Die Herausforderung des GKV-Versorgungsstrukturgesetzes ist die ambulante Versorgungsebene !

Veröffentlicht am 19.12.2011 14:52 von Bade

Mit dem GKV Versorgungsstrukturgesetz (GKV-VStG) wird ab Januar 2012 der Anspruch auf ein Entlassungsmanagement als unmittelbarer Bestandteil der Krankenhausbehandlung eingeführt. Durch regionale Vorschriften in den Landeskrankenhausgesetzen muss ein koordiniertes Entlassungsmanagement durch die Abstimmung mit ambulanten Ärzten, Pflegediensten, Sanitätshäusern und HomeCare-Unternehmen im Rahmen der Nachsorge-Organisation zügig von Krankenhäusern und Krankenkassen umgesetzt werden.

Das Entlassmanagement im Krankenhaus hat die Aufgabe, die Schnittstellen zwischen den ambulanten und stationären Versorgungsbereichen zu überwinden, Versorgungseinbrüche zu vermeiden und einen kontinuierlichen Behandlungsprozess des Patienten sicherzustellen. Bei dieser teamorientierten, multiprofessionellen Aufgabe sind Aspekte aus Medizin, Pflege, Rehabilitation, HomeCare und Hilfsmittelversorgung mit einzubeziehen.

Gemessen an den derzeit im Krankenhaus erbrachten Assessment-, Informations- und Koordinationsleistungen ist für ein gutes Entlassmanagement ein erheblicher Zusatzaufwand erforderlich. Die Vergütung des Zusatzaufwandes für Krankenhäuser und ambulanter Koordinatoren (Entlassungsmanager) ist im Gesetz nicht geregelt. Die Anreize für Krankenhäuser zur Investition in ein umfassendes Entlassmanagement liegen in der Verkürzung der Verweildauer, der Reduzierung der Wiederaufnahmerate und dem Aufbau erweiterter Patientenservices. Die Aufwendungen im Rahmen der Verträge nach § 112 SGB V werden in der DRG-Vergütung sowie in den tagesgleichen Pflegesätzen nur teilweise kalkulatorisch berücksichtigt.

Obwohl der gesetzliche Anspruch auf eine koordinierte Nachsorge nach Krankenhausaufenthalt seit 2007 durch § 11 Abs. 4 SGBV (Versorgungsmanagement) bestand, sind nach wie vor Defizite auf Grund von Fehlentwicklungen vorhanden:

  • Geringe Anreize zur Durchführung des Entlassungsmanagements,
  • bürokratische und juristische Hürden (unzulässige Kooperationen),
  • mangelnde Informationen auf Seiten der Patienten und Angehörigen sowie
  • fehlende Ansprechpartner für die pflegerische und soziale Betreuung in der ambulanten Versorgungsebene.

Die Folge sind deutliche Qualitätsunterschiede und oftmals Brüche im Behandlungsablauf. Umso wichtiger ist es, die bestehenden Schwachstellen zu beseitigen sowie Lösungswege und Rahmenbedingungen für ein effizientes Entlassmanagement im Krankenhaus zu schaffen.

Die Organisation eines Entlassungsmanagements stellt ein Geflecht von Verträgen zwischen unterschiedlichen Netzwerkpartnern dar (z.B. Hilfsmittelverträge, Verträge zur häuslichen Krankenpflege und HomeCare-Verträge). Durch die stärkere Einbeziehung nichtärztlicher Gesundheitsberufe beim Entlassungsmanagement ergibt sich eine große Handlungsautonomie für die Pflege.

Durch eindeutige Verfahrensregeln müssen berufsgruppenübergreifende Poolkompetenzen festgelegt und aufgebaut werden, da Delegation und Substitution aus wirtschaftlichen und insbesondere prozessorientierten Gründen vom Gesetzgeber (Entlassungsmanagement) sowie Gemeinsamen Bundesausschuss (Heilkunde-Übertragung) gefordert sind. Zukünftig können unter anderem Auswahl, Festlegung, Beratung und Organisation von Bewegungs-, Mobilisations- und Lagerungsmitteln beim Überleitmanagement aus dem Krankenhaus delegiert werden. Dadurch ergibt sich ein neuer Wirkungskreis für die Berufsangehörigen der Kranken- und Altenpflege.

Die Prozesse bei der Hilfsmittelversorgung müssen zusammen mit Sanitätshäusern und HomeCare-Unternehmen neu abgegrenzt und definiert werden. Das Bundessozialgericht hat deutlich pflegerische und therapeutische Leistungen sowie sozialintegrative Ziele von der produktbezogenen Sachmittelbeschaffung der Hilfsmittelverträge nach § 127 SGB V getrennt.


9 Punkte für ein erfolgreiches Entlassungsmanagement
1

Datenanalyse: Auf Basis der Krankenhaus Qualitätsberichte muss eine Bedarfsanalyse der Nachsorgestrukturen für das jeweilige Krankenhaus durchgeführt werden.

2

Versorgungsverträge: Es müssen alle regionalen Hilfsmittelverträge für die wichtigsten Indikationsgruppen geprüft und darauf aufbauend die Angebote für den Nachsorgebedarf erarbeitet werden.

3

Kommunikation mit dem Krankenhausträger: Es müssen alle juristischen Fragen mit der Krankenhaus Verwaltung behandelt werden, die ein koordiniertes Entlassungsmanagement betreffen [ Landeskrankenhausgesetze ].

4

Vertragsmanagement: Mit den Krankenhäusern müssen schriftliche Verträge und Vereinbarungen für das Entlassungsmanagement geschlossen und Verfahrensregeln entwickelt werden.

5

Juristische Prüfung der Kooperationen: Es müssen alle relevanten Aspekte des § 128 SGB V (unzulässige Kooperationen), des Expertenstandards Entlassungsmanagement sowie der G-BA Richtlinien geprüft und alle Informationen an die Krankenhausleitung gegeben werden.

6

Entlassungsmanagement (GKV-VStG): Es muss ein Konzept erarbeitet werden, wie die Änderungen der §§ 39 Abs. 1 und 112 Abs. 2 Satz 7 SGB V zum Entlassungsmanagement erfolgreich eingeführt werden (Nutzung der Pflege-Komplex-Maßnahmen-Scores).

7

Wettbewerbsrechtliche Absicherung: Um alle wettbewerbsrechtlichen Anforderungen zu erfüllen, müssen nicht-entgeltliche Entlassungsmanagement-Vereinbarungen zwischen Krankenhaus und Sanitätshaus (Reha-Technik, HomeCare) eingesetzt werden.

8

Dokumentationsbögen: Es müssen mit den Fachabteilungen der Krankenhäuser einheitliche und verbindliche Bedarfserhebungs- und Dokumentationsbögen entwickelt werden (Nutzung der Pflege-Komplex-Maßnahmen-Scores).

9

Patientenzufriedenheit: Es muss eine Patientenzufriedenheitsmessung für den Nachsorgebereich entsprechend den Anforderungen des Expertenstandards implementiert und für die Qualitätsberichte der Krankenhäuser ausgewertet werden.

Das gesamte Best Practice Konzept und weitere PDF Dokumente sind als eBooks auf einer CD-ROM erhältlich. « mehr lesen »

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