Ehrenamtlichen-Schulung der Deutschen Tinnitus-Liga e. V.: „Die Laienkompetenz der DTL wird in Politik und Gesellschaft geschätzt“

Veröffentlicht am 05.06.2018 16:11 von Sabine Wagner

Bei der Schulung der ehrenamtlich Aktiven in der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL), die vom 1. bis 3. Juni 2018 in Königswinter stattfand, stand relevantes Wissen für die Arbeit in den Selbsthilfegruppen und der Beratung auf dem Programm. Die vielfältigen Themen der Vorträge und Workshops zeigten einmal mehr, dass es bei Tinnitus sehr wohl zahlreiche Methoden zur Linderung der Belastung gibt. Rund 100 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet – darunter Sprecher der Selbsthilfegruppen, DTL-Berater und Referenten – kamen zu der durch die IKK classic geförderten Veranstaltung.

Die Selbsthilfe gilt in Deutschland als „vierte Säule“ im Gesundheitswesen. Volker Albert, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Tinnitus-Liga e. V., hob in seiner Begrüßungsrede am Freitag die Bedeutung der DTL für Betroffene und ihr fundiertes Wissen über Tinnitus hervor: „Wir in der DTL haben eine Laienkompetenz, die in Politik und Gesellschaft geschätzt wird.“ Weiterhin machte Volker Albert deutlich, wie bereits im Februar veröffentlicht wurde, dass er ein letztes Mal für das Amt des Vorsitzenden kandidieren werde, um ausreichend Zeit für die Einführung eines potenziellen Nachfolgers zu haben. Aus aktuellem Anlass des Inkrafttretens der Datenschutz-Grundverordnung am 25. Mai 2018 erklärte DTL-Geschäftsführer Michael Bergmann, worauf die Selbsthilfegruppen ab sofort in ihrer Arbeit achten müssen.

Ein ebenfalls aktuelles Thema griff Daniel Jux, Projektmanager der BAG Selbsthilfe, in seinem Vortrag „Demografischer Wandel und Herausforderungen an die Selbsthilfe“ am Samstagvormittag auf. Er erläuterte, dass unsere Bevölkerung „älter, weniger und multikultureller“ werde, und was dies für die Selbsthilfe bedeute. So seien junge Menschen eine umworbene Zielgruppe, auf deren Bedürfnisse eingegangen werden müsse, um sie für die Selbsthilfe zu gewinnen. 22,5 Prozent der Bürger hierzulande haben einen Migrationshintergrund, was spezielle Maßnahmen besonders in der Kommunikation erfordere, um das Selbsthilfeangebot auch für diese zugänglich zu machen. Auch habe sich die Bedeutung der Familie verändert, weshalb die Selbsthilfegruppe das Potenzial habe, „im demografischen Wandel die Familie der Zukunft zu werden“.

Dr. med. Roland Zeh, Chefarzt an der MEDIAN-Kaiserberg-Klinik Bad Nauheim, sprach über „CI-Rehabilitation für stark Hörgeschädigte und Tinnitus-Betroffene“. Er schilderte den Hörvorgang, die Funktionsweise eines Cochlea-Implantats (CI) sowie die verschiedenen Bausteine der Rehabilitation nach einer CI-OP. Gut 80 Prozent der Menschen mit Tinnitus haben Dr. Zeh zufolge auch eine Hörbeeinträchtigung. Man könne mit einem Cochlea-Implantat den Tinnitus therapieren beziehungsweise überdecken, jedoch nur, wenn eine entsprechend starke Hörminderung vorliege. „Je besser Sie trotz Ihrer Schwerhörigkeit hören, desto weniger wird Sie Ihr Tinnitus belasten“, so Dr. Zehs Fazit.

Der Samstagnachmittag bot ein spannendes und vielfältiges Workshop-Programm, das einmal mehr die irrige Annahme widerlegte, bei Tinnitus „könne man nichts machen“. Im Workshop von Prof. Dr. med. Gerhard Goebel, stellvertretender Vorsitzender des DTL-Vorstandes, ging es um „Notfallberatung bei akutem Tinnitus bei Schwerst-Betroffenen“ sowie um die Frage, wie man akut Betroffenen adäquat hilft. Der „Umgang mit depressiven Tinnitus-Betroffenen“ wurde im Workshop des Diplom-Psychologen Detlef Kranz thematisiert. Leichtere Töne im wahrsten Sinne des Wortes wurden beim „Heilsamen Singen“ mit der Musiktherapeutin Elisabeth Schmitt angeschlagen. Meister Yang Song ging von der körperlichen Seite aus und leitete „Entspannungsübungen aus dem Tai Chi für Hörbehinderte und von Tinnitus und Morbus Menière Betroffene“ an. Dr. Wolfgang Kohls stellte die „Triggerpunktakupunktur als Behandlungsmethode bei Tinnitus“ vor. Die Neurofeedback-Trainerin Dorte Schmid zeigte anschaulich das „Neurofeedback als Behandlungsmethode bei chronischem Tinnitus“ auf, bei dem über Elektroden am Kopf Hirnströme gemessen werden. Ein computergestütztes Verfahren versetzt den Betroffenen so in die Lage, sich bewusst zu entspannen.

Diplom-Ingenieur Carsten Ruhe sprach am Sonntagvormittag über „Hörgerechte Barrierefreiheit“ und worauf es beim barrierefreien Planen und Bauen ankommt. Ruhe hatte im Veranstaltungsraum eine induktive Höranlage aufgebaut, um deren Vorteile zu demonstrieren. „Mit einer induktiven Höranlage sitzen Sie akustisch in der ersten Reihe, auch wenn Sie ganz hinten sitzen“, so Ruhe.

Bei der abschließenden Feedback-Runde waren sich die Teilnehmer einig: „Sehr gute Vorträge, tolle Workshops – wir nehmen immer ganz viel mit für unsere Arbeit in den Gruppen!“ Besonders wichtig sind allen auch die Gemeinschaft sowie der Austausch der Selbsthilfegruppen untereinander.

Bildunterschrift:
Rund 100 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet kamen zur Schulung der Ehrenamtlichen der DTL nach Königswinter. Foto: Sabine Wagner.

Über die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL)
Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL) vertritt als gemeinnützige Selbsthilfeorganisation die Interessen der Patienten mit Tinnitus, Hörsturz, Hyperakusis und Morbus Menière sowie ihrer Angehörigen. Rund 12.000 Mitglieder machen die DTL zum größten Tinnitus-Zusammenschluss in Europa und zum anerkannten Partner des Gesundheitswesens in Deutschland. Über 800 Fachleute gehören der DTL als Partner und fördernde Mitglieder an, darunter renommierte Wissenschaftler, HNO-Ärzte, Ärzte weiterer Disziplinen, Hörakustiker, Psychologen und Therapeuten. Außerdem werden rund 90 Selbsthilfegruppen in Deutschland durch die DTL betreut. Gegründet wurde die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. 1986 in Wuppertal. Weitere Infos: www.tinnitus-liga.de

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