„Prävention von Beginn an“ – Aktionen der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. zum Tag gegen Lärm

Veröffentlicht am 08.05.2015 08:22 von Sabine Wagner

Der diesjährige Tag gegen Lärm am 29. April stand unter dem Motto „Lärm – voll nervig!“ und stellte die Geräuschbelastung von Kindern und Jugendlichen in den Mittelpunkt. Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL) unterstützte den Tag gegen Lärm wieder mit bundesweiten Aktionen wie der gemeinsamen Veranstaltung mit dem Hörmobil des Deutschen Schwerhörigenbundes e. V. in der Mall of Berlin, und griff auch das Thema Lärmbelastung von Kindern und Jugendlichen auf: Im Gymnasium Glinde wurden im Physikunterricht Lärmmessungen im Schulgebäude durchgeführt und in einem Kindergarten in Kulmbach fanden Projekttage zum Thema Lärmprävention statt.

Reinhardt Jennerjahn, Sprecher der Selbsthilfegruppe „Tinnischluss“ in Glinde/Neuschönningstedt und DTL-Vorstandsmitglied, hatte das Projekt in Kooperation mit dem Gymnasium Glinde initiiert. Die Klasse 8a mit Physiklehrer Otto Sühl nutzte eine Doppelstunde mit großer Pause, um die Schüler für das Thema zu sensibilisieren. Im Physikunterricht wurden zunächst alle Vorgänge rund ums Hören thematisiert, vom Aufbau des Ohrs über die Schallausbreitung bis hin zum Risiko von Gehörschäden durch zu hohe Lautstärken. Auf die Frage des Lehrers „Was ist Lärm?“ wurden als Antworten beispielsweise „Baustelle“ oder „das Geschrei von Kleinkindern“ genannt. Im Unterricht wurde dann mit unterschiedlichen Schallquellen experimentiert. Die Stimmgabel wurde als angenehm bei 440 Hz empfunden, genauso wie Klangschalen. Zum Thema „Tinnitus ‒ Mythen und Fakten“ referierte Reinhardt Jennerjahn. Ganz Ohr folgte die Klasse seinem Vortrag. Anschließend wurden Lärmmessungen durchgeführt. „Mit dem Schallmesser ausgerüstet, starteten wir dann unsere Suche nach Lärmquellen“, sagt Reinhardt Jennerjahn. „Im Klassenraum wurden 60 dB gemessen. Im wenige Jahre alten Anbau für Kunsterziehung sowie Musikunterricht wurden 85 dB angezeigt und in der Sporthalle während des Unterrichts der Klasse 9b 95 dB. Eine Ruhezone wurde auch gefunden, ein offener Raum vor der Mensa, wo man 65 dB auf der Skala ablas“, fasst er die Messergebnisse zusammen. Die Ruhezone könnte künftig für Hausaufgaben oder Freistunden genutzt werden.

Lärmprävention im KindergartenSteffi Daubitz, Sprecherin der Selbsthilfegruppe Kulmbach und DTL-Vorstandsmitglied, ist Erzieherin im Paul-Gerhardt-Kindergarten in Kulmbach und veranstaltete dort vom 27. bis 29. April Projekttage zum Thema „Hören und Lärmprävention“. „Prävention von Beginn an, das ist schon seit einigen Jahren das Anliegen des Projektes“, so Daubitz. „Dabei sollen die Kinder den richtigen Umgang mit Lärm kennenlernen und ein Grundwissen über das Hören erwerben.“ In verschiedenen „Lernräumen“ konnten die Kinder ihren Interessen entsprechend forschen. So gab es einen „Laut-Leise-Raum“, wo die Kinder verschiedene Geräusche produzieren und das Laut- sowie das Leise-Sein ausprobieren konnten. Zudem wurden Experimente zum Thema Geräusche und Hören angeboten und im Hörlabor erfuhren die Kinder, wie der Ton ins Ohr kommt. Es gab Puzzles sowie Memorys rund ums Hören und im Kreativraum wurden beim Malen nach Musik viele Kunstwerke geschaffen. Bei einem Hörspaziergang sollten die Kinder laute und leise Geräusche in der Umgebung herausfinden. „Mittlerweile werden erste Erfolge der Präventionstage spürbar. Die größeren Kinder haben schon ein fundiertes Wissen rund ums Hören. Sie achten im Laufe des ganzen Jahres bewusster auf ein Übermaß an Lärm“, zieht Steffi Daubitz Bilanz. Am 29. April trafen sich alle Kinder im Kindercafé. Dort wurde über die Bedeutung des Tages gesprochen und eine „stille Minute“ eingelegt um zu erleben, wie leise es auch sein kann.

Die Kulmbacher DTL-Selbsthilfegruppe organisierte wieder einen Stand im Einkaufscenter Fritz in Kulmbach. Die Mitglieder der Gruppe klärten interessierte Passanten über Tinnitus, Auswirkungen von Schwerhörigkeit und den schädlichen Einfluss von Lärm auf das Gehör auf. Unterstützt wurden sie dabei von den ortsansässigen Hörgeräteakustikern Fischer Optik und Akustik sowie Arneth Optik und Akustik. Beide Firmen boten kostenlose Hörtests und Beratungen zum Thema Schwerhörigkeit an.

Natürlich gab es auch in der Hauptstadt einen Infostand zum Tag gegen Lärm, initiiert von DTL-Beraterin Tamara Oetting. „In diesem Jahr waren wir an einem Touristenmagneten, in der Mall of Berlin am Leipziger Platz. Die Apotheke am Leipziger Platz ermöglichte es uns, in ihren Räumen Menschen, die von Tinnitus & Co. betroffen sind, zu beraten“, so Oetting. Vor der Apotheke stand das Hörmobil des Deutschen Schwerhörigenbundes e. V. (DSB), in dem der Hauptstadt-Akustiker Flemming & Klingbeil einen kostenlosen Hörtest durchführte. Interessierte nutzten die Hörtests und die Informationsangebote des DSB und der DTL. Tamara Oetting unterstreicht die Bedeutung der Aufklärung: „Leider entwickelt sich immer erst dann ein Bewusstsein für Lärm, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Es wird völlig unterschätzt, wie wichtig der Schutz vor zunehmend aggressiver werdendem Lärm ist.“

Am Donnerstag, den 30. April fand zum Tag gegen Lärm ein Aktionsnachmittag in Wuppertal im Konferenzzentrum im Torbogen statt, bei dem Prof. Dr. med. Hans-Georg Kempf, Direktor der HNO-Klinik des HELIOS Klinikums Wuppertal und Mitglied des Fachlichen Beirats der Deutschen Tinnitus-Liga e. V., über diagnostische und therapeutische Möglichkeiten bei Schwerhörigkeit informierte. Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. war mit einem Infostand vertreten, an dem die DTL-Mitarbeiter Gabriele von Dombrowski und Peter Schönenberg über Tinnitus und sonstige Hörbeeinträchtigungen sowie den Umgang damit aufklärten.

Auch am Bodensee richteten die örtlichen DTL-Selbsthilfegruppen Veranstaltungen zum Tag gegen Lärm aus. In Singen hatten Ella von Briel und vier Mitglieder der Selbsthilfegruppe ein zweites Frühstück für Besucher des BSK-Vereinsheims vorbereitet. In Radolfzell am Bodensee entpuppte sich der Tag gegen Lärm leider als ein „Tag mit viel Lärm“: Die DTL-Selbsthilfegruppe Radolfzell organisierte anlässlich des Aktionstages in Kooperation mit dem Hörgeräteakustiker Das Ohr – Hörgeräte & mehr in der Höllturm-Passage einen Infostand, an dem sich die Gruppe vorstellte und kostenlose Hörtests angeboten wurden. 50 Meter vom Stand entfernt allerdings waren Bauarbeiter lautstark mit einem Kompressor beschäftigt – eindrucksvoller lässt sich die alltägliche Lärmbelastung wohl nicht demonstrieren. Die Gruppenleiter ließen sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und waren sich am Schluss alle einig, dass sie im nächsten Jahr wieder dabei sind.

Die DTL präsentierte sich vom 17. bis 18. April auf dem 23. Bayerischen Hausärztetag in Würzburg mit einem Infostand, an dem Informationen für Hausärzte bereitgestellt wurden, unter anderem ein Lärm-Flyer zum Tag gegen Lärm. Außerdem fand vom 29. April bis 5. Mai in Bayern die „Woche der Kommunikation“ statt, organisiert vom Netzwerk Hörbehinderung Bayern (NHB), einer befreundeten Organisation der DTL. Die Aktionswoche hat sowohl den Tag gegen Lärm als auch den Europaweiten Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung eingebunden. Auf der Auftaktveranstaltung am 28. April in Nürnberg sprachen die Bayerische Behindertenbeauftragte Irmgard Badura sowie Volker Albert, Präsident der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. und Sprecher des Netzwerks Hörbehinderung Bayern. Am 5. Mai wurde auf dem Münchner Marienplatz eine Veranstaltung zum Europaweiten Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ausgerichtet. Dort stellten sich auch die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. und das Netzwerk Hörbehinderung Bayern mit einem Infostand vor. An der Podiumsdiskussion war auch DTL-Präsident Volker Albert beteiligt.

Bildunterschrift:

Projekttage zur Lärmprävention im Paul-Gerhardt-Kindergarten in Kulmbach: Station des Hörspaziergangs, bei dem die Kinder laute und leise Geräusche in der Umgebung herausfinden sollten. Foto: Steffi Daubitz.

Über die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL)

Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL) vertritt als gemeinnützige Selbsthilfeorganisation die Interessen der Patienten mit Tinnitus, Hörsturz, Hyperakusis und Morbus Menière sowie ihrer Angehörigen. Rund 13.000 Mitglieder machen die DTL zum größten Tinnitus-Zusammenschluss in Europa und zum anerkannten Partner des Gesundheitswesens in Deutschland. Über 800 Fachleute gehören der DTL als Partner und fördernde Mitglieder an, darunter renommierte Wissenschaftler, HNO-Ärzte, Ärzte weiterer Disziplinen, Hörgeräteakustiker, Psychologen und Therapeuten. Außerdem werden rund 90 Selbsthilfegruppen in Deutschland durch die DTL betreut. Gegründet wurde die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. 1986 in Wuppertal.

Kontakt:
Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL)
Sabine Wagner
Am Lohsiepen 18
42369 Wuppertal
Tel.: 0202 24652-24
Fax: 0202 24652-20
E-Mail: s.wagner@tinnitus-liga.de
www.tinnitus-liga.de

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