Vernetzte Versorgung:Rehaforscher begleiten in die „Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation“

Veröffentlicht am 11.03.2011 16:41 von redaktion

11.03.2011 15:38

Die medizinische Rehabilitation soll durchgängig einen stärkeren Arbeitsbezug erhalten. Zu dieser zentralen Botschaft auf dem Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium (vom 14. bis 16. März in Bochum) hat die Deutsche Rentenversicherung ein flächendeckendes Stufenmodell vorgelegt. Wie sich die „Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation“ (MBOR) in der Versorgungspraxis umsetzen lässt, wird derzeit in einem Modellprojekt in sieben Rehazentren erprobt. Die wissenschaftliche Begleitung wurde der Medizinischen Hochschule Hannover in Kooperation mit der Universität Würzburg übertragen.

„Das Modellprojekt soll das Stufenkonzept in der Praxis testen und zugleich Empfehlungen für ein flächendeckendes Angebot von MBOR-Konzepten liefern“, beschreibt die DRV Bund das Ziel. Die Psychologin Dr. Monika Schwarze von der Koordinierungsstelle Angewandte Rehabilitationsforschung an der Klinik für Rehabilitationsmedizin hat mit dem Projektteam dazu ein umfangreiches Methodendesign entworfen. Neben Erhebungen zur Strukturqualität der Kliniken wollen die Rehaforscher in Interviews mit Mitarbeitern, wiederholten Rehabilitandenbefragungen und einer detaillierten Auswertung ärztlicher Entlassberichte u.a. prüfen:

  • Wie zielgenau werden Patienten mit besonderen beruflichen Problemen identifiziert (Qualität der Zuweisung) ?
  • Wie ist die Qualität der Maßnahmen in den Rehakliniken einzustufen (Qualität der Durchführung) ?
  • Wie beurteilen die Patienten die MBOR-Angebote und ihre Effekte (Akzeptanz, Ergebnisqualität)?

Stufenkonzept für berufliche Problemlagen

„Der zusätzliche Nutzen medizinisch-beruflich orientierter Maßnahmen für Patienten mit besonderen beruflichen Problemlagen ist indikationsübergreifend belegt“, betont Dr. Rolf Buschmann-Steinhage, Leiter des Bereichs Reha-Wissenschaften bei der Deutschen Rentenversicherung Bund, die das Projekt fördert. Frühere bundesweite Forschungsprojekte machten zudem deutlich, dass durchschnittlich ein Drittel der erwerbsfähigen Rehabilitanden in ihrer – sozialgesetzlich verankerten – beruflichen Teilhabe so stark beeinträchtigt sind, dass herkömmliche Rehabilitationsangebote nicht ausreichen. Bei langer Arbeitsunfähigkeit, beinträchtiger Leistungsfähigkeit, chronischer Überlastung, Stress durch Konflikte im Berufsleben, Burnout-Risiken oder Arbeitslosigkeit sollen daher evaluierte, möglichst mulitmodale Therapien und Trainings die Patienten befähigen, ihre berufliche Problematik zu bewältigen.

Ein Basisangebot (Stufe A) besteht dabei in berufsbezogenen Assessments (von kurzen Screenings bis zu weiterführender arbeitsbezogener Diagnostik), Motivierung, Sozialberatung und niederschwelligen Gruppenangeboten etwa zur Stressbewältigung. In ausgewählten Rehakliniken erweitert sich das Angebot um berufsbezogene psychoedukative Gruppen, Arbeitsplatztrainings und Belastungserprobungen (Stufe B) bis hinzu spezifischen Maßnahmen in Schwerpunktkliniken (Stufe C) für Patienten mit besonders hohem Bedarf an berufsbezogener Unterstützung. Spätestens hier wird die durchgängig angestrebte Vernetzung mit Betriebsärzten und Berufsförderungswerken unabdingbar.

Wichtiger Schritt zu bedarfsgerechter Rehabilitation

Bereits seit zwei Jahrzehnten wächst die Zahl berufsbezogener Angebote in den Kliniken. „Die Versorgungspraxis folgt dabei allerdings selten einer systematischen Strategie“, weiß Dr. Schwarze. So zeigte eine bundesweite Versorgungsanalyse aus dem Jahr 2003, „dass orthopädische Rehabilitanden mit ausgeprägter Berufsproblematik nur in etwa zehn bis 15 Prozent der damals befragten Kliniken eine bedarfsgerechte Versorgung mit berufsbezogenen Leistungen erhielten“. Das Forschungsprojekt zum MBOR-Management gilt daher als wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer evidenzbasierten, bedarfsadäquaten Rehabilitation.

„MBOR-Management“

Projekt zur formativen Evaluation der Medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR), Kooperationsprojekt der Universität Würzburg und Medizinischen Hochschule Hannover

MH Hannover

Klinik für Rehabilitationsmedizin
(Direktor Prof. Dr. med. Christoph Gutenbrunner)
Koordinierungsstelle Angewandte Rehablitationsforschung
Dr. Monika Schwarze
Dr. Matthias Bethge

Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung
Forschungsbereich Integrative Rehabilitationsforschung
(Leiter Prof. Dr. Thorsten Meyer)
Dr. Iris Brandes (gesundheitsökonomische Begleitung)

Universität Würzburg

Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie
(Direktor Prof. Dr. med. Dr. phil. Hermann Faller)
Dr. Silke Neuderth
Dr. Heiner Vogel

Projektdauer: 01.10.2010 bis 31.03.2012;
im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung Bund

Kontakt zur Projektleitung:

Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Rehabilitationsmedizin
Koordinierungsstelle Angewandte Rehabilitationsforschung
‚Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover
Schwarze.Monika@MH-Hannover.de

Weitere Informationen:
http://www.forschung.deutsche-rentenversicherung.de – Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium

Pressekontakt:

Medizinische Hochschule Hannover
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Postfach Hannover
30623 Hannover
Deutschland, Niedersachsen
E-Mail-Adresse: pressestelle@mh-hannover.de

Stefan Zorn
Telefon: 0511 / 532-6773
Fax: 0511 / 532-3852
E-Mail-Adresse: zorn.stefan@mh-hannover.de

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