Elefantenhochzeit Helios/Rhön: VLK bewertet aktuelle Entwicklung im deutschen Krankenhausmarkt skeptisch

Veröffentlicht am 29.10.2013 14:59 von redaktion

Berlin, 28. Oktober 2013 – Nach Einschätzung des Verbands der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands e.V. (VLK) könnte die düstere Vision eines mit einem oligopolartigen Netzwerk überzogenen stationären Versorgungsbereichs Wirklichkeit werden, wenn die Eingliederung von 43 Rhön-Klinken in den Konzernverbund Fresenius/Helios tatsächlich vollzogen wird. „Sollten die noch ausstehenden Gerichtsentscheidungen und der Beschluss des Bundeskartellamtes zu Gunsten von Rhön ausfallen, dann wird Helios nicht nur Marktführer im stationären Versorgungsbereich in Deutschland, sondern zugleich auch der europaweit größte private Klinikträger mit einem geschätzten Umsatz von 5,5 Mrd. Euro pro Jahr. Dies wäre ohne Zweifel ein bedeutsamer Schritt weg von dem im Krankenhausfinanzierungsgesetz verankerten Grundsatz der Aufrechterhaltung der Trägervielfalt“, erklärte Prof. Dr. Hans-Fred Weiser, Präsident des VLK.

Mit Sorge beobachte der VLK deshalb den derzeit heftig geführten Kampf um die Vorherrschaft im deutschen Krankenhauswesen. Dabei gehe es um wesentlich mehr als um die An-zahl vorgehaltener Betten, sagte Weiser. Dem deutschen Gesundheitswesen drohe, „die Gefahr des Überstülpens eines Fresenius/Helios-geprägten Versorgungsnetzes“. Der Kauf der 43 Rhön-Kliniken, der bereits erfolgte Ankauf von Praxissitzen und MVZ, der lancierte Plan, eine Helios-eigene Krankenversicherung für Helios-Patienten anzubieten, die Belieferung der Konzern-Kliniken mit Medizin-Produkten aus der Fresenius-Palette und – nach unbestätigten Informationen des VLK – die Versorgung mit Generika aus einem bereits aufgekauften indischen Unternehmen seien geeignet, den komplett Helios-abhängigen Patienten zu kreieren. Zumal nach Bekundungen aus dem Konzern nach dem erfolgten Rhön-Zukauf bundesweit kein Patient mehr als eine Entfernungs-Stunde von einer Helios-eigenen Einrichtung residierte, so die Kritik des VLK.

Am Ende dieser Entwicklung stehe dann ein „Gesundheitskonzern, dessen Leistungsportfolio von der Wiege bis zur Bahre alle Bereiche umfasse, und der darüber hinaus jederzeit auf-grund seiner Finanzkraft in der Lage ist, durch Neugründung privater Kliniken die Krankenhausplanung der Bundesländer auszuhebeln“, sagte Weiser.

Die Gefahr, die sich hinter einer solchen Entwicklung verberge, liege in der Konzern-immanenten Gewinnorientierung. Weiser: „Private Klinikketten sind ihrem Wesen nach nur bedingt soziale Einrichtungen. Dies gilt umso mehr für börsennotierte Unternehmen. Sie müssen gewinnorientiert arbeiten, um den Shareholder-Value zu bedienen. Dies beinhaltet die Gefahr, dass durch Reduzierung von Sach-und Personalkosten die Gewinnmarge des Unternehmens um jenes Maß erhöht wird, um das die Arbeitsbelastung von Ärzten und Pflegekräften zunimmt und um das die Versorgungsqualität zu Lasten der Patienten zurückgeht.“

Der Verband der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands e.V. ist der Zusammenschluss aller leitenden Krankenhausärzte, die verantwortungsvoll an der Gestaltung und Erhaltung eines leistungsfähigen, funktionierenden und patientenorientierten Krankenhauswesens mitwirken wollen. Der Verband der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands e.V. wurde im Jahre 1912 gegründet.

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