Experten orten erhöhten Bedarf an physikalischer Medizin

Veröffentlicht am 27.10.2011 11:23 von Redaktion RehaNews24.de

Zu wenig Planstellen in Österreich – Unnötig viele Krankenstandstage und erhöhte Folgekosten

Wien. In Österreich gibt es nach wie vor zu wenige Planstellen für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte für physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation. Dies hat auch Auswirkungen auf die Kostenstruktur im Gesundheitswesen, denn Studien belegen, dass durch den gezielten Einsatz von Physikalisten speziell bei der Behandlung von Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparats sich jährliche Einsparungen in Millionenhöhe ergeben könnten.

Eine norwegische Studie zeigt, wie groß die Kostenersparnisse durch eine physikalische Kombinationstherapie tatsächlich sind: Krankenstände infolge von Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats dauern unter physikalischer Kombinationstherapie exakt um 23,36 Prozent kürzer als eine Behandlung ohne physikalische Medizin. „Auf Österreich umgerechnet bedeutet dies, dass wir in einem Jahr bis zu 320 Millionen Euro allein bei den Krankenstandskosten einsparen könnten“, sagt dazu der zuständige Fachgruppenobmann in der Wiener Ärztekammer und Fachgruppen-Bundessprecher Friedrich Hartl.

Die beeindruckenden Dimensionen belegen weitere Zahlen, die Hartl im Vorfeld des „3. Zentraleuropäischen Kongresses für physikalische Medizin und Rehabilitation“ und dem parallel dazu stattfindenden „7. Europäischen Sport Medizin Kongress“ in Salzburg nennt: „Allein im Jahr 2009 wurden in Österreich 461.000 Krankenstände unter Stütz- und Bewegungsapparat verbucht. Das sind in Summe mehr als 8,3 Millionen Krankenstandstage in nur einem Jahr beziehungsweise in etwa 18 Krankenstandstage pro Fall.“

Durch den verstärkten und gezielten Einsatz von Physikalisten ließen sich diese Krankenstandstage maßgeblich reduzieren. Hartl: „Unsere Arbeit hat, abgesehen von der menschlichen Komponente, also auch einen enormen gesellschaftspolitischen Nutzen.“ Der Fachgruppenobmann fordert daher von der Politik und der Sozialversicherung sowohl im niedergelassenen Bereich als auch in stationären Einheiten, wie Rehabilitationseinrichtungen, Spitäler und Kureinrichtungen, die vermehrte Schaffung von Planstellen, um der hohen Nachfrage an physikalischer Medizin und Rehabilitation in Österreich effizient nachkommen zu können.

Zudem rechnet Hartl mit einem weiteren Bedarfsanstieg in den nächsten Jahren, bedingt durch viele Trendsportarten und die demografische Entwicklung und dem damit zusammenhängenden Anstieg von Verletzungsfolgen, degenerativen Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats und den Folgen von Gefäßerkrankungen und Erkrankungen des Nervensystems, wie zum Beispiel Schlaganfälle.

Kongress in Salzburg vom 26. bis 29. November 2011

Die sozialmedizinischen Aspekte am Beispiel der Behandlung von Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparats sind nur eines der Hauptthemen beim „3. Zentraleuropäischen Kongress für Physikalische Medizin und Rehabilitation“ und dem parallel dazu stattfindenden „7. Europäischen Sport Medizin Kongress“ in Salzburg.

Mehr als 600 Experten aus dem In- und Ausland werden noch bis einschließlich Samstag über sämtliche Aspekte der physikalischen Medizin sowie der Sportmedizin diskutieren, wobei Veränderungen von Muskeln und Gelenken im Alter, neue Trends bei der Behandlung von Sportverletzungen, Gelenksprobleme bei älteren Menschen sowie die generellen Möglichkeiten der physikalischen Therapie bei Sport-, Überlastungs- und Haltungsproblemen besondere Bedeutung zukommen. (hpp)

Rückfragehinweis: Ärztekammer für Wien – Pressestelle Dr. Hans-Peter Petutschnig Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289 hpp@aekwien.at http://www.aekwien.at

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