Gut gerüstet für Zwischenfälle: Waldburg-Zeil Experten zeigen Erzieherinnen, mit allergischen Reaktionen und dem Adrenalin-Pen sicher umzugehen

Veröffentlicht am 18.03.2014 12:18 von Claudia Beltz

Wangen – Immer mehr Menschen reagieren allergisch auf Insekten, Nahrungsmittel oder Medikamente. Vor allem Jüngere laufen Gefahr, einen  so genannten anaphylaktischen Schock, d.h. eine schwere allergische Reaktion, zu erleiden. Seit 2006 waren dies in Deutschland und Österreich etwa 5000 Personen, ein Fünftel davon Kinder.

20 Erzieherinnen aus 14 Wangener Kindergärten wollten daher wissen: Wie kann ich mich auf immer mehr Kinder mit Allergien einstellen? Kann ich mich auf eine allergische Schockreaktion vorbereiten? Darf ich in so einem Fall ein Medikament geben – oder muss ich das sogar? Die Stadt Wangen hatte Dr. Wolfgang Franck und Dr. Robert Jaeschke von den Fachkliniken Wangen für diese besondere Fortbildung gewinnen können. Das Team aus erfahrenem Kinderallergologen und Schulungspädagogen erläuterte zunächst, wie sich allergische Reaktionen an den Atemwegen, auf der Haut, im Magen-Darm-Bereich (z.B. mit Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall) oder mit  Kreislaufproblemen bis zur Bewusstseinstrübung zeigen können. Den Erzieherinnen war besonders wichtig zu erfahren, welche Möglichkeiten sie besitzen, allergische Reaktionen bei Kindern zu vermeiden.

Allergien auf Nahrungsmittel, insbesondere Erdnüsse, Baumnüsse, Fisch, Kuhmilch und Hühnerei, gehören zu den häufigsten Auslösern eines anaphylaktischen Schocks im Kindesalter. Deshalb empfahlen Dr. Robert Jaeschke und Dr. Wolfgang Franck ihren Zuhörerinnen, gerade bei der Deklaration von Lebensmitteln genau hinzuschauen. „Das Kleingedruckte ist sehr wichtig, um Lebensmittel nach drei Kategorien wie `unproblematisch´, `eventuell sicher` und `bestimmt gefährlich` einzuteilen. Dieses Ampelsystem hat sich im Alltag von Allergikern bewährt“, weiß Dr. Wolfgang Franck, der seit vielen Jahren Kinder mit Allergien und Neurodermitis an den Fachkliniken Wangen behandelt. „Je genauer etwas deklariert ist, umso besser kann man das Lebensmittel einschätzen. Lose Ware ohne Kennzeichnung ist hier unsicher und somit  nicht zu empfehlen.“

Anschließend setzten sich die Wangener Erzieherinnen mit einer Notfallsituation auseinander. Wie sieht ein Notfallplan aus? Warum sollte man den schon einmal im Kopf durchgespielt haben? Wie setzt man einen Notruf richtig ab und wann? Auch hier vereinfacht ein Ampelsystem das Handeln in Stresssituationen, empfahl Dr. Franck:  „Kinder mit einem bekannten allergischen Potential haben in der Regel ein gut beschriftetes Notfallset dabei. Jeder sollte wissen, wo es liegt!“ Lebhaft wurden rechtliche Fragen und Erfahrungen diskutiert. Dr. Jaeschke riet zu einer ausdrücklichen schriftlichen Erlaubnis und Handlungsanweisung von Eltern, dass Erzieher das Notfallset mit verschiedenen Medikamenten wie Antihistaminika, Corticoiden sowie den Adrenalin-Autoinjektor (kurz: Adrenalin-Pen) anwenden dürfen.

Nun galt es, den Respekt vor dem Adrenalin-Pen, einer Art Einmalspritze, abzubauen. Die Referenten übten mit ihren Zuhörerinnen, den lebensrettenden (Demo-)Pen kräftig in den Oberschenkel zu drücken. Adrenalin wirkt in weniger als fünf Minuten und ist damit in der Lage, die Kaskade einer allergischen Schockreaktion rechtzeitig zu unterbrechen. „Uns ist es sehr wichtig, Bezugspersonen der Kinder über die richtige Handlungsweise bei allergischen Schocks aufzuklären. Natürlich muss ein Allergiker vor allem selbst den Gebrauch des Notfallsets beherrschen und selbst die Vermeidung der Allergene im Blick haben. Wenn seine Bezugspersonen darüber hinaus mit dem Gefährdungspotential umgehen können, ist die Gefahr eines tödlichen anaphylaktischen Schocks wieder ein bisschen kleiner geworden, “ so Dr. Jaeschke über das Ziel der Schulung.

Die Aufklärung in Schulen und Kindergärten ergänzt die Arbeit der Ärzte und Therapeuten an den Fachkliniken Wangen. Denn gut ausgebildete Erzieher fühlen sich sicher genug, Kinder mit hohem Allergiepotential gemeinsam mit Altersgenossen zu betreuen und ihnen damit ein normales Heranwachsen zu ermöglichen.  Deshalb schulen Jaeschke und Franck gerne auch die Pädagogen anderer Kindereinrichtungen.

Info

Eine Anaphylaxie, also eine sofortige, allergische Reaktion verschiedener Organsysteme,  kann  Menschen in der Regel unvorbereitet zu Hause, aber auch in der Schule, auf der Straße oder eben im Kindergarten treffen. Ärztliche Hilfe ist dann nicht immer gleich zur Stelle. Deshalb ist es lebensrettend, Notfallmaßnahmen sicher anwenden zu können. Eine wirkliche allergische Reaktion tritt nicht immer direkt am Ort des Allergiekontaktes auf, das heißt zum Beispiel bei einem Insektenstich in den Arm können der Kreislauf oder die Atemwege reagieren. Man unterscheidet verschiedene Schweregrade. Nur bei leichten Reaktionen kann man auf die Gabe des Adrenalins verzichten. Trotzdem sollte immer ein Arzt kontaktiert werden.

An den Fachkliniken Wangen werden mögliche Allergien von Kindern und Erwachsenen genauestens abgeklärt Patienten werden in der Vermeidung von Allergenen und in der Anwendung ihrer Notfallsets geschult. Weitere Informationen erhalten Interessierte hier: http://v2.kinderklinik-wangen.de/317.html.

Bei Problemen mit Allergien im Kindesalter können sich Interessierte und Betroffene auch telefonisch an die Ambulanz wenden, Telefon 07522/797 – 1171).

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Claudia Beltz

Claudia Beltz
Waldburg-Zeil Kliniken
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