflegeeinrichtungen: POLAVIS CARE

POLAVIS unterstützt die Akteure im Gesundheitswesen beim Aufbau gesunder Verbindungen. Gemeinsam schaffen sie eine dauerhafte und aktive Verbindung zwischen allen beteiligten Partnern – Krankenhäuser, Ärzte, Reha- und Pflegeeinrichtungen und Patienten. Die POLAVIS-Plattform und ihre innovative Produktfamilie bilden die Grundlage für regionale Kommunikationswege. POLAVIS sorgt für digitale Interaktion über Branchengrenzen hinweg und ermöglicht eine effiziente Unterstützung in der telemedizinischen Versorgung und einen datenschutzkonformen digitalen Austausch von Gesundheitsdaten.

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