Tagungsrückblick: Demenz Forum Berlin 2015 unterstützt Netzwerkarbeit vor Ort

Veröffentlicht am 16.03.2015 17:38 von MSEIGEL

Das Demenz Forum Berlin 2015 thematisierte die Rehabilitation und Entlastung der Angehörigen von Menschen mit Demenz. Darüber informierten sich in der Landesvertretung von Schleswig-Holstein 70 Akteure aus Pflege, Medizin, Beratung und Politik. Als Pionier der psychosomatischen Rehabilitation für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz fördert Veranstalter Alzheimer Therapiezentrum Ratzeburg die interdisziplinäre Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch der unterschiedlichen Akteure und Mittler im Umfeld von Demenzbetroffenen. 

Das Alzheimer Therapiezentrum Ratzeburg hat in Berlin Mitarbeiter von Pflegestützpunkten, Behörden, Pflegeanbietern und Vertreter von Krankenkassen sowie niedergelassene Mediziner und ehrenamtliche Helfer zum Demenz Forum Berlin eingeladen. In die schleswig-holsteinische Landesvertretung waren rund 70 hochmotivierte Teilnehmer gekommen, darunter Regina Kraushaar vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke. Sie alle wurden begrüßt von Michael Stark, dem Geschäftsführer der Röpersberg-Gruppe Ratzeburg, der das Alzheimer Therapiezentrum als Fachabteilung der Röpersbergklinik angehört.

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Regina Kraushaar, Bundesministerium für Gesundheit

Regina Kraushaar, im BMG zuständig für Pflegesicherung und Prävention, lobte in ihrem Grußwort die Innovationsfreude der Gastgeber aus dem nur 240 Kilometer entfernten Ratzeburg und betonte die Bedeutung von richtungsweisenden Rehabilitationsangeboten wie im Alzheimer Therapiezentrum Ratzeburg  für die Entwicklung bundesweiter gesundheitspolitischer Vorhaben. Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke freute sich über die große Zahl engagierter Akteure vor Ort, die dieses Angebot zu Austausch von Praxiswissen und Netzwerkarbeit wahrgenommen hatten.

Die Sinne schärfen, um pflegende Angehörige zu identifizieren

Die Referentenrunde eröffnete die Hamburger Soziologin Dr. Hanneli Döhner mit einer Präsentation von Studien der vergangenen Jahre zu pflegenden Angehörigen. Die anschließende Diskussion ergab folgendes Bild: Verwandte oder Partner, die sich tagtäglich um ein Familienmitglied mit Demenz kümmern, sehen sich erfahrungsgemäß selbst kaum als pflegende Angehörige. Bis zur Diagnosestellung Demenz kompensieren sie bereits längere Zeit die schwindenden Fähigkeiten der Betroffenen und wachsen so unmerklich in diese Rolle hinein. Dies führte zur Frage: Wie lassen sich dann die Betroffenen in ihrer häuslichen Pflegesituation eigentlich identifizieren?

Eine Teilantwort dazu gab Sylvia Kern, die Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V. im zweiten Vortrag: Ihrer Erfahrung nach werde der pflegende Angehörige besser erkannt, wenn er selbst einen anderen Hausarzt habe als der von Demenz Betroffene – was bei Ehepaaren oftmals aber nicht der Fall sei. Deshalb unterstützt sie mit ihren Handlungsempfehlungen „Beipackzettel: Diagnose Demenz“ vor allem Hausärzte darin, „einen gelingenden Dialog mit Betroffenen und ihren Angehörigen zu führen, wenn sie die Diagnose Demenz vermitteln müssen“.

Diesen Unterstützungsgedanken nahm der Chefarzt des Alzheimer Therapiezentrums, Synan Al-Hashimy gerne auf, denn sein interdisziplinäres Therapeutenteam hat ein mehrteiliges Infopaket zusammengestellt, das es Ärzten und Pflegeberatern erleichtert, pflegende Angehörige für ihre eigene Belastungssituation zu sensibilisieren und sie vom Nutzen einer Rehabilitation zu überzeugen. Er erlebt bei den Menschen, die einen Demenzbetroffenen versorgen, vor allem eines: „Sie würden niemals ohne ihren Schützling zur Reha kommen und können in den ersten sieben bis zehn Tagen auch kaum ‚loslassen‘ von der Sorge um ihn, obwohl dieser im gleichen Gebäudekomplex besonders gut von uns betreut wird. Aber wenn sie nach drei bis vier Wochen wieder nach Hause gehen, dann sehen sie z.B. Tagespflege als eine wirksame Entlastungsmöglichkeit.“

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Demenz Forum Berlin 2015 am 27. Februar in der Schleswig-Holsteinischen Landesvertretung

Der Erfolg des Reha-Konzepts mit Mitnahmeoption für Menschen mit Demenz (RATZEBURGER MODELL) habe alle überrascht und im dritten Jahr nach dem Start zu kaum akzeptablen sechs Monaten Wartezeit geführt. „Am 1. August 2015 wird deshalb ein Erweiterungsbau mit einer Aufstockung auf 30 Rehabilitationsplätze sowie 26 Betreuungsplätze für demente Begleitpersonen eröffnet“, kündigte Al-Hashimy an.

Aufgabe der Angehörigen: Verständnisvolle Begleitung auf einer Reise weg vom Verstand

Einen besonders wohlwollenden Blick auf Menschen mit Demenz und ihre Begleiter richtete Diplom-Pädagoge und Altersexperte Erich Schützendorf. Er empfahl: „Wer pflegt, muss sich selber pflegen.“ Augenzwinkernd und mit rheinländischem Humor schilderte er dann typische Situationen im Betreuungsalltag und plädierte für gelassenere Formen des Umgangs mit Menschen, die sich „auf eine Reise weg vom Verstand machen und dafür verständnisvolle Begleitung brauchen“.

Das Team des Veranstalters Alzheimer Therapiezentrum Ratzeburg freute sich über die durchweg positive Resonanz der Teilnehmer beim Demenz Forum Berlin 2015. “Viele Teilnehmer haben offenbar einen neuen Blick auf die Situation der informell Pflegenden gewonnen: Wie man sie identifizieren kann, aber auch, welche Möglichkeiten es gibt, sie für Entlastungs-, Auszeit- und Rehabilitationsangebote zu gewinnen. Denn das bleibt nach wie vor eine große Herausforderung“, so Organisatorin Janett Deckert.

Über das Alzheimer Therapiezentrum Ratzeburg:

Im Alzheimer Therapiezentrum Ratzeburg erhalten pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz eine stationäre psychosomatische Rehabilitationsbehandlung. Auf Wunsch können sie ihren demenzkranken Angehörigen mitbringen.

Die psychosomatische Rehabilitationsbehandlung stärkt und stabilisiert pflegende Angehörige psychisch und körperlich. Sie werden informiert über alle Aspekte einer Demenz und motiviert, ambulante Entlastungsangebote anzunehmen. Ein post-stationäres Weiterbehandlungskonzept beinhaltet auch Versorgungsaspekte des demenzkranken Angehörigen. Unter diesen Voraussetzungen kann die häusliche Pflegesituation länger aufrechterhalten werden.

Das Alzheimer Therapiezentrum ist eine Fachabteilung der Rehabilitationseinrichtung Röpersbergklinik, einem der neun Geschäftsbereiche der Röpersberg-Gruppe Ratzeburg.
Mehr Informationen unter: www.alzheimertherapiezentrum.de  www.roepersbergklinik.de  www.roepersberg.de

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