Zahlen psychisch Kranke den Preis für schwarz-rote Koalitions-Kompromisse?

Veröffentlicht am 21.11.2013 13:37 von Redaktion RehaNews24

Presseinformation Nr. 17 | 21.11.2013

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)

Die aktuellen Pläne der Koalitionspartner setzen das Gesundheitssystem in Deutschland weiter unter Druck. Insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheit ist mit einer weiteren Verschärfung der heute schon angespannten Situation zu rechnen. Leidtragende sind die Patienten, ihnen droht eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung.

Die Koalitionspartner halten an den Plänen fest, für die Kliniken der Psychiatrie und Psychosomatik ein neues Vergütungssystem durchzusetzen. Dass dabei die Schwerstkranken nicht benachteiligt werden sollen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Sinnvoll ist es auch, die Versorgung sektorübergreifend zu gestalten, d.h. die ambulante und stationäre Versorgung besser zu verzahnen, verstärkt neue Möglichkeiten in der ambulanten Versorgung zu schaffen und für mehr Transparenz zu sorgen.

„Alarmierend ist jedoch, dass die Koalitionspartner eine Verweildauerreduktion an den Kliniken fordern, ohne dass vorher entsprechende qualifizierte ambulante Versorgungsangebote aufgebaut wurden“, warnt DGPPN-Präsident Wolfgang Maier. „In den letzten 20 Jahren sind die Klinikaufnahmen drastisch gestiegen. Die Verweildauer der Patienten ist hingegen so stark gesunken, dass jede weitere Verringerung die Qualität der Versorgung in Mitleidenschaft ziehen wird. Drehtüreffekte sind mit dem aktuell eingeführten pauschalierenden Entgeltsystem für Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP) heute schon vorprogrammiert.“

Verweildauerverkürzungen können für die Patienten nur dann sinnvoll sein, wenn für sie ein leistungsfähiges ambulantes psychiatrisches System mit ausreichenden Therapieangeboten bereit steht. Doch das Gegenteil ist der Fall: Mit Quartalspauschalen von 50 Euro haben die behandelnden Ärzte nicht die notwendigen Finanzmittel zur Verfügung, um Menschen mit psychischen Erkrankungen ihrer individuellen Bedarfslage entsprechend zu behandeln.

„Besorgniserregend ist auch, dass der vermehrte Bedarf an Krankenhausbehandlungen nach den Plänen der Koalitionspartner nicht finanziert werden soll“, stellt Professor Maier fest. „Stattdessen ist damit zu rechnen, dass der Mehrbedarf auch in der Psychiatrie und Psychosomatik im weiterhin ‚gedeckelten Finanzierungssystem‘ über die Reduktion der Behandlungszeiten im Krankenhaus kompensiert werden wird.“ Die DGPPN weist darauf hin, dass die Pläne der Koalitionspartner damit den sorgfältig geplanten Entwicklungen in den Ländern widersprechen: So hat das größte Bundesland NRW in seinem 2013 beschlossenen Landesbettenplan einen Mehrbedarf von mehr als 10 Prozent für die Fächer Psychiatrie und Psychosomatik festgestellt und angepasst.

Durch die Pläne der Koalitionspartner droht Menschen mit psychischen Erkrankungen in Deutschland eine Verschlechterung ihrer medizinischen Versorgung. Gerade Schwerstkranke haben das Nachsehen – die erklärte Absicht der Koalitionäre, diese nicht zu benachteiligen, verkommt zu einer Farce. Die DGPPN fordert die Koalitionspartner deshalb dringend auf, bei den „systematischen Veränderungen des Vergütungssystems in Psychiatrie und Psychosomatik“ dem Mehrbedarf an Krankenhausbehandlungen gerecht zu werden, wirtschaftliche Fehlanreize auszuschließen und vorzeitige, ökonomisch motivierte Entlassungen von Patienten zu vermeiden. Gleichzeitig muss die ambulante Versorgung gestärkt werden – patientenorientiert, integriert, sektorübergreifend und flächendeckend.

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Kontakt
Prof. Dr. med. Wolfgang Maier
Präsident DGPPN
Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

DGPPN-Geschäftsstelle
Reinhardtstraße 27 B
10117 Berlin
Tel.: 030.2404 772-11
Fax.: 030.2404 772-29
E-Mail: pressestelle[at]dgppn.de

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