Neue Wege in der medizinischen Rehabilitation

Veröffentlicht am 23.03.2016 10:24 von admin

  1. Networking-Dinner von Softsolution

 


Verfasser:  Staatssekretär a. D. Neithart Neitzel

 

„Neue Wege in der medizinischen Rehabilitation“ – das ist die gemeinsame Aussage für die Referate, die auf dem 3. Networking-Dinner von Softsolution am 29. Februar 2016 in Aachen gehalten wurden. Das Dinner fand am Rand des Rehawissenschaftlichen Kolloquiums der DRV statt. In der mittelfristigen Perspektive müssten in der medizinischen Reha neue Wege beschritten werden, so das Fazit der  unter der sachkundigen Leitung von Heiko Schöne (MEDIAN-Kliniken) geführten Diskussionen.

soft_schoeneEs referierten im historischen Ballsaal im Alten Kurhaus  Professor Dr. Boris Augurzky, Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung, und Thomas Keck, Erster Direktor der DRV Westfalen. Die Referate stießen bei den rund 200 Teilnehmern auf lebhaftes Interesse, so dass sich spannende Diskussionen ergaben.

Schöne wies eingangs auf neue Untersuchungen hin, wonach fast zwei Drittel der Selbständigen und gut ein Drittel der Arbeitnehmer über das heutige Renteneintrittsalter hinaus tätig bleiben wollten. Dieses Potential gelte es durch Prävention und Rehabilitation zu heben.

soft_augurzkyProfessor Dr. Boris Augurzky stellte sein Referat unter das Motto: “Gesundheitspolitische Herausforderungen – Was kann Reha leisten?“  Der Referent wies darauf hin, dass der Anteil des Gesundheitsmarktes am BIP weiter steigen werde, 2013 habe er einen Wert von 11,5 % erreicht. Der Reha-Markt umfasste dabei von der Gesamtsumme von 315 Mrd. € insgesamt 8,7 Mrd. Trotz der guten Konjunktur stiegen die Einnahmen der GKV weniger stark als die Ausgaben, so dass Augurzky mit wachsenden Zusatzbeiträgen rechnete, die im Schnitt 2016 einen Wert von 1,2 % erreichen dürften, wodurch sich ein wachsender Druck auf die Leistungserbringer ergebe.

 

Das Gesundheitssystem habe an einigen Stellen ungünstige Strukturen, so dass es insgesamt den künftigen Herausforderungen nicht gewachsen sei. Als Beispiele nannte Augurzky:

  1. Geringe Patientenzentrierung (Qualität stehe nicht immer im Mittelpunkt), 2. Geringe Steuerung im System, 3. Knappheit an Fachkräften, 4. Geringer Einsatz elektronischer Medien (die IT-Strukturen seien nur schwach ausgeprägt), 5. Kein langfristiges Handeln bei den Krankenkassen (der Nutzen sei untergeordnet, die Orientierung an den Kosten zu stark),
  2. Wenig unternehmerische Freiheit, um Neues auszuprobieren, 7. Geringe Marktdynamik. Insgesamt gebe es großen Handlungsbedarf, auch um Fehlanreize abzubauen.

 

Bis 2050 – so Augurzky weiter – gebe es eine wachsende Nachfrage – mehr Patienten, höherer Anteil Älterer und von Chronikern -, während die Produktionsfaktoren Kapital und Personal sich verknappten. Allein der steigende Anteil von chronischen Patienten verlange – auch in der Rehabilitation – ein Case Management, das den Patienten durch das System begleite. Der geodemografische Wandel verschärfe die Probleme: In den Neuen Bundesländern werde es schrumpfende Regionen geben, in den Alten wachsende, etwa in Bayern, Hamburg und in den Regionen Rhein-Main, Stuttgart und  Oldenburg. Digitalisierung und die Robotik-Technologie würden selbstverständlicher Teil unserer menschlichen Existenz werden, völlig neue Player wie Google oder Facebook beträten etablierte Märkte. Im Gesundheitsmarkt werde es im kommenden Jahrzehnt eine Umwälzung geben. Als Beispiele für Dezentralisierung und Digitalisierung des Angebots nannte Augurzky: Patient im eigenen Wohnzimmer mit Behandlung am Bildschirm, Fernbehandlung, eRezept und Arzneien aus dem 3D-Drucker, Abbau von Informationsasymmetrie durch breite Verfügbarkeit von medizinischem Knowhow, zum Gesundheitszentrum selbst fahrender PKW für ältere immobile Patienten. Am Beispiel Dänemarks erläuterte der Referent diese Visionen.

 

Die Frage sei – so Augurzky -, was Reha vor diesem Hintergrund leisten könne. Jedenfalls könne man heute bereits feststellen, dass Reha wirkt. Das sei das Ergebnis eines RWI-Gutachtens von 2015, das sein Institut 2015 bei Versicherten der DRV Rheinland und Westfalen erhoben habe. Zentrales Problem bei der Untersuchung sei jedoch gewesen, dass es keine Vergleichsgruppe gegeben habe. Man müsse eine solche aber schaffen, um die Frage beantworten zu können, wie Gesundheitszustand und Erwerbsverlauf eines Rehabilitanden aussähen, wenn keine medizinische Rehabilitationsleistung erfolgt wäre. Die bisherige Untersuchung ergebe nur verhalten positive Effekte der Reha, es sei zu empfehlen, einen Datenbestand zum Zweck der späteren Evaluation aufzubauen. Durch neue Untersuchungen könne man feststellen, welche neuen Wege Reha gehen müsse: Einsatz moderner Technologie und von Robotik, stärker wohnortnah angesiedelte Reha, Reha im häuslichen Umfeld und Reha als Teil von ländlichen Gesundheitszentren.

 

soft_keckDer Beitrag von Thomas Keck stand unter dem Motto: „Reha = Erfolgsmodell? Was es tatsächlich für eine erfolgreiche nachhaltige berufliche (Re-)Integration braucht“. Keck wies darauf hin, dass Reha oftmals erster Anstoß zur Lebensstiländerung sei. Offensichtlich sei das in den Indikationen, in denen es um existentielle Fragen geht, wie der Kardiologie und der Onkologie. Aber schwieriger sei das schon in anderen Indikationen wie z. B. der Orthopädie und der Psychosomatik. In jedem Fall benötige eine nachhaltige Lebensstiländerung Zeit und sei nicht durch eine drei-oder sechs-wöchige Reha-Maßnahme kurzfristig zu erreichen, vielmehr müsse man einen Plan für fünf oder zehn Jahre haben, was für die Rentenversicherung bedeute, dass sie die Nachsorge intensivieren  und ein Case Management aufbauen müsse.

 

soft_publiDie DRV – so Keck weiter – verfüge zwar über vielfältige Instrumente zur Erfolgsmessung, aber Vergleichsgruppen, wie Augurzky sie gefordert habe, gebe es z. B. nur, wenn man die abgelehnten Anträge untersuche. Das werde die DRV Westfalen 2016 beginnen, und zwar zunächst bei den F-Diagnosen in der Psychosomatik. Wenn sich dabei bei einzelnen Antragstellern eine abstrakte Gefährdung ergebe, könne man diesen z. B. Präventionsleistungen anbieten. Neben der (Re-)Integration in das berufliche Umfeld stünden auch soziale Aspekte im Fokus. Daher müsse die DRV auch Instrumente entwickeln und testen, mit denen sich Lebensqualität messen lässt. Es müssten darüber hinaus verlässliche Instrumente entwickelt werden, um einen niederschwelligen Zugang für ein möglichst frühzeitiges Zugehen auf den Versicherten zur Identifikation von Reha- und Präventionsbedarf zu erhalten. Auch eine Forschung über zeitlich flexibel gestaltete Rehabilitation  sei erforderlich, z. B. zur Intervall Reha in kurzen Sequenzen. Insgesamt benötige man flexiblere Reha-Modelle, bei denen der Zeitraum der Begleitung des Versicherten durch die DRV auf maximal zehn Jahre erweitert werde, z. B. durch Teilnahme an Refresher-Tagen und regelmäßige Kontakte zu dem Case Manager. Diese Flexibilisierung bringe zwar für die Leistungserbringer einen erhöhten Planungsaufwand mit, gebe diesen aber auch die Chance, sich frühzeitig auf einen sich verändernden Reha-Markt einzustellen und sich damit im Wettbewerb um die zurückgehende Anzahl der Rehabilitanden langfristig zu behaupten.

Zum Thema Case Management wies Keck darauf hin, dass die DRV Westfalen bereits Sachbearbeiter zu Case Managern ausgebildet habe. Erste Erfahrungen mit ihrem Einsatz an den Schnittstellen der Versorgungssysteme und zum Arbeitsmarkt  seien positiv. Dieses neue Instrument ermögliche es, Reha-Leistungen auf die individuellen Bedarfe abzustimmen und den Versicherten so lange zu begleiten, bis er dauerhaft in den Arbeitsmarkt (re-)integriert sei.

In der Diskussion zu diesem Referat wurde begrüßt, dass die DRV  Überlegungen für eine Flexibilisierung der Reha-Dauer anstelle, nachdem frühere Intervall-Behandlungen abgeschafft worden seien. Der ganzheitliche Ansatz der medizinischen Rehabilitation – so die Teilnehmer – werde durch die Einführung von Case Managern verstärkt.

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