Schlafmediziner lobt neue EU-Richtlinie

Veröffentlicht am 10.09.2014 09:49 von redaktion

 Wirkungsvoll gegen „Rollende Zeitbomben“

Die Zahl der durch Sekundenschlaf verursachten schweren Verkehrsunfälle nimmt seit Jahren zu. Darauf reagiert die Europäische Kommission jetzt mit einer neuen Richtlinie. Darin wird das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom erstmals ausdrücklich als Risikofaktor genannt. „Bewerber oder Fahrzeugführer, bei denen der Verdacht auf ein mittelschweres oder schweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom besteht, werden zur Einholung eines medizinischen Gutachtens an eine anerkannte ärztliche Stelle weiterverwiesen, bevor eine Fahrerlaubnis erteilt oder erneuert wird. Ihnen kann bis zur Bestätigung der Diagnose vom Führen eines Fahrzeugs abgeraten werden“, heißt es in der Richtlinie 2014/85/EU, die am 1. Juli 2014 von der EU-Kommission erlassen wurde. Die Mitgliedsstaaten müssen der Richtlinie spätestens ab dem 31. Dezember 2015 nachkommen und entsprechende Rechtsvorschriften erlassen haben.

Dr. Wilfried Böhning lobt die neue EU-Richtlinie.

Dr. Wilfried Böhning lobt die neue EU-Richtlinie.

„Das ist ein großer Schritt in Richtung Verkehrssicherheit“, lobt Dr. Wilfried Böhning, Chefarzt und Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums in der Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe. Der Schlafmediziner macht seit Jahren darauf aufmerksam, dass der so genannte Sekundenschlaf Hauptursache für schwere Verkehrsunfälle ist. „Wenn ein Fahrzeug ungebremst in ein Stauende hinein rast, liegt es auf der Hand, dass der Fahrer unaufmerksam war oder für Sekundenbruchteile eingenickt ist“, sagt Böhning.

Allerdings sei die Bezeichnung Sekundenschlaf irreführend, da es sich nicht um Schlaf im eigentlichen Sinne, sondern um eine Wahrnehmungsstörung handle, bei der für Sekundenbruchteile wichtige Eindrücke ausgeblendet seien.

Im vergangenen Jahr hat Böhning gemeinsam mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat und dem Gemeinnützigen Arbeitskreis Schlafapnoe Niedersächsischer Selbsthilfegruppen e.V. an der Autobahn 2 zahlreiche LKW-Fahrer untersucht, die sich freiwillig an der Aktion beteiligten. Das Ergebnis war alarmierend: 45 Prozent der Befragten gaben an, am Steuer schon einmal in Sekundenschlaf gefallen oder eingeschlafen zu sein. Ein Fünftel wies einen deutlich erhöhten Schläfrigkeitsindex auf und 17,5 Prozent hatten nach Auskunft der Partnerin während des Schlafes Atemaussetzer. Ein spezieller Fragebogen in der jeweiligen Heimatsprache sowie die Ergebnisse eines durchgeführten Schläfrigkeits- und Rektionstests waren Grundlage für die vertraulichen Gespräche mit den Berufskraftfahrern.

Dass das zum Sekundenschlaf führende obstruktive Schlafapnoe-Syndrom jetzt im Rahmen des Erwerbs einer Fahrerlaubnis thematisiert werde, sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. „Mittelfristig muss eine gesellschaftliche Diskussion geführt werden, damit Schlafstörungen als ernsthaftes gesundheitliches Problem anerkannt werden“, sagt Böhning. Betroffenen könne man gut helfen. „Therapiegeräte ermöglichen einen erholsamen Schlaf und sind ideal, um der Schlafapnoe zu begegnen“, sagt der Bad Lippspringer Mediziner.

Darauf setzt auch die neue EU-Richtlinie. Hier heißt es „Bewerbern oder Fahrzeugführern mit mittelschwerem oder schwerem obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom, die ihren Zustand angemessen unter Kontrolle haben, eine geeignete Behandlung einhalten und deren Müdigkeit (falls zutreffend) sich verbessert hat, was durch das Gutachten einer anerkannten ärztlichen Stelle bestätigt wird, kann eine Fahrerlaubnis erteilt werden.“

Kontakt:

Medizinisches Zentrum für Gesundheit Bad Lippspringe GmbH – MZG Westfalen
www.medizinisches-zentrum.de

Heiko Appelbaum M.A.
Abteilungsleiter
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation
Tel.: 05252/95-1038
Fax: 05252/95-1027
E-Mail: h.appelbaum@medizinisches-zentrum.de
www.medizinisches-zentrum.de

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