Masterplan Medizinstudium 2020: Mehr interprofessionelle Zusammenarbeit und Kommunikation

Veröffentlicht am 26.06.2018 11:52 von Redaktion RehaNews24

Das Medizinstudium soll zukünftig stärker an den Bedürfnissen der Patienten und den Erfordernissen der Gesellschaft ausgerichtet werden und die Arzt-Patienten-Kommunikation dabei ein besonderes Augenmerk erhalten: Von einem gelungenen Gespräch zwischen Arzt und Patient hängen die Arzt-Patient-Beziehung, der Behandlungserfolg und die Zufriedenheit der Patienten ab. Über 100 Experten von medizinischen Fakultäten und Verbänden erarbeiteten im Klinikum Nürnberg, wo die Paracelsus Medizinische Privatuniversität seit 2014 das Studium der Humanmedizin anbieten, Konzepte zum Thema “Masterplan Medizinstudium 2020: Kommunikative und interprofessionelle Kompetenzen in Lehre und Prüfung stärken”.

Veranstalter der Arbeitstagung im Klinikum Nürnberg waren das Institut für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) aus Mainz und der Bereich Bildung und Wissenschaft im Klinikum Nürnberg. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Nürnberg wurde 2014 gegründet und ist zweiter Standort der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg. In Nürnberg werden jährlich 50 Medizinstudierende ausgebildet. Das Curriculum orientiert sich eng an der Ausbildung der amerikanischen Mayo-Medical School. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität kooperiert zudem mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland.

Masterplan Medizinstudium 2020

Der “Masterplan Medizinstudium 2020” für Medizinstudierende wurde im März 2017 von Vertretern der Gesundheits- und Wissenschaftsministerien von Bund und Ländern und der Koalitionsfraktionen des Bundestages gemeinsam verabschiedet. Er will mit einem Bündel von Maßnahmen erreichen, dass das Medizinstudium zukünftig stärker an den Bedürfnissen der Patienten und den Erfordernissen der Gesellschaft ausgerichtet wird und die Arzt-Patienten-Kommunikation dabei ein besonderes Augenmerk erhält. Geleitet wird dies aus der Erkenntnis, dass von einem gelungenen Gespräch zwischen Arzt und Patient nicht nur die Arzt-Patient-Beziehung, sondern auch der Behandlungserfolg und damit die Zufriedenheit der Patienten abhängen.

Ebenso unerlässlich für die Qualität der Patientenversorgung ist eine klare und wertschätzende Kommunikation zwischen den Berufsgruppen im Behandlungsteam. “Die gute und präzise Übergabe von Patientinnen ist zentral für die Patientensicherheit, wird aber bisher nur an der Hälfte der Fakultäten gelehrt und praktisch nicht geprüft. Das wollen wir gemeinsam ändern”, so Prof. Jana Jünger, die Direktorin des IMPP aus Mainz. Deshalb sei es wichtig, schon während der Ausbildung kommunikative und interprofessionelle Kompetenzen zu trainieren, wie es auch “Masterplan Medizinstudium 2020“ für Medizinstudierende vorgesehen ist.

Weichenstellung für mehr Interprofessionalität

Auf der Nürnberger Tagung wurden jetzt wichtige Weichen für die Stärkung der kommunikativen und interprofessionellen Kompetenzen in Lehre und Prüfung gestellt. Das IMPP, bundesweit zentral zuständig für die Entwicklung und Durchführung medizinischer Staatsexamen, hat nicht ohne Grund das Klinikum Nürnberg als Veranstaltungsort gewählt.

Hier findet ein in Deutschland bislang einmaliges interprofessionelles Lehrprojekt statt: Studierende der Medizin am Nürnberger Standort der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Studierende im Studiengang Pflege-Dual der Evangelischen Hochschule Nürnberg und Schülern der Krankenpflegeschule des Klinikums Nürnberg absolvieren binnen drei Jahren regelhaft ein gemeinsames interprofessionelles Curriculum mit den Themen Fehlerkultur, Notfallversorgung, Ethik, Wundmanagement, Anamnese/Übergabe oder Überbringen schlechter Nachrichten.

“Wer später im Krankenhaus gut zusammenarbeiten soll, kann nicht früh genug damit beginnen”, sagt Dr. Stephan Kolb, Leiter des Bereichs Bildung und Wissenschaft im Klinikum Nürnberg und Geschäftsführer des Nürnberger Standortes der Paracelsus Universität. Die Erfahrungen in Nürnberg zeigten, dass die künftigen Pflegenden und Ärzten das interprofessionelle Lernen für ihr späteres Berufsleben relevant finden und die gemeinsame Lehre gut bewerten.

Förderung durch die Robert Bosch-Stiftung

Das Bundesministerium für Gesundheit und die Robert Bosch-Stiftung fördern die stärkere Ausrichtung auf kommunikative und interprofessionelle Aspekte in Lehre und Prüfung im Medizinstudium sowie den anderen Gesundheits- und Heilberufen. Die Entwicklung eines „Mustercurriculums für Interprofessionelle Zusammenarbeit und Kommunikation“ unter Federführung des Instituts für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Heidelberg, der Universität Bremen und der Charité-Universitätsmedizin Berlin leistet einen wesentlichen Beitrag dazu und wird von der Robert Bosch-Stiftung gefördert.

Mustercurriculum für Arzt-Patient-Kommunikation als Pilotprojekt

Das Bundesministerium für Gesundheit fördert zudem die Pilotimplementierung des Mustercurriculums für Arzt-Patient-Kommunikation an den vier Standorten Hamburg, Heidelberg, Mainz und Magdeburg sowie die Entwicklung der Prüfungsformate und -aufgaben zur Überprüfung kommunikativer Kompetenzen im Staatsexamen. “Zukünftig werden Ärzte in ihrem Berufsalltag zunehmend auf kommunikative und interprofessionelle Kompetenzen angewiesen sein. Zwar gibt es bereits Modellansätze in der Lehre, die diese Fähigkeiten vermitteln und stärken, allerdings fehlt die flächendeckende Implementierung sowie standardisierte Prüfungsformen, mit denen diese Kompetenzen fair und zuverlässig geprüft werden können”, so Jünger.

Auf dem Nürnberger Arbeitstreffen wurden nicht nur erfolgreiche interprofessionelle Praxisprojekte vorgestellt, wie z.B. interprofessionelle Ausbildungsstationen für Medizinstudierende und Pflegeschüler, sondern auch neue interprofessionelle Prüfungsformate entwickelt, z.B. für wichtige kommunikative Situationen im Krankenhaus wie Anamnesen oder Übergaben.

Kontakt:
Dr. Stephan Kolb
Klinikum Nürnberg, Bereich Bildung und Wissen
Tel: (0911) 398-3750
E-Mail: Stephan.kolb@klinikum-nuernberg.de

Weitere Informationen:
http://www.impp.de
http://www.klinikum-nuernberg.de

Quelle: https://idw-online.de/de/news698063, 22.06.2018

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