Neurologische Reha: Auch späte Therapie bringt neue Chancen

Veröffentlicht am 02.12.2016 16:31 von Redaktion RehaNews24

Untersuchungen zeigen, dass eine neurologische Rehabilitation sogar Jahre nach einem Akutereignis wirkt und zu nachhaltigen Erfolgen führen kann. Intensiv-Reha-Programme im Rahmen der Heilverfahren der Krankenkassen könnten gerade für ältere Patienten erhebliche Chancen auf Teilhabe bieten.

03_neuroreha_spaete-reha-neue-chancen_lrKöln, 02.12.2016. Die Ergebnisse sind beeindruckend: In einer Studie der Neurologischen Klinik der Universität München unter Leitung von Prof. Dr. med. Andreas Bender konnten Wissenschaftler jetzt nachweisen, dass Patienten mit erworbenen Hirnschädigungen auch noch Jahre nach einem Akutereignis von einer Rehabilitation profitieren. Im konkreten Fall wurden 53 neurologische Patienten rund vier Jahre nach ihrer Hirnschädigung in eine ver-gleichende klinische Untersuchung eingebunden. Die eine Hälfte erhielt am Therapiezentrum Burgau (Bayern) vier Wochen lang ein intensives ambulantes Therapieprogramm mit werk-täglich sechs Stunden teilhabe-orientierter Neuro-Rehabilitation. Die Kontrollgruppe bekam lediglich eine ambulante Regelversorgung. Im Ergebnis attestierten die Wissenschaftler der Therapie-Gruppe schon nach vier Wochen einen deutlich größeren Zuwachs an Alltags-selbstständigkeit. Nach zwölf Monaten konnten sie zudem Langzeiteffekte wie eine nachhal-tige Verbesserung der Lebensqualität, der Teilhabe und einen geringeren Pflegebedarf fest-stellen.

Neue Chancen für neurologische Patienten
„Diese Ergebnisse stehen im absoluten Gegensatz zur Versorgungsrealität in Deutschland“, so Prof. Dr. Dr. Paul W. Schönle, Vorsitzender des Bundesverbands NeuroRehabilitation BNR e.V., „Offensichtlich gibt es bei neurologischen Patienten mit erworbenen Hirnschädi-gungen ein bisher ungenutztes Langzeit-Rehabilitationspotenzial –  das spricht für eine neue Definition der abschließenden Behandlungsphase E.“ Die Münchener Wissenschaftler sehen in den Ergebnissen vor allem Chancen auf eine langfristig verbesserte Teilhabe und Selbst-ständigkeit der Patienten. Darum plädieren sie für eine Änderung der Versorgungsstruktur mit regelmäßigen Intervallen von Intensiv-Reha im Nachgang zur klassischen neurologischen Rehabilitation. Diese würden zum Teil die heute kostenintensiven Heil- und Hilfsmit-telverordnungen ersetzen und könnten langfristig dazu beitragen, Kosten der Sozialversiche-rungen zu sparen.

Strukturen sind da – Entscheidungen fehlen
Den daraus abgeleiteten Forderungen, auch gesetzliche Grundlagen für eine solche „Spät-Reha“ zu schaffen, kann Prof. Schönle aber nur bedingt folgen: „Wir brauchen keine neuen Gesetze, sondern müssen lediglich geltendes Recht umsetzen und bestehende Strukturen besser nutzen“, so der erfahrene Ärztliche Direktor und Neurologe, „Mit den Heilverfahren der Krankenkassen als gesetzliche Grundlage haben wir genug Spielraum. Sie wiederzubeleben ist das Gebot der Stunde.“ Nur noch rund 106.000 stationäre Heilverfahren (ohne An-schlussreha und Mutter/Vater-Kind-Leistungen) wurden 2015 von der Gesetzlichen Kranken-versicherung bewilligt. Das sind 12 Prozent weniger als im Vorjahr und nur rund 11 Prozent aller GKV Vorsorge- und Reha-Leistungen. In der Praxis stellen nach Erkenntnissen der Reha-Verbände niedergelassene Ärzte kaum noch Anträge auf Heilverfahren, weil nicht einmal die Hälfte von ihnen bei der GKV genehmigt wird. „De facto findet das Heilverfahren in der GKV nicht mehr statt. Der rechtliche Anspruch darauf besteht aber weiter und ist mit den jetzt vorliegenden Erkenntnissen eine Chance gerade für ältere neurologische Patienten“, so Prof. Dr. Dr. Paul W. Schönle weiter, „Es wird dringend Zeit für eine Reanimation“. Seiner Ansicht nach werden die Heilverfahren in der Gesetzlichen Krankenversicherung nur deshalb so wenig bewilligt, weil das Geld an anderer Stelle gebraucht wird. „Demografiebedingt steigen seit über zehn Jahren die Fallzahlen bei der Anschluss-Reha, die annähernd zu 100 Prozent genehmigt wird. Bei gleichzeitig kaum gestiegenem Reha-Budget heißt das: Es muss an anderer Stelle gespart werden – nämlich bei den Heilverfahren“, so Prof. Schönle. Gemeinsam wollen sich der Bundesverband NeuroRehabilitation BNR e.V. und die Landes-arbeitsgemeinschaft NeuroRehabilitation NRW jetzt dafür einsetzen, dem Anspruch auf Heil-verfahren vor dem Hintergrund der positiven Forschungsergebnisse wieder mehr Gewicht zu geben.

Quellenangabe zur Studie:
Bender A, Adrion C, Fischer L, Huber M, Jawny K, Straube A, Mansmann U: Long-term re-habilitation in patients with acquired brain injury—a randomized controlled trial of an intensive, participation-focused outpatient treatment program. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 634–41. DOI: 10.3238/arztebl.2016.0634
http://www.aerzteblatt.de/archiv/182150/Langzeitrehabilitation-von-Patienten-mit-erworbenen-Hirnschaedigungen

Weitere Informationen unter: www.neuroreha-nrw.de

Kontakt:
Bundesverband NeuroRehabilitation BNR e.V.
c/o Angelica Totzauer
Berliner Str. 6 | 53359 Rheinbach
Tel.: (0 22 26) 82 88 969

Landesarbeitsgemeinschaft NeuroRehabilitation NRW
c/o Dr. Becker Klinikgesellschaft mbH & Co. KG
Parkstraße 10 | 50968 Köln (Marienburg)
E-Mail: LAG.NeuroReha.NRW@gmail.com
Tel.: (02 21) 93 46 47-0
Fax: (02 21) 93 46 47-40 (Verw.)

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