Schlaganfall und Migration: Sprachverlust erschwert die Integration

Veröffentlicht am 21.02.2013 08:24 von redaktion

Gütersloh, 21.02.2013

Sprachlos nach Schlaganfall – ein Schicksal, dass viele Patienten trifft. Weitgehend unbekannt ist, dass eine so genannte Aphasie sich unterschiedlich auf gesprochene Sprachen auswirken kann. Darauf weist die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe anlässlich des Internationalen Tags der Muttersprache am Beispiel eines spanischen Einwanderers hin.
Antonio Rodriguez kam 1970 als junger Mann nach Deutschland. Schnell erlernte er die deutsche Sprache, sprach sie fortan fließend neben seiner Muttersprache. Das änderte sich schlagartig im Juni 2005, als er im Alter von 53 Jahren unvermittelt einen schweren Schlaganfall erlitt. Die Folge waren eine halbseitige Lähmung und eine Aphasie. Diese hat sich bald zurückgebildet, jedoch nur in seiner Muttersprache. „In Deutsch spricht er bis heute kaum mehr als ja und nein,“ berichtet Ehefrau Ana.
Aphasie ist eine der häufigsten Folgen des Schlaganfalls. Rund ein Drittel der jährlich 270.000 Schlaganfall-Betroffenen hat mit Sprachverlust zu kämpfen. Besonders schwierig ist die Erkrankung für Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, so wie Antonio Rodriguez. „Ein ganz typisches Schicksal,“ meint Holger Grötzbach, Autor des Lehrbuchs „Aphasie – Wege aus dem Sprachdschungel“ und Leiter der Sprachtherapie in der Asklepios-Klinik Schaufling. „Die Fremdsprache ist störanfälliger als die Muttersprache“.
Offensichtlich werden Sprachen nicht zwangsläufig in denselben Hirnarealen gespeichert. Dort, wo die Muttersprache „beheimatet“ ist, ließen sich in der Regel stärker ausgeprägte Synapsen nachweisen. Grötzbach sieht die entscheidende Ursache dafür in der emotionalen Bindung zur Sprache. „Die besteht in der Regel zur Muttersprache, weil sie mit der Biografie und vielen Erinnerungen verbunden ist.“
Schlaganfall-Betroffene mit Migrationshintergrund stellt dies vor besondere Herausforderungen. Droht durch körperliche und psychische Beeinträchtigungen ohnehin schon die Isolation, wird die Situation durch mangelnde Kommunikationsfähigkeit weiter verschärft. Beide Sprachen wieder voll zu erlernen, wird für die meisten eine Utopie bleiben. Sprachtherapie konzentriert sich stets auf eine Sprache, um die Entwicklung einer „Mischsprache“ zu vermeiden. „Da bietet die Muttersprache das größere Rehabilitationspotenzial,“ erklärt Grötzbach. Der Integrationsgedanke muss in diesem Fall zurückstehen, um den Patienten nicht völlig zu isolieren.
Mehr Informationen im Internet: schlaganfall-hilfe.de

Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
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Mario Leisle
Telefon: 05241 9770-12
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Internet: schlaganfall-hilfe.de

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