Tag der Seelischen Gesundheit: Stärkung der psychischen Gesundheit – von der Therapie zur Prävention

Veröffentlicht am 09.10.2013 11:05 von Redaktion RehaNews24.de

Presseinformation Nr. 15 | 09.10.2013

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)

Psychische Gesundheit steht endlich stärker im Fokus der Öffentlichkeit. Immer öfter sprechen Menschen mit psychischen Problemen heute über ihr Leiden, ihre Schwierigkeiten und ihren Verlust an Lebensqualität. Dabei wird deutlich, dass die Möglichkeiten zur Vorbeugung, Bekämpfung und Heilung psychischer Erkrankungen in unserer Gesellschaft noch nicht ausreichend dem deutlich gestiegenen Bedarf entsprechen. Zu lange haben sich Medizin und Gesundheitspolitik vorwiegend um körperliche Krankheiten gekümmert. Anlässlich des internationalen Tags der Seelischen Gesundheit am 10. Oktober 2013 fordert die DGPPN deshalb eine nachhaltige Stärkung der sprechenden Medizin.

Etwa jeder dritte Erwachsene erkrankt heute im Verlauf seines Lebens an einer psychischen Störung. Rund ein Drittel dieser Erkrankungen nimmt einen chronischen Verlauf. Schon heute gehören psychischen Erkrankungen zu den häufigsten Gründen für krankheitsbedingte Fehltage in der Arbeitswelt. „Trotzdem steht die psychische Gesundheit in der Politik und Gesellschaft noch immer im Schatten der körperlichen Erkrankungen“, stellt DGPPN-Präsident Professor Wolfgang Maier fest. „Die DGPPN fordert deshalb, die Bedürfnisse psychisch erkrankter Menschen stärker zu berücksichtigen. Nur wenn es uns gelingt, Prävention, Versorgung und Erforschung von psychischen Erkrankungen zu verbessern, können wir auch die enormen Lasten reduzieren. Die Politik ist aufgefordert, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen“, so Professor Maier weiter.

Schwere psychische Störungen erfordern einen komplexen Hilfebedarf, der oft einen Krankenhausaufenthalt zum Zweck einer intensivierten Therapie nötig macht. Doch die derzeit relativ gute Versorgungslage ist in Gefahr: In psychiatrischen und psychotherapeutischen Kliniken ist in Zukunft eine merkliche Eingrenzung von Therapieangeboten zu erwarten. Bereits in den vergangenen Jahren kam es zu einer deutlichen Leistungsverdichtung an den Kliniken. Die Fallzahlen haben sich erhöht, während die Verweildauer zurückgegangen ist. Zusätzlich soll nun – unabhängig vom individuellen Behandlungsbedarf – ein neues krankenhausbezogenes Entgeltsystem eingeführt werden. Damit wird sich der Druck auf die Behandlungszeiten weiter erhöhen, da die Tagespauschalen in den Krankenhäusern mit zunehmender Behandlungsdauer sinken sollen.

Aus Sicht der DGPPN muss sich jedoch die stationäre Behandlung von Patienten zu jedem Zeitpunkt ihrer Erkrankung am individuellen Behandlungsbedarf ausrichten. An diesem Ziel muss sich auch die Finanzierung orientieren. Auch die zentrale Ethikkommission der Bundesärztekammer hat gefordert, dass sich eine menschen- und grundrechtskonforme psychiatrische Versorgung daran orientiert, einen niedrigschwelligen Zugang zu psychiatrischer Versorgung zu garantieren. Die notwendigen Ressourcen hierfür bereitzustellen, erfordere eine Veränderung der Prioritätensetzung bei der Mittelverteilung innerhalb des Gesundheitswesens. Diese Botschaft darf von der Politik in der künftigen Legislaturperiode nicht mehr überhört werden. Gleichzeitig richtet sich der Appell aber auch an die organisierte Ärzteschaft.

Prekär ist die Situation auch im ambulanten Bereich: Menschen mit psychischen Erkrankungen müssen oftmals mehr als drei Monate auf einen Facharzttermin oder Psychotherapieplatz warten. Grund dafür ist ein Abrechnungssystem mit Quartalspauschalen ohne Rücksicht auf die individuelle Bedarfslage und die ärztliche Leistungserbringung im Einzelfall. Dadurch arbeiten immer mehr niedergelassene Psychiater ausschließlich als ärztliche Psychotherapeuten und fehlen in der vertragsärztlichen Facharztversorgung. Die DGPPN fordert daher, dass die Vergütung für Fachärzte im ambulanten Bereich auf Einzelleistungsbasis erfolgt, damit sich deren Einsatz für die psychische Problemlage des einzelnen Patienten wieder lohnt. Gleichzeitig muss die sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Fachärzten, Psychotherapeuten und Pflege verbessert werden.

Bei der Verbesserung der Versorgungsstrukturen muss auch der Früherkennung und -intervention eine größere Bedeutung zukommen. Ein Fokus der DGPPN liegt dabei auf der Identifikation von psychosozialen Belastungen am Arbeitsplatz und arbeitsbedingten Beanspruchungsfolgen. Professor Wolfgang Maier: „Es geht darum, die fachärztlichen Handlungsbereiche Prävention, Versorgung und Wiedereingliederung in Bezug auf psychische Gesundheit am Arbeitsplatz klar zu definieren, zuständige Ansprechpartner zu benennen und Schnittstellen abzustimmen. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, in Deutschland bereits bestehende Initiativen zur Prävention gezielt zu bündeln und internationale Kooperationen verstärkt zu vernetzen.“

Fast alle psychisch erkrankten Menschen lassen sich heute so behandeln, dass es zu deutlichen Besserungen kommt und eine Teilhabe am Alltag wieder möglich wird. Doch nicht alle Patienten werden dabei symptomfrei. Bei der Depression haben bis zu 20 Prozent der erkrankten Menschen dauerhaft Symptome. Menschen mit schweren Psychosen leiden zu über 50 Prozent an überdauernden Einschränkungen im privaten und beruflichen Leben. Die konsequente Erforschung von neuen Therapieverfahren und Wirkstoffen ist für psychisch erkrankte Menschen unbedingt erforderlich. Dieses Ziel erfordert die Bündelung der verfügbaren Kräfte in Gesundheitsforschungszentren, wie sie die Bundesregierung für die somatischen „Volkskrankheiten“ längst ins Leben gerufen hat. Ein Deutsches Zentrum für psychische und psychosomatische Erkrankungen (DZP) wurde bisher allerdings nicht geplant. Im Interesse der vielen psychisch erkrankten Menschen fordert die DGPPN deshalb: Auch in der patientenbezogenen Forschung dürfen psychische Erkrankungen nicht länger „Stiefkind“ der Medizin bleiben.

Diese drängenden Herausforderungen wird die DGPPN vom 27. bis 30. November 2013 auf ihrem Jahreskongress thematisieren. Der Kongress bildet mit mittlerweile 10.000 Teilnehmern europaweit den größten Treffpunkt im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde.

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Kontakt
Prof. Dr. med. Wolfgang Maier
Präsident DGPPN
Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie 
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 
DGPPN-Geschäftsstelle
Reinhardtstraße 27 B
10117 Berlin
Tel.: 030.2404 772-11
Fax.: 030.2404 772-29
E-Mail: pressestelle[at]dgppn.de
Pressemitteilung: Stärkung der psychischen Gesundheit – von der Therapie zur Prävention (PDF; 200KB)

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