SACHVERSTÄNDIGENRAT Gutachten 2012 konzentriert sich auf die ambulanten und stationären Schnittstellen

Veröffentlicht am 22.06.2012 11:33 von Bade

In seinem aktuellen Gutachten nimmt der Sachverständigenrat (SVR) sehr detailliert und ausführlich zum Thema „Wettbewerb an den Schnittstellen der Gesundheitsversorgung“ Stellung. Das Sondergutachten konzentriert sich dabei vor allem auf die Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Gesundheitsversorgung und auf das Entlassungsmanagement.

Der SVR fordert, dass mit den neuen gesetzlichen Vorschriften zum Entlassungsmanagement im SGB V die Möglichkeit gegeben ist, den Expertenstandard “Entlassungsmanagement” verbindlich einzuführen. Nach Einschätzung des Rates wäre dies ein sinnvoller Schritt, der einen Entwicklungsschub in den Krankenhäusern mit erheblichen Impulsen für die Qualitätsentwicklung auslösen dürfte. Zugleich würden sich den Krankenhäusern neue Möglichkeiten erschließen, durch optimales Schnittstellenmanagement, besseren Service und Qualitätstransparenz Vorteile im Wettbewerb zu erlangen.

Der Verbreitungsgrad einer zentral organisierten Pflegeüberleitung fällt laut SVR-Gutachten je nach Region sehr unterschiedlich aus. Am weitesten fortgeschritten ist sie im Land Nordrhein-Westfalen. Hier dürften inzwischen rund 20 % der Akutkrankenhäuser mit einer Stelle für Pflegeüberleitung oder einem vergleichbaren Dienst für pflegerisches Entlassungsmanagement ausgestattet sein. In anderen Bundesländern sind sie nach dem derzeitigen Stand des Wissens seltener anzutreffen.

Zum Verbreitungsgrad dieser Stellen liegen bislang allerdings keine verlässlichen Daten vor. Nach dem SVR-Gutachten betreiben 78,2% der Krankenhäuser mit mehr als 50 Betten ein systematisches (pflegerisches oder sonstiges) Entlassungs- oder Überleitungsmanagement, aber nur 44,8% haben den Expertenstandard Entlassungsmanagement in der Pflege (DNQP) implementiert. Dies zu verändern und den Kenntnisstand zu verbessern, ist aus Sicht des Sachverständigenrats wünschenswert.

Gemäß SVR-Gutachten haben sich inzwischen außerdem verschiedene Modelle der Entlassungsvorbereitung und Überleitung durch krankenhausexterne Dienste etabliert. Um dieses Modell realisieren zu können, haben manche Krankenhäuser Kooperationsverträge mit ambulanten Pflegediensten abgeschlossen, die es diesen ermöglichen, regelmäßig im Krankenhaus präsent zu sein, Beratung von Patienten und Angehörigen zu leisten und bei der Entlassungsvorbereitung vom Stationspersonal hinzugezogen zu werden. In der Praxis stößt die Koordination durch Mitarbeiter, die nicht in den Arbeitsablauf des Krankenhauses eingebunden sind, allerdings auf erhebliche Akzeptanzprobleme. Ansätze dieser Art haben ferner die Kritik auf sich gezogen, den Wettbewerb zwischen ambulanten Leistungsanbietern auszuhebeln.

Der Sachverständigenrat betont zudem, dass auch andere Varianten der Koordination von Übergängen durch externe Stellen existieren. Entlassungsmanagement wird vereinzelt als unentgeltliche Dienstleistung privater Beratungsunternehmen für das Krankenhaus durchgeführt, die über ein Umlageverfahren refinanziert wird. Für bestimmte Patientengruppen stellen große Hilfsmittelhersteller Dienstleistungen zur Verfügung, mit denen sowohl eine bedarfsgerechte Ausstattung mit den erforderlichen Hilfsmitteln als auch eine Beratung zum Umgang mit diesen und ggf. weitergehende Koordinationsaufgaben gewährleistet werden. Diese Modelle leiden unter ähnlichen Nachteilen wie die im SVR-Gutachten genannten krankenhausexternen Modelle.

Übersicht Entlassungsmanagement SVR-Gutachten 2012

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