Quo Vadis, Autismus und Arbeitsmarkt?

Veröffentlicht am 27.09.2016 14:23 von Ellen Krüger

Vertreter der Veranstalterr und Partner und die Schirmherrin des Fachaustauschs

Quo Vadis, Autismus und Arbeitsmarkt? (v.l.n.r): Dirk Müller-Remus, Niels Reith, Iris Gleicke, Dr. Ste-phan Fasshauer, Robert Winter, Prof. Matthias Dalferth (Quelle: BV BFW/Kruppa)

Unter dem Motto „Quo Vadis, Autismus und Arbeitsmarkt?“ fand am 20. September 2016 im Haus der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg (DRV) in Berlin ein Fachaustausch unter der Schirmherrschaft der Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Iris Gleicke, statt. Ziel der Veranstalter – auticon GmbH und Bundesverband Deutscher Berufsförderungswerke e. V. (BV BFW) – war es, die Gäste über die Chancen von Autisten auf dem Arbeitsmarkt zu informieren und für diese Zielgruppe zu sensibilisieren. Neben der DRV unterstützten die Agentur für Arbeit Berlin und der Autismus Deutschland e. V. die Veranstaltung.

Dr. Stephan Fasshauer, Geschäftsführer der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg, begrüßte als Hausherr die Anwesenden und betonte die Bedeutung des Themas. „Auch für die Deutsche Rentenversicherung Berlin-Brandenburg ist es wichtig, dass Menschen mit Autismus ihren Platz im Berufsfeld finden. Hier können die Berufsförderungswerke eine wichtige Brücke in den Arbeitsmarkt sein.“

Anschließend sprach die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Iris Gleicke, zu den Gästen. „Ein den eigenen Fähigkeiten angemessener Arbeitsplatz ist von zentraler Bedeutung für eine gelungene Integration. Gerade bei Sozialunternehmen sehe ich da vielversprechende Möglichkeiten für diejenigen, die auf dem normalen Arbeitsmarkt nur geringe oder keine Chance haben. Nur bei gelebter Inklusion in allen Lebensbereichen können Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam eine Gesellschaft gestalten, in der jede und jeder seinen Platz hat,“ sagte Gleicke als Schirmherrin der Veranstaltung.

Prof. Matthias Dalferth von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg stellte in seinem Vortrag neueste Erkenntnisse aus der Forschung und von begleiteten Projekten vor. Er machte deutlich, dass nur ein kleinerer Teil der Autisten eine Begabung für IT-Berufe mitbringe. Der größere Teil bringe darüber hinaus Fähigkeiten mit, die in anderen Berufen wie Kaufmann für Büromanagement oder in gewerblich-technischen Berufen gefragt sind. Es müssten zudem noch einige äußere Hürden abgebaut werden, um die oftmals sehr gut ausgebildeten Autisten in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Das betonte auch der autistische IT-Consultant Martin Neumann, der mit seiner großen Berufserfahrung ein wichtiger Mitarbeiter für die Firma auticon geworden ist. In seiner authentischen Schilderung der Berufspraxis machte er deutlich, wie effizient und genau Autisten ihre Aufgaben erledigen, wenn sie klare Anleitungen erhielten und ihnen keine weiteren Ablenklungen in den Weg gestellt würden. Der Gründer von auticon, Dirk Müller-Remus, hatte zuvor über die Gründungsmotivation der Firma auticon berichtet und wie er Herrn Neumann als Mitarbeiter gewonnen hat.

Nach der Pause berichtete Robert Winter, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Berlin Nord, dass viele Autisten bei Bewerbungen ihren Autismus erst mal gar nicht erwähnen würden. Die Dunkelziffer sei deshalb auch wahrscheinlich viel höher. Über den Firmenservice der Bundesagentur für Arbeit gebe es aber zahlreiche Beratungs- und Förderangebote für Unternehmen, die Autisten einstellen wollen. Beide Seiten müssten nur noch mehr zueinander finden.

Es folgte eine Diskussionsrunde aller Podiumsteilnehmer, moderiert von Niels Reith, Geschäftsführer des BV BFW. Das Publikum brachte sich ebenfalls mit Fragen und Anregungen ein.  Abgerundet wurde die kompakte Informations- und Diskussionsveranstaltung von Gerhard Witthöft, Vorstandsmitglied des BV BFW und Mitglied der Geschäftsführung der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd. Er sprach über die Ursprünge der Veranstaltung und fasste sie mit einem Ausblick zusammen. Allen Beteiligten ist deutlich geworden, wo bereits gute Ansätze von Autisten auf dem Arbeitsmarkt bestehen, an welchen Stellen man aber noch gemeinsam arbeiten müsse, um mehr Teilhabe am Arbeitsleben von Autisten zu ermöglichen.

Gemeinsame Pressemitteilung: Quo Vadis, Autismus und Arbeitsmarkt?

Über den Bundesverband Deutscher Berufsförderungswerke e. V. (BV BFW)
Der BV BFW ist der bundesweite Zusammenschluss von 28 Berufsförderungswerken. Ihr Auftrag im Sinne des Sozialgesetzbuch IX ist es, Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen die volle Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Als Kompetenznetzwerk für Gesundheit und Arbeit mit ca. 100 Standorten und aktuell etwa 12.000 Plätzen bündelt der BV BFW dieses Know-how und die langjährige Erfahrung in den Bereichen Prävention, Beratung, Diagnostik, Qualifizierung und Integration, um Menschen mit Behinderungen zurück in das Erwerbsleben zu bringen. Der Bundesverband Deutscher Berufsförderungswerke ist ein eingetragener Verein und hat seinen Sitz und seine Geschäftsstelle in Berlin.


Über die auticon GmbH

Als erstes und einziges Unternehmen in Deutschland beschäftigt die auticon GmbH ausschließlich Menschen im Autismus-Spektrum als IT-Consultants, da diese oftmals besondere Begabungen in Logik, Detailgenauigkeit und Mustererkennung besitzen. Viele haben ein ausgeprägtes Interesse an IT, Physik, Mathematik und Technik. Damit die Consultants ihr volles Potenzial ausschöpfen können, stellt auticon ihnen qualifizierte Job Coaches zur Seite. So verbindet auticon soziale und wirtschaftliche Ziele: Die auticon-Consultants erhalten – oft zum ersten Mal – einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt; die Kunden herausragende Qualitätsarbeit. In Deutschland sind nur ca. fünf bis zehn Prozent aller Autisten auf dem ersten Arbeitsmarkt beschäftigt. So waren vor ihrer Anstellung bei auticon fast alle Mitarbeiter im Autismus-Spektrum arbeitssuchend oder frühverrentet. Denn trotz ihrer hohen fachlichen Kompetenz scheitern viele an den kommunikativen Anforderungen der heutigen Arbeitswelt. 2011 gegründet, beschäftigt auticon inzwischen mehr als 100 Personen, davon über 70 im Autismus-Spektrum und hat ihnen so einen großen Schritt hin zu einem normalen Berufsleben ermöglicht.


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Tel.: +49 30 3002-1255 · Fax: +49 30 3002-1256
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