Ehrenamtlichen-Schulung der Deutschen Tinnitus-Liga e. V.: Themen Selbsthilfe und Hyperakusis im Fokus

Veröffentlicht am 11.06.2015 09:23 von Sabine Wagner

Vom 5. bis 7. Juni 2015 fand die jährliche Schulung der ehrenamtlich Tätigen der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL) statt. Die Veranstaltung war auch in diesem Jahr wieder ausgebucht: Rund 100 Teilnehmer – darunter Sprecher der Selbsthilfegruppen, Berater sowie Referenten – waren der Einladung der DTL nach Bonn-Bad Godesberg gefolgt. Die Themen Selbsthilfe und Hyperakusis standen im Mittelpunkt der Veranstaltung, die mithilfe der finanziellen Förderung der IKK classic durchgeführt werden konnte.

Zum Auftakt der Veranstaltung begrüßten DTL-Geschäftsführer Michael Bergmann und DTL-Präsident Volker Albert die aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten Teilnehmer. Anschließend folgte ein Vortrag von Stefan Fydrich aus Waldkappel zum Thema „Obertonmusik bei Tinnitus und Hyperakusis“. Fydrich schilderte vor dem Hintergrund seiner eigenen Tinnitus- und Hyperakusis-Belastung, wie ihm das Obertonsingen geholfen hat: Dabei kann durch Summ- und Brumm-Töne eine Beruhigung erzielt werden, was Fydrich in Singübungen zum Mitmachen und instrumentalen Darbietungen anschaulich vermittelte. Durch das Experimentieren mit der eigenen Stimme könne dabei ein Weg zu sich selbst gefunden werden.

Ehrenamtlichen-Schulung der DTLAm Samstagvormittag standen Vorträge zum Thema Selbsthilfe auf dem Programm. Zu Beginn referierte Dr. Christopher Kofahl vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf über die „Effektivität der Selbsthilfearbeit: Studienergebnisse und Stellenwert der ehrenamtlichen Arbeit“. Zunächst gab Dr. Kofahl einen Überblick über die bisherigen Ergebnisse der SHILD-Studie („Gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland – Entwicklungen, Wirkungen, Perspektiven“), die vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf federführend mit Akteuren der Selbsthilfe durchgeführt wird und die Selbsthilfelandschaft in Deutschland abbilden soll. In der Studie wurden Vertreter der Selbsthilfegruppen und -organisationen unter anderem zu Zielen und organisatorischen Herausforderungen befragt. In den Antworten zeigt sich, dass die Aktivitäten und Ziele der Selbsthilfeorganisationen und Selbsthilfegruppen weit über die nach innen gerichteten Ziele hinausgehen. Zu den derzeit größten Herausforderungen der Selbsthilfeorganisationen und -gruppen zählen die Gewinnung insbesondere auch jüngerer Mitglieder sowie die Mitglieder-Aktivierung. Weiterhin kündigten DTL-Vizepräsident Prof. Dr. med. Gerhard Goebel und Dr. Christopher Kofahl an, dass neben den Indikationsgebieten Diabetes mellitus Typ 2, Multiple Sklerose, Prostatakrebs sowie Angehörige von Demenzkranken künftig auch Tinnitus als Indikation in die SHILD-Studie mit eingeschlossen wird, so dass somit auch die DTL und ihre Selbsthilfegruppen in die Untersuchung mit eingebunden werden.

Georg Hensel von der IKK classic erläuterte im Anschluss den „neuen Leitfaden zur Selbsthilfeförderung“, der am 1. Januar 2014 in Kraft getreten ist und in dem die Voraussetzungen und Kriterien für eine finanzielle Förderung der gesundheitsbezogenen Aktivitäten von Selbsthilfegruppen, -organisationen und -kontaktstellen geregelt sind. Hensel beschrieb auch die verschiedenen Fördermöglichkeiten. So ist die Pauschalförderung im Rahmen einer kassenübergreifenden Gemeinschaftsförderung geregelt, bei der alle GKV in einen Topf zahlen und eine Stelle benennen, die die Verteilung der Fördergelder vornimmt. Bei der Pauschalförderung geht es um die originäre, gesundheitsbezogene Selbsthilfearbeit, die Informations- und Beratungstätigkeiten der Selbsthilfegruppen betreffend, beispielsweise auch um regelmäßige Ausgaben wie Miete für Räumlichkeiten etc. Hier ist nur ein Förderantrag für das jeweilige Förderjahr von den Selbsthilfegruppen zu stellen. Bei der Projektförderung hingegen handelt es sich um eine kassenindividuelle Förderung, bei der man sich mit dem Antrag an eine Kasse wendet. Hier werden konkrete Projekte wie Tagesveranstaltungen, Kosten für Referenten etc. gefördert. Der Leitfaden steht im Internet zum Download bereit unter www.gkv-selbsthilfefoerderung-nrw.de, unter dem Menüpunkt Grundlagen/Leitfaden.

Im Workshop „Finanzielle Förderung von Selbsthilfegruppen und deren Projekten durch Krankenkassen auf örtlicher Ebene“ erläuterte Georg Hensel am Nachmittag die Fördermöglichkeiten und Antragstellung dann nochmals im Detail. Zum vielfältigen Workshop-Programm am Samstagnachmittag gehörten außerdem Workshops zu den Themen „TIM – tinnituszentrierte Musiktherapie“ von Elisabeth Schmitt, zum Umgang mit schwierigen Gesprächen von DTL-Vorstandsmitglied und Sprecherin der SHG Kulmbach, Steffi Daubitz, zum „Umgang mit Hyperakusis im Alltag: Wissen für die Beratungspraxis“ von Prof. Dr. med. Gerhard Goebel sowie über den „Nutzen der Feldenkraismethode bei Tinnitus“ von Marcel Welsch.

Am Sonntag sprach Dominik Huppertz von Köttgen Hörakustik in Köln über die „Adäquate Versorgung mit Hörgeräten bei Tinnitus und Hyperakusis“. Huppertz stellte verschiedene Hörsysteme für Tinnitus- und Hyperakusis-Betroffene vor, unter anderem auch Hörgeräte mit Noiserfunktion oder integrierten Klängen, die vom Tinnitus ablenken sollen. Der Vortrag sorgte für angeregte Diskussionen über die einzelnen technischen Versorgungen.

Abschließend stellte Ursula Bundschuh aus Bergisch Gladbach auf erfrischende Weise „Praktische Entspannungsübungen für den Alltag“ vor, die die aktive Entspannung des gesamten Körpers zum Ziel hatten. Entspannt und bestens gelaunt traten die Teilnehmer ihre Heimreise an. Auch im nächsten Jahr findet die Ehrenamtlichen-Schulung wieder im Gustav-Stresemann-Institut in Bonn-Bad Godesberg statt, und zwar vom 3. bis 5. Juni 2016.

Bildunterschrift:
Die Teilnehmer der Ehrenamtlichen-Schulung in Bonn-Bad Godesberg. Foto: Sabine Wagner.


Über die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL)

Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL) vertritt als gemeinnützige Selbsthilfeorganisation die Interessen der Patienten mit Tinnitus, Hörsturz, Hyperakusis und Morbus Menière sowie ihrer Angehörigen. Rund 13.000 Mitglieder machen die DTL zum größten Tinnitus-Zusammenschluss in Europa und zum anerkannten Partner des Gesundheitswesens in Deutschland. Über 800 Fachleute gehören der DTL als Partner und fördernde Mitglieder an, darunter renommierte Wissenschaftler, HNO-Ärzte, Ärzte weiterer Disziplinen, Hörgeräteakustiker, Psychologen und Therapeuten. Außerdem werden rund 90 Selbsthilfegruppen in Deutschland durch die DTL betreut. Gegründet wurde die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. 1986 in Wuppertal.
Weitere Informationen: www.tinnitus-liga.de

Kontakt:
Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL)
Sabine Wagner
Am Lohsiepen 18
42369 Wuppertal
Tel.: 0202 24652-24
Fax: 0202 24652-20
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