Neues PsychVVG: Wohin steuert die Versorgung psychisch kranker Menschen?

Veröffentlicht am 15.09.2016 09:46 von Redaktion RehaNews24.de

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) informiert:

Münster (lwl/tk). Was bringt das geplante „Gesetz zur Weiterentwicklung der Versorgung und der Vergütung für psychiatrische und psychosomatische Leistungen (PsychVVG)“, wenn es das Experiment namens PEPP (Pauschalierendes Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik) ablösen wird? Wie ist die Schere zwischen bestmöglicher Behandlung von psychisch kranken Menschen und ungebremstem Kosten-druck zu schließen? Können mehr „Therapien ohne Bett“ bis hin zu Hausbesuchen durch Klinikkräfte, wie es der LWL und zwei Krankenkassen in Bochum erproben, die höchstmögliche Behandlungsqualität sichern? Auf Einladung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und der Techniker Krankenkasse (TK) zu einer Fachtagung in Münster suchten mehr als 100 Interessierte von der operativen Vor-Ort-Ebene bis hin zu Bundesgesundheitspolitikern Antworten auf diese Fragen.

Mit dem PsychVVG will die Bundesregierung die Vergütung und Versorgung der stationären psychiatrischen und psychosomatischen Behandlung verbessern, Transparenz schaffen und die sektorenübergreifende Behandlung weiterentwickeln. Ein wichtiger Baustein des Gesetzes ist Ambulantisierung. Diese soll gefördert werden und es gilt der Grundsatz „ambulant vor stationär“. Matthias Löb, LWL-Direktor: „Mir persönlich ist die ambulante Versorgung ein wichtiges Anliegen, denn ich halte eine möglichst niedrigschwellige Versorgung der Patientinnen und Patienten für den richtigen Weg. Sie sollten vorrangig in ihrer Lebenswirklichkeit behandelt werden und nicht fernab davon in stationären Kliniken.“

Gleichermaßen sieht es Günter van Aalst, Leiter der TK-Landesvertretung NRW: „Wir benötigen ein Behandlungssystem, das es den psychiatrischen Einrichtungen ermöglicht, den Patienten nach Bedarf individuell – vollstationär, teilstationär, im häuslichen Umfeld und ambulant – zu versorgen.“ Dies setze allerdings eine adäquate Vergütung voraus.

Gegenwärtig sind diese wirtschaftlichen Anreize nicht gegeben. Daran ändert auch das neue PsychVVG nichts. Mögliche Lösungen dieses Problems erproben der LWL gemein-sam mit der TK und dem Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Dort gibt es seit zwei Jahren das Modellprojekt PINAH (Psychiatrie integrativ aus einer Hand). Ziel ist es, die ambulante Behandlung psychisch Erkrankter zu stärken. Das Besondere an PINAH ist: Je nach Bedarf sucht medizinisches, therapeutisches oder pflegerisches Fach-personal aus der LWL-Klinik den Patienten nach seiner stationären oder teilstationären Behandlung in seiner vertrauten familiären Umgebung auf. Damit wollen die Fachleute eine neue Form der „personalisierten Psychiatrie“ weiter vorantreiben. „Unser Ziel ist es, die Behandlungsqualität für psychisch Erkrankte spürbar zu verbessern“, sagt Günter van Aalst.

„PINAH fördert die Durchlässigkeit der Behandlung über die klinikinternen Sektoren sowie die Etablierung eines Bereichs mit Stationsungebundenen Leistungen (SUL) inklusive aufsuchender Leistungen im häuslichen Milieu (Hometreatment). Die SUL sollen prästationär Krisen auffangen helfen, die stationäre Behandlungsdauer deutlich verkürzen und poststationär Behandlungskontinuität sicherstellen“, erklärt Professor Dr. Meinolf Noeker, Landesrat LWL-Krankenhausdezernent. Anhand des Bochumer Modellvorhabens werde aufgezeigt, dass neue Wege zur Verbesserung der Versorgung und Behandlung psychiatrischer Patienten auch an einer psychiatrischen Universitätsklinik innovativ und beispielhaft gut etabliert werden können.

Pressekontakt:
Karl G. Donath, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251591-235 und Beate Hanak, Techniker Krankenkasse, Telefon: 021193600-37, beate.hanak@tk.de, presse@lwl.org

Fotos zu dieser Pressemitteilung können Sie in unserem Newsroom herunterladen.

Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

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