Wenn der Betrieb zur Reha einlädt

Veröffentlicht am 01.04.2014 10:00 von Susanne Werner

Das Betriebliche Eingliederungsmanagement hilft weiter, wenn Beschäftigte länger krank sind und sich von einer gesundheitlichen Krise nicht dauerhaft erholen.

Wie zum Beispiel Günter Kunst (Name geändert). Der Mittfünfziger arbeitet seit 28 Jahren in der Produktion der Freudenberg Vliesstoffe SE & Co.KG in Kaiserslautern. Er steuert dort riesige Maschinen, mit denen Vliesstoffe produziert werden. 2013 aber war für ihn ein besonderes Jahr. Eine schwere gesundheitliche Krise liegt hinter ihm – und die Firma hat ihn dabei unterstützt, diese zu meistern. „Das BEM war meine Chance, ich bin unendlich froh darüber“, sagt er.

BEM heißt ausformuliert „Betriebliches Eingliederungsmanagement“. Das mag sperrig klingen, aber das damit verbundene Angebot überzeugte nicht nur Günter Kunst, sondern auch Bernhard Biehler, Personalleiter des Industriebetriebes. Er nutzt das Programm der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz inzwischen, um – wie er sagt – „die Leistungsfähigkeit der Belegschaft für die Zukunft zu sichern.“ Schließlich erhalten Beschäftigte, die innerhalb eines Jahres mehr als sechs Wochen krank sind, bei Bedarf einen mehrwöchigen Aufenthalt in einer Reha-Klinik, um gesundheitlich wieder aufzutanken. Sie lernen dort, ihre Lebensweise zu hinterfragen und erhalten Impulse, wie sie ihr Verhalten ändern und ihre Gesundheit fördern können.

Seit 2008 baut die Deutsche Rentenversicherung Rheinland-Pfalz das Betriebliche Eingliederungsmanagement unter dem Titel „BEM für Klein- und Mittelbetriebe“ als Praxismodell aus. Mit dem Angebot sollen speziell kleinere und mittlere Unternehmen unterstützt werden, gesundheitliche Gefährdungen der Arbeitnehmer frühzeitig zu entdecken. Zentrale Anlaufstelle beim Betrieblichen Eingliederungsmanagement sind die Mitarbeiter der Servicestelle des Rentenversicherungsträgers. Sie stehen als persönliche Ansprechpartner sowohl dem Betrieb wie auch dem Versicherten zur Seite, organisieren die Untersuchung in der ärztlichen Gutachterstelle vor Ort oder in einer Reha-Klinik und unterstützen auch bei der Klinikauswahl, falls der Beschäftigte eine stationäre Rehabilitation benötigt. „Ziel ist es, rechtzeitig gegenzusteuern, damit der Arbeitsplatz erhalten bleibt“, sagt Jürgen Neubauer, Ansprechpartner für Arbeitgeberangebote der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz. Mit 16 Behörden oder Unternehmen arbeitet die Deutsche Rentenversicherung Rheinland-Pfalz mittlerweile zusammen – vom Kleinstunternehmer und bis hin zu mittelständischen Betrieben.

Auch Günter Kunst ließ sich in der Servicestelle beraten und in einer Reha-Klinik untersuchen. Die Gespräche überzeugten ihn schließlich, seinen Lebensstil grundlegend zu ändern und dafür zum Einstieg eine stationäre Rehabilitation zu machen. Heute sorgt Günter Kunst mit Nord-Walking für den Ausgleich und achtet auf seine Ernährung.  „In der Reha habe ich gelernt, wie ich für mich sorgen kann, und was mir gut tut, wenn ich angespannt bin“, sagt er.

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