Deutsche Tinnitus-Liga e. V.: Inklusion auch für Hörgeschädigte

Veröffentlicht am 05.03.2014 14:01 von Sabine Wagner

Menschen mit Hörproblemen haben ein Anrecht darauf, nicht mehr weiter ausgegrenzt zu werden. Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL) setzt sich dafür ein, dass Inklusion auch für Hörgeschädigte umgesetzt wird. Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) von 2002 regelt den barrierefreien Zugang, wobei unter Barrierefreiheit auch ausdrücklich der Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation verstanden wird. In Deutschland sind über 13 Millionen Menschen von Höreinschränkungen und Tinnitus betroffen. Ist es für sie schon schwer genug, sich im kleinen Gesprächskreis zu verständigen, so ist es in lauten Umgebungen nahezu unmöglich, etwas zu verstehen.

Das Gleiche gilt auch für Bereiche des Trägers der öffentlichen Gewalt, das heißt für Behörden, Einrichtungen, Schulen oder Veranstaltungsräume, die mit einer speziellen Technik ausgestattet sein müssten, um ein barrierefreies Hören im öffentlichen Raum zu ermöglichen. Der Gesetzgeber fordert seit 2002 ausdrücklich, dass es gerade hier keine Benachteiligung geben dürfe. Dafür bieten sich Induktive Höranlagen an, so dass auch Hörgeschädigte mit und ohne Hörhilfen Gesprächen in schwierigen Hörumgebungen folgen können. Mit diesen Höranlagen wird die Sprache direkt auf das Hörgerät oder das Cochlea Implantat (CI) übertragen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Hörhilfe mit einer sogenannten T-Spule ausgestattet ist. Sie sorgt ‒ vom Hörakustiker aktiviert ‒ für hervorragenden Empfang, selbst in extrem lärmvoller Umgebung.

Das machte auch die Präsidentin der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker (BIHA), Marianne Frickel, jüngst in einer Pressemitteilung deutlich und erklärte weiterhin, dass die Hörakustiker als Experten fachkundig beraten würden. Mit dieser Aussage unterstützt Frickel die vereinten Bemühungen der Hörgeschädigten-Selbsthilfeverbände. Sie fordern, wie auch der Präsident der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL), Volker Albert, schon seit langem die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention für hörgeschädigte Menschen. „Menschen mit Hörschädigungen werden immer noch ausgegrenzt, sei es zum Beispiel am Schalter der Post, bei der Bahn, in Schulen oder auf vielen Behörden“, sagt Albert. Im europäischen Ausland seien entsprechende Anlagen im öffentlichen Raum fast eine Selbstverständlichkeit. In Deutschland müsse man dafür kämpfen.

Seit 2009 ist die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland Gesetz. Gerade im Bereich der öffentlichen Hand sollte die Barrierefreiheit im Sinne einer ungestörten Kommunikation vorbildhaft umgesetzt werden, wie sie auch die Gesetzgebung im BGG seit mehr als zehn Jahren vorsieht, um ein Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen zu ermöglichen. „In erster Linie müssen jedoch die Barrieren in den Köpfen beseitigt werden“, so Volker Albert weiter, „damit Menschen mit und ohne Hörschädigung vorurteilsfrei miteinander umgehen können.“

Diese Barrieren befinden sich auch in den Köpfen der Betroffenen, räumte der Präsident der DTL ein, weil nur eine kleine Prozentzahl Betroffener bereit sei, sich ihre Hörproblematik einzugestehen. Die entsprechende Aufklärungsarbeit können die Selbsthilfeorganisationen allein nicht schaffen, und so wünscht sich Albert mit Hörgeräte-Industrie und -akustikern eine bessere Zusammenarbeit. Wunsch und Wirklichkeit in der Hörgeräteanpassung und die Preisspanne der Geräte klaffen oft weit auseinander ‒ und die Bedürfnisse der Betroffenen bleiben weitgehend unberücksichtigt.

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