Heute schon an morgen denken: Heim-Konzepte der Zukunft werden prämiert

Veröffentlicht am 08.10.2013 15:58 von c.schwetasch

Sächsischer Altershilfepreis 2013 wird auf der PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG verliehen

Knapp 20 Nominierte bemühen sich um den diesjährigen Sächsischen Altershilfepreis. Gesucht wurden Heim-Konzepte, die den Bewohnern auf innovative Art und Weise ein Leben in Privatheit, in Gemeinschaft aber auch in der Mitte der Gesellschaft ermöglichen. Neben dem Hauptpreis in Höhe von 5.000 Euro winken je ein Anerkennungs- und ein Sonderpreis. Überreicht werden diese durch die Schirmherrin des Sächsischen Altershilfepreises, Staatsministerin Christiane Clauß, am 16. Oktober auf der PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG (15. bis 17. Oktober 2013).

„Wir hatten diesmal die Qual der Wahl“, erklärt Uwe Martin Fichtmüller, Vorsitzender des Fördervereins Sächsischer Altershilfepreis e. V. „Ganz unterschiedliche Vorschläge wurden eingereicht, die alle mit ihren jeweiligen Besonderheiten punkten konnten. Beeindruckt hat uns vor allem die hohe Qualität und der Innovationsgehalt der Konzepte.“ Um sich ein noch besseres Bild zu machen, hat die Jury nahezu alle Bewerber besucht und die Ideen auch vor Ort bewertet. Bekanntgegeben werden die Gewinner direkt bei der Preisverleihung im Rahmen der PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG am 16. Oktober 2013 von 14.00 bis 17.00 Uhr.

Demenzerkrankten Sicherheit geben

Das Bundesgesundheitsministerium geht derzeit von 1,4 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen aus. Bis 2030 könnte sich die Zahl auf etwa 2,2 Millionen drastisch erhöhen. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels bereiten sich zahlreiche Pflegeeinrichtungen schon heute auf die Anforderungen der Zukunft vor und entwickeln Lösungen für eine optimale Versorgung von Menschen mit Demenz.

So setzt die Altenheimgesellschaft Muldental Brandis auf eine familienorientierte Wohnbereichspflege und unterstützt dementiell Erkrankte beim Verstehen, Einordnen und Verarbeiten des Alltags zur Vermeidung von Überforderung. Im ASB Seniorenzentrum „Am Schlossberg“ Pirna wurde eine separate Wohngruppe mit 12 Plätzen eingerichtet, um die Bewohner möglichst individuell zu fördern. Auch das SeniorenHaus „Albert Schweitzer“ der Diakonie Riesa stellte sich den geänderten Anforderungen. Ursprünglich für weitestgehend selbstständige Bewohner gebaut, musste in den vergangenen Jahren auf die stark gestiegene Anzahl an dementen Bewohnern und Menschen mit Einschränkungen der Alltagskompetenz reagiert werden. 2002 wurde das Konzept erstmals auf neue Bedingungen abgestimmt, nun sind weitere bauliche Maßnahmen geplant.

Weniger Abgrenzung, mehr Gemeinschaft

Wie ein Leben im Alter in der Gemeinschaft aussehen kann, zeigen mehrere Bewerber. So hält das Seniorenpflegeheim des ASB Zwickau „Willy Stabenau“ ein spezielles Angebot für schwerst Pflegebedürftige mit Demenzerkrankungen bereit. In einer Pflegeoase im Chalet-Stil stehen bis zu zehn Einzelzimmer zur Verfügung, die um einen Wohn- und Küchenbereich positioniert sind. Durch spezielle Türen ist eine vollständige Öffnung der Zimmer möglich, sodass die Bewohner immer akustischen, olfaktorischen und visuellen Kontakt zum Geschehen des Betreuungsmittelpunktes haben. Normalität soll auch in der Hausgemeinschaft „Haus Abendsonne“ der Diakonie Auerbach gelebt werden. In drei Wohngruppen mit bis zu zehn Bewohnern werden möglichst viele Aktivitäten des ehemaligen Alltags fortgeführt. Gemeinsam mit den Betreuern bereiten die Betroffenen beispielsweise alle Mahlzeiten selbst zu. Beim ASB-Projekt „Am Sonnenberg“ in Leipzig geht es darum, die sozialen Kontakte der Pflegebedürftigen weitestgehend zu erhalten. Deswegen wurden unter anderem Angebote wie die Tagespflege, das Seniorenwohnen, das Bildungszentrum und die ambulante Pflege intensiv vernetzt. „Da-Heim im Stadtteil“ hat sich das zur Volkssolidarität Dresden gehörende Pflegeheim Leubnitz auf die Fahnen geschrieben. Ob Jugendliche vom Jugendtreff, Auszubildende oder Ehrenamtliche der Kirche: Viele Menschen aus dem Stadtteil bringen sich hier ein und gestalten Spielenachmittage, Vorleseabende oder andere Veranstaltungen.

Mehr Erleben für alle Generationen

Etliche Nominierte für den Sächsischen Altershilfepreis zeigen, wie alle Generationen voneinander profitieren können. Im Pflegeheim „Borna West“ haben Schüler des Kunstkurses der Dinterschule für die demenzerkrankten Bewohner einen Snoezelenraum eingerichtet. Unter dem Motto „Unterwasserwelt“ lädt dieser Raum der Sinne zum Erholen und Entspannen ein. Für Menschen, die aufgrund der Erschließung neuer Braunkohle-Abbaugebiete in der Lausitz umsiedeln mussten, wurde in der Gemeinde Schleife eine Mehrgenerationen-Anlage gebaut. Im dazugehörigen Sozialen Zentrum „St. Barbara“ vom Martinshof Rotheburg Diakoniewerk werden vielfältige Dienstleistungen angeboten, unter anderem eine Sozialstation und Möglichkeiten der Tages- oder Verhinderungspflege.

„Senioren lernen von Kindern“ – unter dieses Thema haben die Städtischen Altenpflegeheime Leipzig mehrere Projekte gestellt. Durch gemeinsame Aktivitäten wie Musizieren und Singen, Kochen und Backen oder das Anlegen eines kleinen Kräuter- und Gemüsegartens soll das Zusammenleben von Jüngeren und Älteren nachhaltig gestärkt werden. Eine „generationenüberschreitende Symbiose aller Beteiligten“ wünscht sich der ASB Görlitz. Mit Schülern einer Mittelschule lernten die Bewohner des Seniorenzentrums zum Beispiel die „WII“ kennen. Auch die Mitarbeiter werden in diesen Ansatz einbezogen: So wurde ein Arbeitsplatz für eine Tagesmutti vor Ort eingerichtet, damit die Kinder der Beschäftigten flexibel untergebracht werden können. Das SAS Seniorenheim Geithain stellt ebenfalls die generationenübergreifenden Kontakte ins Zentrum seiner Philosophie. Durch die Gründung eines lokalen Netzwerkes, zu dem auch eine Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige zählt, ist es inzwischen zur wichtigsten Anlaufstelle rund um die Pflege in der Region geworden.

Ländlicher Raum, Hotel statt Heim oder Sinnesgärten: frische Ideen für die Pflege

Auch andere Einreichungen bringen frischen Wind in die tägliche Pflege und sorgen für zukunftssichere Konzepte. Auf 5.000 Quadratmetern hat die AWO Cossebaude einen Sinnesgarten der Extraklasse angelegt. Von der Freilichtbühne, über einen Lehmbackofen und Sportgeräte bis hin zu einem Freitiergehege für Nandus und Ziegen wird viel geboten, um das „Draußen“ mit allen Sinnen zu erleben.

Die SenVital Senioren- und Pflegezentrum Chemnitz Niklasberg GmbH nahm sich die Hotelbranche zum Vorbild. Ambiente und Dienstleistungsorientierung stehen im Vordergrund, Betreuung und Pflege werden erst auf den zweiten Blick sichtbar.

Mit dem Altwerden in ländlicher Umgebung beschäftigt sich die Diakonie Bautzen im Altenpflegeheim „Zur Heimat“. Speziell für männliche Bewohner wurde auf dem Freigelände eine „Männerwerkstatt“ eingerichtet, in der lebensprägende Tätigkeiten um Haus und Hof möglich sind. „Am Auersberg“ im erzgebirgischen Eibenstock wurden ebenfalls Angebote entwickelt, um den Bewohnern im ländlichen Raum ein Leben in Achtung und Würde zu gewährleisten. Dabei ging es in erster Linie darum, zahlreiche Dienstleistungen im Ort zu vernetzen und so einen niedrigschwelligen Zugang zu sichern.

Künstlerisch geht es in der Diakonie Leipzig zu. Im Pflegeheim „Marienheim“ treffen sich jeden Montag „drei Peter und ein Harry“ zum Malen, Gestalten, Fotografieren. Unter Anleitung einer Kunstpädagogin probierten sie viele Techniken und Stile aus. Auf diese Weise entstanden schon ein Kalender und mehrere Ausstellungen.

Einen ganz anderen Ansatz wählte die AWO Dippoldiswalde. Im „Haus Waldblick“ wird seit 2012 erprobt, inwiefern „Gemeinschaftspartner“ die klassische Aufteilung in die Funktionsbereiche Pflege, Hauswirtschaft und soziale Betreuung überwinden können. Die Mitarbeiter werden dafür speziell geschult und arbeiten gemeinsam zum Wohle der Pflegebedürftigen.

Frische Ideen im wahrsten Sinne des Wortes zeigt das Pflegeheim „St. Barbara“ der Diakonie Leipziger Land. Mit Kneipp aktiv und gesund bleiben, ist das Ziel. Dafür ist der Bau eines Kneipp-Pfades in Planung, das Pflegebad wurde zur Kneipp-Oase umgebaut und Kneipp-Anwendungen werden angeboten.

Die Preisverleihung zum Sächsischen Altershilfepreis 2013 findet am 16. Oktober von 14.00 bis 17.00 Uhr im Saal 2 des Congress Center Leipzig statt. Zur Teilnahme genügt das Messeticket, eine vorherige, kostenfreie Anmeldung über den Online-Ticket-Shop unter www.pflege-homecare.de wird empfohlen.

Über die PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG

Die PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG ist der wichtigste Branchentreff im Osten Deutschlands. Als Fachmesse und Kongress für ambulante, stationäre und klinische Pflege spricht sie alle Kernbereiche der professionellen Pflege gleichwertig an. 2011 kamen an den drei Messe- und Kongresstagen 12.500 Besucher auf das Leipziger Messegelände, gut 260 Aussteller präsentierten sich auf 16.500 Quadratmetern. 270 Referenten stellten in 140 Veranstaltungen im Rahmen des Kongresses innovative Behandlungskonzepte und neue Methoden den 2.250 Kongressteilnehmern vor.

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