Kongresspräsidenten-Interview: 7. Gemeinsame Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation e. V. und der Deutschen Gesellschaft für Neurotraumatologie und Klinische Neurorehabilitation e. V.

Veröffentlicht am 20.11.2018 10:50 von Redaktion RehaNews24

Zu aktuellen Erkenntnissen und Trends in der Rehabilitation von Neurologischen und Neurochirurgischen Erkrankungen findet die 7. Gemeinsame Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation (DGNR) e. V. und der Deutschen Gesellschaft für Neurotraumatologie und Klinische Neurorehabilitation (DGNKN) e. V. vom 06.-08.12.2018 in Erlangen statt. Zu Schwerpunkten und Highlights geben die Kongresspräsidenten Prof. Dr. med. Dennis Nowak, Kipfenberg, und Dr. med. Wilfried Schupp, Herzogenaurach, vorab erste Einblicke.

Alle Informationen sowie das wissenschaftliche Programm gibt es unter www.dgnr-dgnkn-tagung.de.

Kongress-Highlights und Schwerpunkte – Theorien, Techniken, Trends in der Neurorehabilitation 

Erlangen. Wie hilft Neurorehabilitation Patienten, deren Nervensystem geschädigt ist – etwa nach einem Schlaganfall, einer Rückenmarksverletzung oder einem Schädel-Hirn-Trauma?  In welchen Bereichen gibt es aktuelle Weiterentwicklungen und verbesserte Therapiemöglichkeiten? Die Rehabilitation von Neurologischen und Neurochirurgischen Erkrankungen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem dynamisch wachsenden Fachgebiet entwickelt. Neue Erkenntnisse zu Theorien, Techniken und Trends werden auf der 7. Gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation (DGNR) e. V. und der Deutschen Gesellschaft für Neurotraumatologie und Klinische Neurorehabilitation (DGNKN) e. V. vom 06.-08.12.2018 in Erlangen diskutiert. Die Tagungspräsidenten Prof. Dr. med. Dennis Nowak, Chefarzt HELIOS Klinik Kipfenberg und Dr. med. Wilfried Schupp, Chefarzt m&i-Fachklinik Herzogenaurach, geben vorab erste Einblicke in Schwerpunkte und Highlights des multiprofessionellen Kongresses mit hochspezialisierten Medizinern, klinischen Wissenschaftlern und Therapeuten.

Aktuelle Fragestellungen, neue Erkenntnisse und die Zukunft der Neurorehabilitation sind Schwerpunkte des Kongresses. Welche Weiterentwicklungen in der Rehabilitationstherapie und neue Behandlungsstrategien werden in den 22 Sitzungen und 12 Workshops zu allen Bereichen der Neurorehabilitation vorgestellt? 

Prof. Nowak: „Besondere Schwerpunkte sind aus meiner Sicht aktuelle Erkenntnisse zur Hirnplastizität nach Schlaganfall, moderne Techniken zur Unterstützung des Rehabilitationsverlaufes und die Rehabilitation sehr schwer hirngeschädigter Menschen. In diesen Bereichen hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel bewegt.“

Dr. Schupp: „Ein bis heute stark vernachlässigter Bereich ist die ambulante Nachsorge und Langzeitbetreuung, die aber für die Nachhaltigkeit und Lebensqualität sehr wichtig ist. Daher gibt es bei der Tagung auch hierzu entsprechende Symposien. Wichtig ist auch, dass alle in der Neurorehabilitation tätigen Berufsgruppen – das “Neuroreha-Team” – zusammen kommen, Beiträge leisten und gemeinsam diskutieren.“

Hochspezialisierte Mediziner, Wissenschaftler und Therapeuten stellen aktuelle Studien im Bereich der Neurorehabilitation und neue Behandlungsmöglichkeiten in der Rehabilitationstherapie vor. Auf welche Tagungs-Highlights sind Sie besonders gespannt? Und welche Schwerpunktthemen liegen Ihnen besonders am Herzen und welche Trends versucht der Kongress auszuloten?

Prof. Nowak: „Ich freue mich natürlich auf den Vortrag unseres Keynote Speakers, Professor Randolph Nudo. Er ist einer der weltweit führenden Rehabilitationswissenschaftler und seine Forschung zur Plastizität des Gehirns nach Schädigung hat den Weg bereitet für ein modernes Zeitalter der Rehabilitation nach Hirnschädigung. Highlights sind für mich die Symposien zu Hirnplastizität und Neuromodulation, die Symposien zum Einsatz neuer Techniken, wie Robotertherapie, Apps und technische Hirnstimulation, aber auch die Rehabilitation von sehr schwer hirngeschädigten Menschen und die politische Diskussion zu den künftigen Rahmenbedingungen der Neurorehabilitation.“

Dr. Schupp: „Für mich sind auch die von den verschiedenen Therapieberufen organisierten Sitzungen hochinteressant, seien es komplementäre Interventionen in der motorischen Rehabilitation , Studien zur Wirksamkeit therapeutischer Pflege oder zum Stellenwert sozialer Arbeit. Da ich die Ehre hatte, als junger Reha- und Sozialmediziner an der Erarbeitung des Phasenmodells  in der Neurorehabilitation vor über 20 Jahren mitzuwirken,  bin ich gespannt, wie die Analyse für dessen Zukunft aussieht. Dazu passt, dass wir ausloten, wie sich die verschiedenen (Neuro)Reha-Träger (DRV, DGUV, GKV) die Weiterenticklung vorstellen und sie ihrer sozialrechtlichen Verantwortung für die Versorgung nachkommen wollen. Der Trend zu neuen Organisationsformen und  Versorgungsstrukturen wird gesetzlich eingefordert.”

In der Neurorehabilitation gab es in verschiedenen Bereichen erhebliche Entwicklungen. Welche neuen Erkenntnisse oder Ansätze werden vorgestellt und diskutiert, um Menschen mit Funktionsbeeinträchtigungen in der Rehabilitationstherapie noch weiter zu unterstützen?  

Prof. Nowak: „Spannend ist die sogenannte nicht invasive Hirnstimulation. Hier wird versucht, das Gehirn durch seriell applizierte Magnetimpulse oder Strom bei der Erholung nach einer Schädigung zu unterstützen. Aufgrund der Fülle der zwischenzeitlich vorliegenden Daten ist nunmehr die Frage erlaubt, ob die Technik bereits bereit für einen flächendeckenden Einsatz ist. Ein weiteres interessantes Thema ist die Langzeitbeatmung und Beatmungsentwöhnung, die seit mehreren Jahrzehnten eine Domäne der neurologischen Frührehabilitation ist.“

Dr. Schupp: „Zu den Trends möchte ich noch ausführen, dass wir in der Podiumsdiskussion ausloten, wie sich die Rahmenbedingungen weiter entwickeln werden. Wird Lebensqualität ein gleichrangiges Ziel zu Teilhabe? Wie wird der (mutmaßliche) Wille  der Betroffenen im rehabilitativen Tun berücksichtigt, wann ist palliatives Vorgehen  die richtige Entscheidung. Dazu passt, dass wir in der internationalen Sitzung Eindrücke erhalten, wie sich Neurorehabilitation in anderen Ländern der Welt entwickelt und wie wir international zusammen arbeiten können.“

Besondere Kongress-Highlights werden wieder die Experten-Vorträge sein. Zur Kongresseröffnung wird der international renommierte Gastredner Randolph J. Nudo aus Kansas, USA sprechen. Worüber wird er sprechen?

Prof. Nowak: „Professor Nudo ist ein weltweit anerkannter Experte auf dem Gebiet der Plastizität des Gehirns nach Schädigung. Seine frühen Experimente zur Veränderung der kortikalen Repräsentation von Handmuskeln nach einer Hirnschädigung und während des Erholungsverlaufes haben wesentlich beigetragen, die Prozesse, die eine Hirnschädigung etwa durch Schlaganfall begleiten, zu verstehen und das Konzept des gezielten Trainings zum Wiedererwerb verlorengegangener Funktionen wissenschaftlich belegt.“

Dr. Schupp: „Neuroplastizität ist die wichtigste neurobiologische Grundvoraussetzung, dass wir mit unserem therapeutischen Tun in der Neurorehabilitation Erfolge erzielen können. Wir müssen immer besser verstehen und erarbeiten, wie wir die von der Evolution uns Menschen gegebenen Prozesse der Reparatur, Um- und Neuorganisation im Nervensystem fördern und nutzen können.  Aber auch die Grenzen der Neuroplastiztät bei schwersten Schädigungen oder im Alter sind festzulegen, um sachgerechte Therapieentscheidungen treffen zu können.“

Ein wichtiger Fokus  des Kongresses liegt auf der multiprofessionellen Zusammenarbeit bei Patienten mit erworbenen Hirnschäden, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder einem Hirntumor. Was bedeutet das für die Patienten?

Prof. Nowak: „Der Patient muss sich darauf verlassen können, dass das gesamte Behandlungsteam gemeinsam daran arbeitet, dass er sich seiner Einschränkungen im privaten und beruflichen Umfeld bestenfalls entledigt oder aber bestmöglich damit umzugehen lernt, um ein Optimum an Teilhabe zu erlangen. Teambildung ist in Deutschland seit Jahrzehnten ein gelebtes Konzept in der neurologischen Rehabilitation. Aufgrund der Komplexität des Alltags und der individuellen Behandlungssituation ist es gar nicht anders möglich, einen hirngeschädigten Menschen umfassend zu behandeln und zu beraten. Dabei arbeitet die moderne neurologische Rehabilitation erkenntnisgetrieben und evidenzbasiert.“

Dr. Schupp: „Neurorehabilitatives Tun gelingt nur im Team aus Ärzten, Pflege, Physio-, Ergo-, Sprach- und Schlucktherapie, (Neuro)Psychologie und Sozialer Arbeit. Diese Berufsgruppen bilden das Kernteam. Je besser das Team zusammenarbeitet, desto größer der Erfolg, zeigen erste Studien zu diesem Thema.  In der stationären und ambulanten Rehabilitation ist das Team in Deutschland wie in vielen Ländern Standard.  Aber in Nachsorge und ambulanter (Langzeit)Betreuung stehen die Rahmenbedingungen dem entgegen.  Neue Versorgungskonzepte sind zu entwickeln, um Teilhabe am familiären,  beruflichen und gesellschaftlichen  Leben zu ermöglichen und Lebensqualität zu fördern.“

Wir bedanken uns sehr herzlich für das Interview!

Pressekontakt:
Kerstin Aldenhoff
Tel.: +49 172 3516916
Kerstin.Aldenhoff@conventus.de
www.dgnr-dgnkn-tagung.de

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