Russisch Roulette mit den Drogen

Veröffentlicht am 23.06.2017 11:58 von trurnit Pressewerk GmbH

Anti-Drogentag am 26. Juni: Dr. Elmira Marks warnt vor synthetischen Substanzen und Legal Highs – Suchtkranke berichten in der Prävention

SCHMALLENBERG. Drogenkonsumenten werden immer jünger. Zwei Prozent der 12- bis 15-Jährigen nehmen bereits regelmäßig Cannabis zu sich. „Und die Zahl derer, die bereits mit Drogen in Berührung kamen, liegt noch viel höher“, sagt Dr. Elmira Marks anlässlich des Anti-Drogentags am Montag, 26. Juni. Die Therapeutische Leiterin der Johannesbad Fachklinik Holthauser Mühle, die Suchtabhängige behandelt, warnt vor allem vor synthetischen Drogen. Neben künstlich hergestellten Cannabinoiden und Opiaten greifen gerade auch Jugendliche verstärkt zu den sogenannten „Legal Highs“. „Diese neuen psychoaktiven Substanzen haben eine deutlich stärkere toxische Wirkung“, betont die approbierte Diplom-Psychologin. Außerdem seien die Bestandteile der Legal Highs kaum kontrollierbar. „Wer diese Mittel zu sich nimmt, spielt bewusst Russisches Roulette. Denn meist ist unklar, was in den Pulvern, Kristallen und Tabletten steckt. Oft sind das hoch dosierte chemische Substanzen, deren Wirkung unberechenbar ist.“

Drogen gibt es heute online – wenn auch illegal – zu kaufen. Im Darknet finden auch Jugendliche verbotene Substanzen. Dr. Elmira Marks, die seit fünf Jahren in den Suchteinrichtungen der Johannesbad Gruppe in Fredeburg arbeitet, weiß: „Unglückliche Kinder aus problembelasteten Familien sind besonders gefährdet, Drogen zu nehmen.“ Denn: Sie fühlen sich häufig einsam, abgelehnt und nicht beachtet. „Sie leiden unter einem niedrigen Selbstwertgefühl, können nicht gut Frust und Traurigkeit aushalten und versuchen, mit Drogen ihre Gefühle zu regulieren.“ Auch traumatische Erfahrungen wie Misshandlungen und Missbrauch sowie deren Folgen versuchten Menschen mit Drogen zu kontrollieren. Weitere Ursachen gerade bei Jugendlichen für den Drogenkonsum seien Frust und Langweile, beispielsweise bei Arbeits- und Perspektivlosigkeit. Auch die sogenannten Peer-Groups spielen eine entscheidende Rolle, wie Dr. Elmira Marks erklärt: „Wer zu einer Clique gehören will, in deren Mittelpunkt der gemeinsame Drogenkonsum steht, dem fällt es ziemlich schwer, ‚Nein‘ zu sagen.“

Angriff auf das junge Gehirn

Die Therapeutin selbst ist gegen eine Legalisierung von Drogen. „Die Patienten, die zur medizinischen Rehabilitation in die Johannesbad Fachkliniken Fredeburg kommen, weisen häufig neben einer Abhängigkeitserkrankung psychische und somatische Krankheiten auf. Dazu zählen posttraumatische Belastungsstörungen, Persönlichkeitsstörungen mit und ohne selbstverletzendes Verhalten, Psychosen, ADHS, Ess- und Angststörungen, Depressionen, aber auch körperliche Erkrankungen verursacht durch HIV oder Hepatitis.“ Hinzu kämen durch den Konsum aller Drogen Abhängigkeit und drogenbedingte Infektionskrankheiten. „Kinder und Jugendliche sind besonders gefährdet, denn die Hirnstrukturen sind bis zum 21. Lebensjahr noch nicht ausgereift“, warnt Dr. Elmira Marks und ergänzt: „Konsum von Drogen ist immer ein Gesundheitsrisiko – unter 21 Jahren ist es aber hoch riskant.“ Häufig würden Drogenabhängige dann den Anforderungen einer Ausbildung oder eines Studiums nicht mehr gerecht. Außerdem steigt das Risiko bei regelmäßigem Konsum von Cannabis im Jugendalter, an Schizophrenie zu erkranken. Auch Atemwegserkrankungen seien häufiger, da Cannabis in Deutschland bevorzugt geraucht wird.

Dr. Elmira Marks und ihr Team wollen die durch die Sucht gekennzeichneten Menschen in der Gesellschaft wieder eingliedern. Neben der medizinisch-somatischen Versorgung, der Psycho-, Arbeits-, Bewegungs- und Physiotherapie werden die Abhängigen auch psychosozial beraten. „Besonderen Stellenwert haben die Berufsorientierungsmaßnahmen in der Therapie“, erklärt Dr. Elmira Marks, denn: „Wenn die Abhängigen durch einen strukturierten Alltag gestützt werden und Erfolg sowie positive Gefühle durch die Arbeit erleben, stehen die Chancen für die Abstinenz ziemlich gut.“

Wahre Geschichten, die abschrecken

Darüber hinaus beeindrucken die Geschichten der Patienten in den Johannesbad Fachkliniken Azubis und Schüler: kein Schulabschluss, keine Ausbildung, keine Freunde, die Familie wendet sich ab, ein Riesenberg Schulden. „Wenn ein Abhängiger schildert, wie er in die Sucht gerutscht ist und wie hart es ist, wieder herauszukommen, schreckt das stärker ab als jeder Film oder gar eine ganze Woche Prävention an der Schule oder im Betrieb“, sagt auch Sozialarbeiterin Romy Friederici aus der Johannesbad Fachklinik Fredeburg. „Wie rutscht man in die Sucht? Wann spürt man, dass man abhängig ist? Das sind Fragen, die die jungen Menschen wirklich beschäftigen“, berichtet sie, „die Antworten können nur die Betroffenen selbst geben.“

Die Johannesbad Kliniken Fredeburg arbeiten in der Präventionsarbeit für Auszubildende auch mit Firmen wie Thyssen Krupp Mill Services & Systems, Pierburg Neuss, Fuchs Meinerzhagen oder der Gemeinschafts-Lehrwerkstatt-Arnsberg GmbH sowie mit Schulen zusammen. „Damit leisten wir einen entscheidenden Teil in der Präventionsarbeit“, weiß Dr. Elmira Marks aus Erfahrungen.

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