Dienstag, März 18th, 2014

 

VERAH® ist dann mal weg !

In der letzten Woche haben sich die Mitgliedsverbände der Fachberufekonferenz der Bundesärztekammer für eine noch engere Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe und eine optimierte Koordination von Behandlungsprozessen ausgesprochen. Erst im Januar einigten sich die Bundesärztekammer und der Hausärzteverband bisher unterschiedliche Qualifikationen wechselseitig anzuerkennen, um die Einheitlichkeit und die Flexibilität in der Versorgung zu fördern.

Die Qualifizierungsoffensive für die in der Hausarztpraxis angestellte Medizinische Fachangestellte (MFA) in Form der Versorgungsassistentin der Hausarztpraxis (VERAH®) bildet dafür die Grundlage. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Hausarztpraxis als zentralen Ort der Versorgung zu stärken und Hausärzte durch hochqualifizierte Unterstützungsleistungen zu entlasten.

Die Bundesärztekammer ist bereit Kompetenzbescheinigungen im VERAH® Konzept anzuerkennen und es erfolgt die Anerkennung der Qualifikationen einer nichtärztlichen Praxisassistentin auf die VERAH® Qualifikation. Dadurch leistet die Bundesärztekammer einen wichtigen Beitrag zur Vergütung von Kooperationsleistungen. Sie fordert seit Jahren, dass interprofessionelle Kontakte (Befundübermittlungen, Therapieberichte, Fallbesprechungen, interdisziplinäre Konferenzen, Antrags- und Verordnungsmanagement ) abrechenbar sein.

Dies sind wichtige Weichenstellungen vor allem für die ambulante Pflege, Sanitätshäuser und HomeCare Unternehmen, denn der Einsatz einer Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis als VERAH® ist der Weg der Zukunft.

Die Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis setzt vor allem auf Hausbesuche und Fallmanagement, zusätzlich müssen praktische Tätigkeiten unter Einbeziehung von Netzwerkpartnern dokumentiert werden. Dieses optimierte Schnittstellenmanagement hat die AOK Baden-Württemberg als erste erkannt und vergütet seit 2011 eine VERAH® in der Arztpraxis mit bis zu 1.000 EURO pro Quartal. Andere Krankenkassen folgten der AOK und nehmen zum Teil richtig Geld in die Hand. Mittlerweile sind bundesweit fast 4.500 VERAHs im Einsatz. Auch im Kollektivvertragssystem ist die VERAH® fest etabliert. Zahlreiche Vereinbarungen in Hausarztverträgen beinhalten jährliche Förderungen oder Zuschläge, wenn in der Praxis eine VERAH® angestellt ist.

EBM-Nummern garantieren in Regionen, in denen Unterversorgung, drohende Unterversorgung oder lokaler Versorgungsbedarf im hausärztlichen Bereich bestehen, zusätzlich außerbudgetäre Einnahmen.

Eine Steilvorlage für andere Gesundheitsfachberufe, denn VERAHs sollen auch durch Hospitation u.a. in Pflegeheimen, bei ambulanten Pflegediensten, Krankenhäusern oder Sanitätshäusern Arbeitsabläufe, Techniken und Personen kennen lernen. Die Bundesärztekammer gibt den Handlungsleitfaden gleich vor, damit die zwischen allen Beteiligten abgestimmte Betreuung gelingt.

Es komme sowohl auf klar geregelte Zuständigkeiten der einzelnen Berufe, arbeitsteilige Prozessorganisationen als auch auf ein kooperierendes Miteinander an. Schließlich tragen die anderen Gesundheitsberufe in Netzwerken die Durchführungsverantwortung für ihre Tätigkeiten am Patienten, für die sie ausgebildet und gesetzlich zuständig sind. Da der Arzt nach der Gesetzeslage unstreitig die medizinische und haftungsrechtliche Verantwortung für den diagnostischtherapeutischen Pfad dieses Versorgungsmanagements hat, müssen die anderen Gesundheitsberufe im offenen Dialog auf die Ärzteschaft zugehen. Denn die ärztliche Verordnung bildet für die meisten Leistungserbringer nach wie vor die wirtschaftliche Grundlage für ihre Unternehmen.

Jetzt sind Unternehmen der Sanitätshaus-, HomeCare und Pflege-Branche gefordert entsprechend fachkundige, qualifizierte und tragfähige Konzepte auszuarbeiten und vorzulegen, damit Initiativen der Ärzteschaft nicht im ärztlichen Sektor stecken bleiben und Wege der Zukunft mal wieder ins Leere laufen.

Weiterführende Informationen.

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Gut gerüstet für Zwischenfälle: Waldburg-Zeil Experten zeigen Erzieherinnen, mit allergischen Reaktionen und dem Adrenalin-Pen sicher umzugehen

Wangen – Immer mehr Menschen reagieren allergisch auf Insekten, Nahrungsmittel oder Medikamente. Vor allem Jüngere laufen Gefahr, einen  so genannten anaphylaktischen Schock, d.h. eine schwere allergische Reaktion, zu erleiden. Seit 2006 waren dies in Deutschland und Österreich etwa 5000 Personen, ein Fünftel davon Kinder.

20 Erzieherinnen aus 14 Wangener Kindergärten wollten daher wissen: Wie kann ich mich auf immer mehr Kinder mit Allergien einstellen? Kann ich mich auf eine allergische Schockreaktion vorbereiten? Darf ich in so einem Fall ein Medikament geben – oder muss ich das sogar? Die Stadt Wangen hatte Dr. Wolfgang Franck und Dr. Robert Jaeschke von den Fachkliniken Wangen für diese besondere Fortbildung gewinnen können. Das Team aus erfahrenem Kinderallergologen und Schulungspädagogen erläuterte zunächst, wie sich allergische Reaktionen an den Atemwegen, auf der Haut, im Magen-Darm-Bereich (z.B. mit Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall) oder mit  Kreislaufproblemen bis zur Bewusstseinstrübung zeigen können. Den Erzieherinnen war besonders wichtig zu erfahren, welche Möglichkeiten sie besitzen, allergische Reaktionen bei Kindern zu vermeiden.

Allergien auf Nahrungsmittel, insbesondere Erdnüsse, Baumnüsse, Fisch, Kuhmilch und Hühnerei, gehören zu den häufigsten Auslösern eines anaphylaktischen Schocks im Kindesalter. Deshalb empfahlen Dr. Robert Jaeschke und Dr. Wolfgang Franck ihren Zuhörerinnen, gerade bei der Deklaration von Lebensmitteln genau hinzuschauen. „Das Kleingedruckte ist sehr wichtig, um Lebensmittel nach drei Kategorien wie `unproblematisch´, `eventuell sicher` und `bestimmt gefährlich` einzuteilen. Dieses Ampelsystem hat sich im Alltag von Allergikern bewährt“, weiß Dr. Wolfgang Franck, der seit vielen Jahren Kinder mit Allergien und Neurodermitis an den Fachkliniken Wangen behandelt. „Je genauer etwas deklariert ist, umso besser kann man das Lebensmittel einschätzen. Lose Ware ohne Kennzeichnung ist hier unsicher und somit  nicht zu empfehlen.“

Anschließend setzten sich die Wangener Erzieherinnen mit einer Notfallsituation auseinander. Wie sieht ein Notfallplan aus? Warum sollte man den schon einmal im Kopf durchgespielt haben? Wie setzt man einen Notruf richtig ab und wann? Auch hier vereinfacht ein Ampelsystem das Handeln in Stresssituationen, empfahl Dr. Franck:  „Kinder mit einem bekannten allergischen Potential haben in der Regel ein gut beschriftetes Notfallset dabei. Jeder sollte wissen, wo es liegt!“ Lebhaft wurden rechtliche Fragen und Erfahrungen diskutiert. Dr. Jaeschke riet zu einer ausdrücklichen schriftlichen Erlaubnis und Handlungsanweisung von Eltern, dass Erzieher das Notfallset mit verschiedenen Medikamenten wie Antihistaminika, Corticoiden sowie den Adrenalin-Autoinjektor (kurz: Adrenalin-Pen) anwenden dürfen.

Nun galt es, den Respekt vor dem Adrenalin-Pen, einer Art Einmalspritze, abzubauen. Die Referenten übten mit ihren Zuhörerinnen, den lebensrettenden (Demo-)Pen kräftig in den Oberschenkel zu drücken. Adrenalin wirkt in weniger als fünf Minuten und ist damit in der Lage, die Kaskade einer allergischen Schockreaktion rechtzeitig zu unterbrechen. „Uns ist es sehr wichtig, Bezugspersonen der Kinder über die richtige Handlungsweise bei allergischen Schocks aufzuklären. Natürlich muss ein Allergiker vor allem selbst den Gebrauch des Notfallsets beherrschen und selbst die Vermeidung der Allergene im Blick haben. Wenn seine Bezugspersonen darüber hinaus mit dem Gefährdungspotential umgehen können, ist die Gefahr eines tödlichen anaphylaktischen Schocks wieder ein bisschen kleiner geworden, “ so Dr. Jaeschke über das Ziel der Schulung.

Die Aufklärung in Schulen und Kindergärten ergänzt die Arbeit der Ärzte und Therapeuten an den Fachkliniken Wangen. Denn gut ausgebildete Erzieher fühlen sich sicher genug, Kinder mit hohem Allergiepotential gemeinsam mit Altersgenossen zu betreuen und ihnen damit ein normales Heranwachsen zu ermöglichen.  Deshalb schulen Jaeschke und Franck gerne auch die Pädagogen anderer Kindereinrichtungen.

Info

Eine Anaphylaxie, also eine sofortige, allergische Reaktion verschiedener Organsysteme,  kann  Menschen in der Regel unvorbereitet zu Hause, aber auch in der Schule, auf der Straße oder eben im Kindergarten treffen. Ärztliche Hilfe ist dann nicht immer gleich zur Stelle. Deshalb ist es lebensrettend, Notfallmaßnahmen sicher anwenden zu können. Eine wirkliche allergische Reaktion tritt nicht immer direkt am Ort des Allergiekontaktes auf, das heißt zum Beispiel bei einem Insektenstich in den Arm können der Kreislauf oder die Atemwege reagieren. Man unterscheidet verschiedene Schweregrade. Nur bei leichten Reaktionen kann man auf die Gabe des Adrenalins verzichten. Trotzdem sollte immer ein Arzt kontaktiert werden.

An den Fachkliniken Wangen werden mögliche Allergien von Kindern und Erwachsenen genauestens abgeklärt Patienten werden in der Vermeidung von Allergenen und in der Anwendung ihrer Notfallsets geschult. Weitere Informationen erhalten Interessierte hier: http://v2.kinderklinik-wangen.de/317.html.

Bei Problemen mit Allergien im Kindesalter können sich Interessierte und Betroffene auch telefonisch an die Ambulanz wenden, Telefon 07522/797 – 1171).

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