Experten diskutieren beim 21. Klinikvertretertreffen der Deutschen Tinnitus-Liga e. V.

Veröffentlicht am 06.02.2018 11:20 von Sabine Wagner

Seit über 20 Jahren sind die Tinnitus-Kliniken und die Selbsthilfe hierzulande vernetzt: Auf Einladung der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL) trafen sich auch in diesem Jahr wieder rund 60 Experten in der Habichtswald-Klinik in Kassel-Bad Wilhelmshöhe. Die Fachleute aus Tinnitus-Kliniken und ambulanten Tinnitus-Zentren, HNO-Ärzte, Psychotherapeuten und Hörakustiker tauschten sich am 3. Februar 2018 über Behandlungsmöglichkeiten bei Ohrgeräuschen aus. Diesmal standen Vorträge und Workshops über Hörgeräte, Resilienz, Hypnosetherapie, Musiktherapie und die Versorgung mit Cochlea-Implantaten auf dem Programm.

Volker Albert, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Tinnitus-Liga e. V., DTL-Geschäftsführer Michael Bergmann sowie die Verwaltungsleiterin der Habichtswald-Klinik Tanja Löwenstein hießen die Teilnehmer des 21. Klinikvertretertreffens und 13. TRT-Treffens herzlich willkommen. Volker Albert stellte die von der DTL geplante Aktion des „Tinnitus-Selbsthilfe-freundlichen Krankenhauses“ vor, die die Kooperation zwischen den Kliniken und der DTL sowie ihrer Selbsthilfegruppen vor Ort noch weiter verbessern soll. In seiner Begrüßungsrede sprach er zudem an, dass es zu wenig ambulante Psychotherapeuten gebe, die sich mit Patienten mit Hörschädigungen auskennen.

Experten aus ganz Deutschland kamen zum 21. Klinikvertretertreffen und 13. TRT-Treffen der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. nach Kassel. Foto: Sabine Wagner.

Dass die Experten der DTL stets auf dem neuesten Stand der Forschung sind, zeigte sich einmal mehr, als aus aktuellem Anlass einer jüngst publizierten US-amerikanischen Studie kurzerhand noch ein Beitrag von Dr. Helmut Schaaf, Leitender Oberarzt der Tinnitus-Klinik Dr. Hesse, über die „Tinnitus-Beeinflussung durch bi-modale Stimulation“ ins Programm genommen wurde. Prof. Dr. Dr. Gerhard Goebel, stellvertretender Vorsitzender der DTL, berichtete im Anschluss über die Entwicklung der Tinnitus-Behandlung in den Krankenhäusern und Rehakliniken. Gemäß den Angaben von 16 Kliniken ließen sich im Jahr 2017 insgesamt 5089 Tinnitus-Patienten dort behandeln; 3794 Patienten unterzogen sich einer Rehabilitation, 1161 einer Krankenhausbehandlung, und in 134 Fällen fand eine Unfallbehandlung statt.

Über „Moderne Hörgeräte bei Tinnitus“ sprach Dr. Martin Kinkel von KIND Hörgeräte. Seit 1996 gebe es digitale Hörgeräte und in diesen mehr als 20 Jahren habe sich deren Rechenleistung mehr als verhundertfacht. Mit der Erhöhung des Festbetrages für Hörgeräte im Jahr 2013 gingen auch erhöhte Anforderungen an Hörgeräte einher. So zeichneten sich moderne Hörgeräte unter anderem durch Mehrkanaligkeit, die Einstellung auf den individuellen Hörverlust, eine aktive Rückkopplungsunterdrückung und durch Störschallreduktion mittels Modulationsanalyse aus. Hörgeräte können auch hilfreich sein bei Tinnitus: So werde das auditorische System besser durch Umweltgeräusche beschäftigt und das Ohrgeräusch könne so überdeckt werden.

Der Begriff „Resilienz“ wird im Deutschen häufig im Sinne von Widerstandskraft oder Widerstandsfähigkeit benutzt. Mykola Fink, Leitender Psychologe der Schön Klinik Bad Bramstedt, zeigte in seinem Beitrag auf, wie Resilienz dazu beitragen kann, eine für die psychische und physische Gesundheit förderliche Verhaltensweise zu entwickeln. Er beschrieb, wie man durch Veränderungen im Denken und Verhalten Fähigkeiten erlangen kann, um besser mit Schwierigkeiten im Leben, Krisen oder auch Schicksalsschlägen umzugehen. Der Diplom-Psychologe Detlef Kranz führte in seinem Referat in die „Möglichkeiten der modernen Hypnosetherapie bei Tinnitus“ ein. Kranz zufolge sei die Hypnotherapie nur sinnvoll, wenn sie in eine andere Therapieform, beispielsweise die Verhaltenstherapie, eingebunden sei. Dabei sei nicht die Trance selbst die Therapie, sondern die Trance werde in der psychotherapeutischen Arbeit genutzt: In Trance werden Gefühle intensiver erlebt und man habe besseren Zugang zu unbewussten Prozessen und Gefühlen.

In seinem Workshop am Nachmittag vertiefte Detlef Kranz das Thema „Hypnosetherapie“ noch weiter mithilfe von Gruppenübungen. Dr. Heike Argstatter vom Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung DZM e. V. in Heidelberg hielt einen Workshop über „Musiktherapie bei Tinnitus“ und ging dabei auch auf die Musiktherapie bei Cochlea-Implantat-Trägern ein. Im Workshop „Qualitätssicherung in der CI-Versorgung“ erläuterte Dr. Roland Zeh von der MEDIAN-Kaiserberg-Klinik in Bad Nauheim die verschiedenen Komponenten der Rehabilitation nach der Versorgung mit einem Cochlea-Implantat.

Der gemeinsame Qualitätszirkel der Klinik- und TRT-/ADANO-VertreterInnen aus dem ambulanten und stationären Bereich wurde gemäß der aktuell gültigen Fortbildungsordnung der Landesärztekammer Hessen, den zugehörigen Richtlinien sowie der Empfehlungen der Bundesärztekammer zur ärztlichen Fortbildung unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Dr. Gerhard Goebel durchgeführt.

 

Über die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL)
Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL) vertritt als gemeinnützige Selbsthilfeorganisation die Interessen der Patienten mit Tinnitus, Hörsturz, Hyperakusis und Morbus Menière sowie ihrer Angehörigen. Rund 12.000 Mitglieder machen die DTL zum größten Tinnitus-Zusammenschluss in Europa und zum anerkannten Partner des Gesundheitswesens in Deutschland. Über 800 Fachleute gehören der DTL als Partner und fördernde Mitglieder an, darunter renommierte Wissenschaftler, HNO-Ärzte, Ärzte weiterer Disziplinen, Hörakustiker, Psychologen und Therapeuten. Außerdem werden rund 90 Selbsthilfegruppen in Deutschland durch die DTL betreut. Gegründet wurde die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. 1986 in Wuppertal. Weitere Infos: www.tinnitus-liga.de

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