Reha-Kliniken: Berufsorientierung bringt Wettbewerbsvorteile

Veröffentlicht am 17.07.2013 16:39 von redaktion

Forscher der Universität Würzburg und der Medizinischen Hochschule Hannover haben die medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation in den Reha-Kliniken untersucht. Das Ergebnis: Reha-Kliniken, die bereits berufsorientierte Programme anbieten, sind für die Zukunft gut gerüstet.

Wer heute eine medizinische Reha antritt, wird dort nicht mehr zum Trinken von Heilwasser oder zum Baden im Thermalwasser animiert. Vielmehr werden Patientinnen und Patienten in modernen Reha-Ansätzen gezielt für die spezifischen Anforderungen an ihrem Arbeitsplatz fit gemacht. Jede Reha-Einrichtung, so die Zielvorgabe der Deutschen Rentenversicherung, muss diagnostische und therapeutische Kompetenz zur beruflichen Integration entwickeln und bereithalten.

Spezielle berufliche Anforderungen stehen zunehmend im Mittelpunkt der Behandlung

Schaffen das die Reha-Kliniken? Unter dieser Fragestellung hat ein Forscher-Team der Universität Würzburg um Dr. Silke Neuderth und der Medizinischen Hochschule Hannover die Vorgaben der Deutschen Rentenversicherung und ihre Umsetzung in ausgewählten Reha-Kliniken untersucht. Das Ergebnis: Jene Kliniken, die bereits berufsorientierte Programme anbieten, sind für die Zukunft gut gerüstet und setzen die Vorgaben kompetent um. Der Ausbau berufsbezogener Angebote in der Reha kann allerdings nicht kostenneutral erfolgen.

Gut zehn Jahre ist es her, dass der nahtlose Übergang zwischen Leistungen zur medizinischen Rehabilitation und jenen zur Teilhabe am Arbeitsleben im Sozialgesetzbuch festgeschrieben wurde. Statt Therapien, die sich rein an Krankheiten orientieren, sind seither Behandlungen gefragt, die bestehenden Einschränkungen im Alltag und speziell im Beruf in den Blick nehmen. Die Deutsche Rentenversicherung hat in den vergangenen Jahren – gemeinsam mit engagierten Kliniken und Forschern – ein 30-seitiges „Anforderungsprofil“ entwickelt, in dem die Vorgaben an die medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR) beschrieben sind.

Vorhalten berufsorientierter Leistungen wird zum Wettbewerbsvorteil

In der kürzlich abgeschlossenen „MBOR-Management-Studie“ wurde im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung die Umsetzung des Anforderungsprofils untersucht, um in einem nächsten Schritt entsprechende Programme flächendeckend zu verankern. Dr. Silke Neuderth, Projektleiterin von der Universität Würzburg, sagt: „Die Kliniken haben in den letzten Jahren dazu schon überzeugende Konzepte entwickelt. Das Vorhalten berufsorientierter Leistungen wird in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil darstellen.“

Sieben stationäre orthopädische Rehabilitationszentren haben sich an der Studie beteiligt. Das Forscherteam befragte nicht nur über 500 Rehabilitanden, sondern auch Beschäftigte in den Reha-Kliniken sowie die Verantwortlichen der sechs beteiligten Reha-Träger. Zusätzlich werteten sie die Entlassungsberichte aus und errechneten den zeitlichen und finanziellen Aufwand, der nötig ist, um die bisherige Rehabilitation entsprechend zu ergänzen.

Die Studie liefert Hinweise, wie die Praxis gelingen kann und auf was die Reha-Einrichtungen besonders achten sollten. Zum Beispiel: „Ein Screening-Instrument ist für diese besondere Form der Rehabilitation unerlässlich“, sagt Dr. Matthias Bethge, Forscher von der Medizinischen Hochschule Hannover. Schließlich müssen Rehabilitanden mit besonderen beruflichen Problemlagen frühzeitig zu erkannt und adäquat auf das Reha-Programm vorbereitet werden.

Arbeitsplatztraining noch lückenhaft

Die verstärkte Berufsorientierung in der Reha, so ein weiteres Ergebnis der Studie, erfordere zudem eine effektive Zusammenarbeit in den Reha-Teams. Alle Berufsgruppen einer Reha-Einrichtung sollten sich am Behandlungsmanagement beteiligen, gemeinsame Ziele festlegen und sich regelmäßig in Teamsitzungen austauschen. Grundsätzlich müsse mehr miteinander anstatt nebeneinander gearbeitet werden.

Kritisch bewerten die Forscher die Umsetzung des Arbeitsplatztrainings, in dem die Patientinnen und Patienten in den beteiligten Reha-Einrichtungen auf die körperlichen und psychischen Anforderung an ihrem Arbeitsplatz vorbereitet werden: „Das Angebot wird noch lückenhaft vorgehalten“, sagt Dr. Matthias Bethge. Häufigkeit und Dauer entsprechen nicht durchgehend den Empfehlungen des Anforderungsprofils. Benötigt werden eine entsprechende Ausstattung sowie geschulte Therapeuten.

Die Forschergruppe hat auch den zeitlichen und finanziellen Mehraufwand in den Projektkliniken berechnet, der mit der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation verbunden ist. „Nach unseren Hochrechnungen belaufen sich die zusätzlichen Kosten auf 216 Euro pro Person und Maßnahme“, sagt Dr. Silke Neuderth. Die Ergebnisse der Studie helfen Reha-Kliniken, sich auf einem zunehmend umkämpften Markt zu orientieren und zu positionieren.

Text: Susanne Werner


Kontakt:
Silke Neuderth, E-Mail: s.neuderth@uni-wuerzburg.de, T: (0931) 31-82076

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