Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen: neue Versorgungsansätze unverzichtbar

Veröffentlicht am 28.01.2015 08:19 von admin

Pressestatement Nr. 2 | 28.01.2015

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)

 

Nach aktuellen Meldungen von DAK-Gesundheit und Techniker Krankenkasse verursachen psychische Erkrankungen in Deutschland bei Arbeitnehmern immer mehr Fehltage. Demnach entfielen 2014 knapp 17 Prozent aller Ausfalltage auf Depressionen, Angststörungen und andere psychische Leiden. Damit sind psychische Erkrankungen der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen. Dazu erklärt DGPPN-Präsidentin Dr. Iris Hauth: 

„Die aktuellen Reporte machen deutlich, dass psychische Erkrankungen zu den schwerwiegendsten Gesundheitsproblemen in Deutschland gehören. Sie müssen deshalb noch stärker in den Fokus von Gesundheitspolitik und Selbstverwaltung rücken. Unverzichtbar ist dabei die Entwicklung und Implementierung von sektorenübergreifenden und strukturierten Versorgungsansätzen. Prävention, Behandlung und Rehabilitation müssen ambulant und stationär so ineinander greifen, dass wir psychisch erkrankte Menschen frühzeitig ausreichend behandeln und ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sichern können. Nur so lassen sich langfristig die enormen Krankheitslasten reduzieren.

Ein besonderes Augenmerk muss dabei auf den Depressionen liegen. Denn nach den aktuellen Hochrechnungen haben diese 2013 bundesweit mehr als 31 Millionen Fehltage verursacht. Trotzdem zeigen sich bei der Behandlung von Depressionen alarmierende Versorgungsdefizite und große regionale Unterschiede. Drei von vier Patienten mit schweren Depressionen erhalten keine den aktuellen Behandlungsleitlinien entsprechende Therapie. Oftmals verläuft die Behandlung viel zu einseitig und entspricht nicht der empfohlenen Kombinationstherapie aus Antidepressiva und Psychotherapie. Die Behandlung von Depressionen muss sich deshalb stärker an der Nationalen Leitlinie ‚Unipolare Depression‘ ausrichten, die auf der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz gründet und den gegenwärtigen Stand des medizinischen Fortschritts berücksichtigt. Angesichts der hohen Relevanz für die Gesundheit in der Bevölkerung ist ein nationales Disease-Management-Programm (DMP), wie es der aktuelle Entwurf des Versorgungstärkungsgesetzes vorsieht, der richtige Weg.

Jeder depressiv erkrankte Mensch, der Kontakt zum Gesundheitssystem hat, muss überall in Deutschland sicher sein können, dass seine Erkrankung richtig erkannt und behandelt wird. Hier könnte die von der DGPPN vorgeschlagene Akutsprechstunde für psychische Erkrankungen zu einer entscheidenden Verbesserung in der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Fachärzten und Psychotherapeuten beitragen.“

Kontakt
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Tel.: 030.2404 772-11
E-Mail: pressestelle[at]dgppn.de

 

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