Ein Leben ohne Stottern: Erstmals per Online-Therapie

Veröffentlicht am 01.07.2014 12:24 von redaktion

Hamburg. Bruce Willis kennt ihn, Julia Roberts und Rowan Atkinson alias „Mr. Bean“: den inneren Kampf gegen den Buchstaben, der das Sprechen blockiert. Sie alle stotterten. Fünf von hundert Kindern sind davon betroffen, meist bis zur Pubertät. Aber auch einer von hundert Erwachsenen stottert. Erstmals können Betroffene der Sprachblockade jetzt mit einer reinen Online-Therapie zu Leibe rücken. Das Programm hat die Techniker Krankenkasse (TK) gemeinsam mit dem Institut der Kasseler Stottertherapie entwickelt. 

Und so funktioniert’s: Über ein Jahr lang treffen sich die Betroffenen mit ihrem Therapeuten über die Plattform Freach in einer virtuellen Sprechstunde – mal allein, meist gemeinsam mit drei anderen Stotterpatienten. Zu Beginn trainieren sie täglich drei bis sechs Stunden. Nach und nach reduziert sich der Zeitaufwand auf ein bis drei Stunden pro Woche. Ein computergestütztes Programm hilft zudem beim Üben außerhalb der Therapiestunden. 

Und die Mühe lohnt sich: „Nach unserer Therapie können die meisten Teilnehmer flüssig sprechen“, sagt Dr. Alexander Wolff von Gudenberg. „Betroffene, die zuvor in vielen Situationen kaum ein Wort stotterfrei über die Lippen brachten, halten Vorträge, führen erfolgreich Verkaufsgespräche oder sprechen problemlos fremde Menschen an“, so der Gründer der Kasseler Stottertherapie. Er ist selbst betroffen und hat einen wahren Therapiemarathon hinter sich. Auf Basis dieser persönlichen Erfahrungen hat der Facharzt für Allgemeinmedizin, Stimm- und Sprachstörungen das Konzept entwickelt. 

„Die Teletherapie wendet sich an Stotternde ab 13 Jahren im gesamten Bundesgebiet – teilnehmen können sie bequem von zuhause aus“, sagt Mandy Kettlitz, die das Projekt bei der TK betreut. Vor dem Start der Onlinetherapie müssen sie sich lediglich einmal persönlich beim Institut der Kasseler Stottertherapie vorstellen, um zu überprüfen, ob das Programm für sie geeignet ist. Die nächsten Termine sind der 30. Juli und der 20. August 2014. Mehr Informationen zu dem Projekt gibt es unter dem Webcode 646540 auf www.tk.de und unter www.teletherapie-stottern.de

Zum Hintergrund

Wie das Stottern entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt – es gibt Hinweise auf neurologische und genetische Einflüsse. Außerdem können Stress und belastende Erfahrungen dazu beitragen, Stottern auszulösen oder zu verschlimmern. Die Sprachstörung gilt als nicht heilbar – dennoch gibt es Hilfe: Als besonders wirksam, selbst bei schwer stotternden Menschen, hat sich die Kasseler Stottertherapie erwiesen. Das Erfolgsrezept: eine speziell entwickelte Sprechtechnik, individuelles Feedback und Hilfe beim Überwinden von psychosozialen Belastungen und Sprechängsten. 

Ein Video-Interview mit dem Gründer und ärztlichen Leiter des Instituts der Kasseler Stottertherapie, Dr. Alexander Wolff von Gudenberg, gibt es unter www.youtube.com/tkpresse.

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