Einblick in das Leben psychisch erkrankter Menschen – die Gewinner des DGPPN-Medienpreises für Wissenschaftsjournalismus 2013

Veröffentlicht am 25.11.2013 13:19 von redaktion

Presseinformation Nr. 18 | 25.11.2013

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)

DGPPN Kongress l 27.–30.11.2013 l ICC Berlin

Was bedeutet es, psychisch krank zu sein? Der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte DGPPN-Medienpreis für Wissenschaftsjournalismus zeichnet in diesem Jahr drei Beiträge aus, die einen eindringlichen Einblick in das Leben psychisch erkrankter Menschen geben. Die Auszeichnungen werden am kommenden Freitag im Rahmen des diesjährigen DGPPN Kongresses verliehen. 

Zwei Printbeiträge und eine TV-Dokumentation erhalten den DGPPN-Medienpreis für Wissenschaftsjournalismus 2013. Die Jury aus Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Journalisten musste ihre Entscheidung aus insgesamt 50 Beiträgen in den Kategorien Print, Online, TV und Hörfunk treffen. Eine der drei Gewinnerinnen ist Jana Kalms, die für ihren Film „Tabu – Psychisch krank im Job“ (Arte) ausgezeichnet wird. Die Dokumentation begleitet vier Menschen nach schweren psychischen Erkrankungen auf ihrem Weg zurück in die Arbeitswelt. Im Film berichten die Porträtierten offen von ihren Erfahrungen, von ihren inneren Konflikten und Ängsten. Sie alle brauchen lange, um zu akzeptieren, dass sie psychisch erkrankt sind. Jeder von ihnen muss intensiv daran arbeiten, um seine seelischen Probleme zu bewältigen und den Alltag wieder meistern zu können. Jana Kalms zeigt in ihrer Dokumentation eindrücklich auf, dass psychische Erkrankungen noch immer ein gesellschaftliches Tabu sind und viele Menschen aus Scham und Sorge um ihren Arbeitsplatz ihre seelischen Krisen lieber verschweigen. Im Verlauf ihrer Recherchen hat sie mit mehr als 50 psychisch erkrankten Frauen und Männern gesprochen.

Kann man eine Karriere als Professorin machen und gleichzeitig an Schizophrenie erkrankt sein? Diese Frage stellt Astrid Viciano in ihrem Beitrag „Elyn und die Dämonen“ (ZEIT Wissen, 3/2013), für den sie den DGPPN-Medienpreis in der Kategorie Print erhält. Sie porträtiert die Professorin Elyn Saks, die an der Gould School of Law lehrt und mit Schizophrenie lebt. Der Beitrag zeigt, dass Menschen auch mit schweren psychischen Erkrankungen am Berufsalltag teilhaben können. Während viele von ihnen auch heute noch mit Vorurteilen kämpfen müssen, vermittelt der Artikel eine andere, positive Sicht – ohne aber die schwer wiegenden Auswirkungen der Krankheit zu verschweigen: Gäbe es eine Pille, heißt es zum Schluss, die ihre Krankheit auf einen Schlag verschwinden ließe, Elyn Saks würde sie sofort nehmen. 

Simone Salden wird für ihren Artikel „Eine Leiche zu viel“ (DER SPIEGEL, 50/2012) ausgezeichnet. Das Porträt erzählt die Geschichte von Ernst Kappel, einem Polizisten aus Baden-Württemberg, der 2009 beim Amoklauf in Winnenden im Einsatz war und seitdem an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Die Autorin beschreibt, welche enormen und langjährigen Auswirkungen die psychische Erkrankung auf das Leben des Porträtierten hat. Ihr Artikel lenkt den Blick auf die Opfer und Angehörigen von Amokläufen und zeigt auf, wie umfassend und langfristig deren Unterstützung reichen muss. Damit leistet Simone Salden auch wertvolle Aufklärungsarbeit: Obwohl Angststörungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen gehören, ist in der Bevölkerung nur wenig darüber bekannt. 

Mit dem Leitmotiv „Von der Therapie zur Prävention“ rückt die DGPPN auf ihrem Jahreskongress ein hochaktuelles Thema in den Vordergrund. Über 9000 Teilnehmer werden ab Mittwoch in Berlin erwartet. Damit ist der DGPPN Kongress Europas größte Fachtagung im Bereich der psychischen Gesundheit. Der Kongress greift auch aktuelle gesundheitspolitische und gesellschaftliche Themen auf. Als Journalistin und Journalist können Sie sich direkt vor Ort für den DGPPN Kongress registrieren und Interviews mit Experten vereinbaren. Beachten Sie bitte die exklusiven Presseveranstaltungen

Hintergrund
Mit dem Medienpreis für Wissenschaftsjournalismus würdigt die DGPPN in Verbindung mit der Stiftung für Seelische Gesundheit engagierte Journalistinnen und Journalisten im Bereich Wissenschaftsberichterstattung der Print- bzw. Elektronikmedien für hervorragende Leistungen. Die Jury, zu der u.a. Ulrike Eichin (ZDF, Mainz), Joachim Müller-Jung (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt/Main), Jochen Niehaus (Focus, München), Christian Weber (Süddeutsche Zeitung, München) sowie Volker Weinl (Bild am Sonntag, Berlin) gehören, hat die preiswürdigen Kandidaten in diesem Jahr aus insgesamt 50 Einsendungen ausgewählt. Voraussetzung für die Bewerbung sind Beiträge, die zur Popularisierung wissenschaftlicher Sachverhalte aus den Bereichen Psychiatrie, Psychotherapie sowie seelische Gesundheit beitragen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird von der DGPPN in Verbindung mit der Stiftung für Seelische Gesundheit verliehen. Die Zielsetzung der Stiftung gilt der Förderung der seelischen Gesundheit der Bevölkerung und die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. 

Kontakt
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Reinhardtstraße 27 B
10117 Berlin
Tel.: 030.2404 772-11
Fax.: 030.2404 772-29
E-Mail: pressestelle[at]dgppn.de


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Pressemitteilung: Einblick in das Leben psychisch erkrankter Menschen – die Gewinner des DGPPN-Medienpreises für Wissenschaftsjournalismus 2013 (PDF; 179KB)

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